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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 806 mal aufgerufen
 IV.2. Betriebsbezogene Überlegungen im Zusammenhang mit Anlagenplanung
Solwac Offline



Beiträge: 61

09.01.2016 21:46
Rund um Warstätt - Überlegungen zum Stückgut Antworten

Während der Reisezugverkehr samt Fahrplan sich relativ leicht aus eigenen Ideen und einem Kursbuch des Vorbilds bauen lässt (und immer noch Knoten ins Gehirn macht), bleiben im Güterverkehr deutlich mehr Lücken.
In Ermangelung von Altpapier und weil die eigenen Gleisanlagen nicht dem Vorbild entsprechen (und nicht so leistungsfähig sind, alleine die Gleislängen und -Anzahl) hier erst einmal eine Analyse der Situation für den Stückgutverkehr.

Warstätt ist Umladebahnhof für Stückgut (Gleise 12a und 13) und hat als Kreisstadt einen ausgeprägten eigenen Stückgutumschlag (Güterschuppen Gleis 12b).

Über die Hauptstrecken wird Stückgut an- und abgefahren und es wird Stückgut bis nach Brilon Wald (obere Ruhrtalstrecke), Borgholz (über Scherfede wird ein Teil der Strecke Scherfede-Holzminden bedient) und Korbach (Twistetalbahn) im Nahbereich bedient. Die Strecken und Warstätt selbst haben einen Einzugbereich von etwa 120.000 Einwohnern. Im Jahr 1960 wurden etwa 7,8 Mio. Tonnen Stückgut mit der Bahn befördert, d.h. statistisch entfallen auf den Bereich um Warstätt etwa 60 Tonnen Stückgut pro Tag. Mit diesen Zahlen und einer durchschnittlichen Auslastung eines Stückgutwagens von etwa 2-3 Tonnen (vgl. Zahlen für Stückgutwagen im Bezirk Würzburg) erscheinen folgende Stückgutwagen passend:
Züge nach Brilon Wald:
- Ortswagen Wrexen
- Ortswagen Marsberg
- Ortswagen Brilon Wald
- Kurswagen Westheim, Bredelar, Messinghausen und Hoppecke

Strecke nach Borgholz (Scherfede wird mit bedient):
- Ortswagen Scherfede
- Kurswagen für Eissen und Borgholz

Strecke nach Korbach:
- Ortswagen Volkmarsen
- Ortswagen Arolsen
- Ortswagen Korbach (wegen der Menge Stückgut oft zwei Wagen)
- Kurswagen für Külte-Wetterburg, Mengeringhausen, Twiste und Berndorf

Zusammen mit anderem Eilgut bietet sich für die Strecken nach Brilon Wald und nach Korbach die Bildung separater Naheilgüterzüge an. Stückgut für Scherfede, Eissen und Borgholz kann mit dem Nahgüterzug befördert werden.
Sollte Eilstückgut eine gesonderte Beförderung genießen sollen, so wären eventuell Personenzüge heran zu ziehen, ich denke aber hier reicht im Nahbereich der normale Stückgutbetrieb.

Das Stückgut für Warstätt und Umgebung muss jetzt natürlich aber auch aus der Ferne heran befördert werden. Hier sind meine Kenntnisse leider nicht so detailliert, ich halte aber folgendes für gut denkbar:
Aus Richtungen Norden, Westen, Süden und Kassel kommen Wagen zusammen mit anderem Eilgut in Gruppen, die von Durchgangseilgüterzügen aus Richtung Altenbeken bzw. Kassel in Warstätt getauscht werden. Zusätzlich kommen zwei Wagen mit einem Personenzug aus Richtung Hagen (z.B. je ein Wagen aus Köln-Gereon und aus Hagen - der restliche Westen läuft über Soest und Paderborn). Diese Stückgutwagen gehen mit den 11 Wagen für den Nahbereich an die Umladerampe. Waren für Warstätt werden danach an das Schuppengleis rangiert, eventuell gibt es auch Ortswagen für Warstätt - diese werden dann direkt an den Schuppen gestellt und brauchen nicht an der Umladerampe zu stehen.

Für den Umladebetrieb ergibt sich daraus ein bevorzugtes Zeitfenster in der Nacht (ca. 3:00 bis 6:00) und am späten Abend (ca. 19:00 bis 22:00) um die Wagen Verteilerzügen zuzustellen bzw. um die Sammlerzüge abzuwarten. Durchgangseilgüterzüge mitten in der Nacht wären also bevorzugt. Dieses enge Zeitfenster wäre auch für andere Stückgutbezirke wünschenswert und alle Bezirke können nicht so bedient werden. Auch wären die Arbeitszeiten für die Güterbodenarbeiter nicht sehr gut planbar. Ein Gruppentausch den Tag über würde hier zwar helfen, dafür würde aber die Beförderungszeit für Stückgut wachsen.

Anmerkungen, Ideen und besonders natürlich Quellenmaterial für ca. 1960 im Bereich der Bundesbahn sind gern gesehen.

tuxlover Offline



Beiträge: 159

10.01.2016 00:26
#2 RE: Rund um Warstätt - Überlegungen zum Stückgut Antworten

Hallo,

ich habe hier ein statistisches Jahrbuch von 1955. Dort beträgt der Stückgutversand bundesweit 5.173.867t. Interessant dürften für dich die Verkehrsbezirke 22 (Südostwestfalen) und 23 (Gebiet um Hagen) sein. Mir ist nicht ganz klar, wo du dich genau verortet hast. Die auf die schnelle abfotografierte Karte ist auch etwas unscharf, hilft aber hoffentlich trotzdem.



Verkehrsbezirk 22 hat einen Stückgutversand von 112.654t also einen Anteil von 2,17%.
Verkehrsbezirk 23 hat einen Stückgutversand von 230.476t also einen Anteil von 4,45%.

Ob dir das mit der Mengenabschätzung jetzt weiterhilft, weiß ich nicht, ist aber vielleicht ein weiterer Anhaltspunkt.

Gruß
Michael

Solwac Offline



Beiträge: 61

10.01.2016 15:21
#3 RE: Rund um Warstätt - Überlegungen zum Stückgut Antworten

Danke für das Bild. Aber ich befürchte, es handelt sich dabei um eine Karte der Verkehrsbezirke für statistische Zwecke. Diese Aufteilung hat nichts mit der betrieblichen Aufteilung der Umladebezirke zu tun.
Der Bezug zum Vorbild ist eh schwierig, da nicht nur der Gleisplan anders als beim originalen Warburg ist, sondern auch die Stückgutumladung sicherlich stark erfundene Teile beinhaltet. Hier geht es mir deshalb weniger um das konkrete Vorbild sondern mehr um vorbildgerechten Betrieb.

tuxlover Offline



Beiträge: 159

10.01.2016 18:33
#4 RE: Rund um Warstätt - Überlegungen zum Stückgut Antworten

Ja die Definition ist richtig. Mit betrieblicher räumlicher Aufteilung hat es nichts zu tun. Du hast die 60t pro Tag ja vermutlich aus der Einwohnergröße runtergebrochen. Wollte dir da noch eine alternative Datenquelle anbieten. Wie man sieht war der Stückgutversand in Bezirk 23 doppelt so hoch, wie in 22 obwohl die räumliche Ausdehnung wesentlich kleiner ist.

Ich kann bei Interesse auch gern die übrigen Verkehrsströme noch auflisten. Dort würde ich mich dann aber auf Grund der Menge auf einen Verkehrsbezirk beschränken wollen.

Gruß
Michael

Solwac Offline



Beiträge: 61

10.01.2016 18:53
#5 RE: Rund um Warstätt - Überlegungen zum Stückgut Antworten

Ach so, das hatte ich nicht so verstanden. Dann danke nochmal! Wenn Du genauere Zahlen für den Bezirk 22 (leider reicht das Bild nicht für eine genaue Bestimmung der Grenzen) hast, dann würde ich mich sehr freuen.
Meine Abschätzung sollte nur eine Plausibilitätsbetrachtung erlauben, die Wege des einzelnen Stückgutpakets sind ja nur für die Preiserleins interessant.

Interessant wäre für mich vor allem Datenmaterial zur Abgrenzung des Verkehrs über die obere Ruhrtalbahn gegenüber der Route über Paderborn und Soest.

tuxlover Offline



Beiträge: 159

10.01.2016 21:16
#6 RE: Rund um Warstätt - Überlegungen zum Stückgut Antworten

So ich habe die entsprechenden Seiten abfotografiert und sie sind sogar halbwegs lesbar geworden. Auch die Karte habe ich noch einmal neu fotografiert. Da die Warenströme in jeden Verkehrsbezirk einzeln aufgelistet sind, kann man sicher abschätzen welche Waren in welche Himmelsrichtung unterwegs waren. Die Zuordnung der Nummern der Verkehrsbezirke kannst du über die Karte und deren Legende vornehmen. Ist zwar etwas Arbeit das auszuwerten, aber man bekommt auch ein gutes Verständnis, welche Art von Waren in der Region transportiert wurden. Wir reden dann hier aber von Wagenladungsverkehr, für den Stückgutverkehr gibt es leider keine weiteren Aufschlüsselungen.

http://nimga.de/gallery/Mrnzl/

Hoffe du kannst damit was anfangen,
Gruß Michael

Solwac Offline



Beiträge: 61

10.01.2016 23:08
#7 RE: Rund um Warstätt - Überlegungen zum Stückgut Antworten

Wow, Klasse!

Die Daten bieten massig Inspirationen, damit kann man sich ja lange beschäftigen!

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