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Dieses Thema hat 21 Antworten
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Bocklbahn Offline


Beiträge: 73


31.03.2009 23:19
#1 RE: Nachruf auf Markenfirmen Thread geschlossen
Vielleicht ist es eine Marketingfrage der Hersteller. Mein Kollege vom Modellbahnclub, dessen Hobby als Modellbahner in seinem Heimatort nicht zuletzt durch unser Modellbahnprojekt im Heimatumusem ziemlich bekannt ist wurde in der letzten Zeit immer wieder von Nicht-Eisenbahnern gefragt, was er nun macht, da Märklin pleite ist (ich weiß, dass man "nur" Insolvenz angemeldet hat und einen neuen Investor sucht, aber die Leute reden halt so). Auf seine Antwort - mit Märklin habe ich nichts zu tun (da er schon immer Gleichstrombahner ist) reagieren die Besagten ungläubig mit Erstaunen.

Ich vermute daher, dass bei der Allgemeinheit Modellbahn = Märklin und meinetwegen Modellhäuser = Faller bedeutet. Vielleicht kennt man noch Fleischmann oder Roco, aber dann war es. Für die meisten, ich nenne sie mal durchschnittlichen Spiel-Modellbahner gibt es nichts anderes - und wenn man doch davon hört - taugt es sicher nichts, sonst würde man von der Firma doch mehr hören...

Mir ging es bis vor etwa 12 Jahren auch so. Modellbahnzetischriften las ich keine, ich baute halt eine Modelleisenbahn auf eine Paltte, natürlich im Kreis - macht man halt so. Erst der Umzug eines Modellbahngeschäfts aus dem Fränkischen in meine nähere Umgebung - man warb mit dem Slogan "der etwas andere Modellbahnladen" oder "bei uns bekommen sie kein Märklin" waren die Ursache dass mein Interesse geweckt wurde und ich Firmen wie z. B. Weinert, das Peco-Gleissystem, und viele andere Kleinhersteller kennenlernte.

Daher denke ich, dass kleinere Modellbahnfirmen gerade jetzt, wo die Großen straucheln, noch mehr am Marketing arbeiten sollten, um somit in den Köpfen als Alternative präsenter zu sein.

Ein anderer Grund, den ich bezüglich dem Nachwuchs nennen möchte ist sicherlich die Tatsache, dass einfach die Vorbildsituationen fehlen. Es verkehren doch überwiegend nur mehr Triebwagen oder Wendezüge und Güter-Ganzzüge. Früher konnte man allenthalben auf irgendeinen Landbahnhof eine Lok beim Rangieren beobachten, sah man an Knotenpunkten Lokomotiven auf der Drehscheibe und wie sie zu ihren Zügen rangierten, es wurden an Firmen und Bahnhöfen Wagons zugestellt usw. Vieles, was zum Nachstellen im Modell reizte und nun einfach verloren gegangen ist. Woher soll die Inspiration für einen Neuling kommen?

Der Neffe (4 Jahre alt) eines anderen Bekannten von mir, der auf Spur 1 macht, kannte Dampflokomotiven natürlich nur von dessen Modellbahn. Beim Besuch in Neuenmarkt/Wirsberg, als sich dort mal wieder ein paar alte Dampfer zu Sonderfahrten trafen, stellte dieser Neffe erstaunt und erfurchtsvoll fest "Die gibt's auch so groß?...."

Schöne Grüße
Robert
eisenhans Offline


Beiträge: 115


01.04.2009 07:40
#2 RE: Nachruf auf Markenfirmen Thread geschlossen

Zitat von Bocklbahn

Ein anderer Grund, den ich bezüglich dem Nachwuchs nennen möchte ist sicherlich die Tatsache, dass einfach die Vorbildsituationen fehlen. Es verkehren doch überwiegend nur mehr Triebwagen oder Wendezüge und Güter-Ganzzüge. Früher konnte man allenthalben auf irgendeinen Landbahnhof eine Lok beim Rangieren beobachten, sah man an Knotenpunkten Lokomotiven auf der Drehscheibe und wie sie zu ihren Zügen rangierten, es wurden an Firmen und Bahnhöfen Wagons zugestellt usw. Vieles, was zum Nachstellen im Modell reizte und nun einfach verloren gegangen ist. Woher soll die Inspiration für einen Neuling kommen?
Der Neffe (4 Jahre alt) eines anderen Bekannten von mir, der auf Spur 1 macht, kannte Dampflokomotiven natürlich nur von dessen Modellbahn. Beim Besuch in Neuenmarkt/Wirsberg, als sich dort mal wieder ein paar alte Dampfer zu Sonderfahrten trafen, stellte dieser Neffe erstaunt und erfurchtsvoll fest "Die gibt's auch so groß?...."


Daran habe ich noch gar nicht gedacht, aber das ist ein wichtiger Punkt. Kinder lernen eine Eisenbahn kennen, an der nichts nicht Interessantes ist. Und um mit zwei ICEs Rennrunden wie beim Slot-Racing zu fahren, ist sie auch nicht geeignet.
Und dann kommt hinzu, dass Kinder auch die moderne eisenbahn kaum kennen lernen. Bei der Klassenfahrt meines Sohnes (7. Kl.) stellte sich neulich raus, dass fast zwei Drittel der Schüler noch nie mit dem Zug gefahren war. Welche Inspiration sollen diese Kinder haben, wenn in der Vorweihnachtszeit in einem Schaufenster ein Zug, Marke egal, aus einer 01 und preußischen Abteilwagen seine Runden dreht?

Zitat von Nico2
Und da sehe ich vor allem das Problem, dass auch hier viele (wieder: Kinder wie Erwachsene) schlicht und einfach keine Lust auf ein Hobby haben, dass sich nicht so einfach „konsumieren“ lässt, wie die vielen anderen Angebote, da kann dann auch die Großserie nicht helfen, eher im Gegenteil, wie Otto schon sagte
Genau, das ist die so genannte Konsumgesellschaft. Und das ist nicht nur ein Klischee.
Nico2 stellte das "Eintrittsalter" in die Modellbahnszene zur Diskussion. Könnte es sein, dass es heute zwanzig Jahre höher liegt als vor dreißig Jahren? Man wächst also heute nicht mehr als Märklinist auf, weil Opa nichts anderes kannte und "so eine" geschenkt hat. Meint

Der Eisenhans

jimknopf Offline


Beiträge: 170


01.04.2009 08:49
#3 RE: Nachruf auf Markenfirmen Thread geschlossen

Hallo,


stimmt, diesen Aspekt der Konsumgesellschaft habe ich auch noch nicht betrachtet. Man muss ja erst einmal was machen, bevor man das Spielzeug benutzen kann. Das ist ja "uncool".

Zu meiner Ehrenrettung muss ich allerdings noch hinzufügen, das meine Jungs 19 und 18 sind und ihre elektronischen Spielzeuge eigentlich nicht dazu dienen, damit sie mir nicht auf "den Senkel" gehen, sondern wir auch gemeinsam vor der Xbox sitzen oder eben auch an der alten Anlage gemeinsam geschraubt haben. Nur meine Jungs haben wenig Interesse an der Modellbahn, helfen halt nur gern bei technischen Arbeiten.

Und das moderne Eisenbahn langweilig ist... hm... ein Containerbahnhof ist bestimmt auch interessant und es gibt ja die Museum-BW, in denen man die alte Zeit erleben kann. Alles nur eine Frage der Motivation.

nachdenklich bleibt zurück

der Jim

OOK Offline


Beiträge: 904


06.05.2009 11:21
#4 RE: Nachruf auf Markenfirmen Thread geschlossen

Zitat von puls200

Zum Nachwuchs noch was anderes: Da gehört auch jemand dazu, der es ihnen zeigt! Der sich mit auf den Teppich legt und Schienen zusammensteckt. Zeigt, wohin die Kabel gehören und auch mal mit ihnen ein paar Bretter zurechtsägt. Ich finde da sind auch die Eltern gefragt. Die haben es sich inzwischen bequem gemacht haben, bei der Playstation 3 wollen (und können) sie nicht viel mitmachen, also haben sie ihre Ruhe. Da sollten wir uns alle ruhig mal an die eigene Nase fassen :)

Ich bekam meine erste "elektrische Eisenbahn" mit 12. Und da gab es niemanden, der "es mir gezeigt" hätte, wie man Schienen zusammensteckt und wo die Kabel hingehören. Das stand alles im Märklin Handbuch Spur 00 (so hieß H0 damals noch) und das konnte ich als Zwölfjähriger schon lesen. Und las es auch. Das würde heute (mein Vorurteil!) kein Zwölfjähriger mehr machen. Man sieht es ja bei den Computerprogrammen: entweder man kriegt alles durch wildes Herumklicken raus oder das Programm ist eben Mist. Handbuch lesen? Nitschewo!
Ich habe aber auch schon als Zwölfjähriger im Geschäft in Miba-Hefte geblättert. Kaufen war nicht drin, die kosteten 2,-DM. Aber Inspirationen gab es genug.
Heute liegen alle Modellbahnzeitungen zumindest in jeder Bahnhofsbuchhhandlung. Und wer des Lesens kundig ist - die Zahl wird ja leider kleiner, wie ich in der Presse lese) kann sich eine kaufen und schlauer werden. Und die Zeitschriften machen alle weiter, auch ohne große Anzeigen von Märklin, Fleischmann, Roco. Stattdessen z.B. eine BRAWA-Anzeige, ganzseitig, von einer Firma also, die mal als Nischen-Zubehörhersteller angefangen hat und jetzt auf dem Fahrzeugsektor mitmischt, ohne dass es jemals eine "BRAWA-Modellbahn" gegeben hätte. Da sehe ich die neue Richtung.

OOK
http://bae-ook.jimdo.com/

puls200 Offline


Beiträge: 48

06.05.2009 17:39
#5 RE: Nachruf auf Markenfirmen Thread geschlossen

Ich weiß nicht wie das bei euch ist aber bei uns ist die gesamte Modellbahncharge vor ein paar Jahren aus dem Sortiment der Bahnhofsbuchhandlung verschwunden. Neulich stand ich am Zeitschriftenstand im Stuttgarter Hauptbahnhof und .. ihr ahnt es bereits.. da gab's auch keine neue MiBa.
Ich weiß nicht wie die überleben aber es geht vermutlich komplett über Abos. Die Kids kaufen sich keine Zeitschriften, sie gehen online und holen sich die Infos aus.. ja genau.. den Foren!

Es ist ganz erstaunlich wieviele zum Teil sehr junge Teilnehmer im Modellbahnforum oder bei Stummi mitmischen. In der Richtung geht es weiter. Nicht mit einer großen Anzeige in einer Hochglanzzeitschrift, die, wie du richtig bemerkt hast, sich damals wie heute eigentlich kein Jugendlicher leisten kann. Aber sie sind's, die man erreichen sollte wenn man was umkrempeln will.

[OT]
Was mich wundert ist wie wenig die Hersteller die extrem konsumprägende Wirkung von Foren wahrnehmen, speziell Unterforen wie "Testberichte" oder ähnlichem. Es gibt Ausnahmen wie z.B. Tams aber in der Regel hält man sich still raus und hofft daß das Gemecker nicht zu laut wird. Meiner Meinung nach die verkehrte Strategie..
[/OT]

jpachl Offline


Beiträge: 50


08.05.2009 20:31
#6 RE: Nachruf auf Markenfirmen Thread geschlossen

Zitat von Bocklbahn

Ein anderer Grund, den ich bezüglich dem Nachwuchs nennen möchte ist sicherlich die Tatsache, dass einfach die Vorbildsituationen fehlen. Es verkehren doch überwiegend nur mehr Triebwagen oder Wendezüge und Güter-Ganzzüge. Früher konnte man allenthalben auf irgendeinen Landbahnhof eine Lok beim Rangieren beobachten, sah man an Knotenpunkten Lokomotiven auf der Drehscheibe und wie sie zu ihren Zügen rangierten, es wurden an Firmen und Bahnhöfen Wagons zugestellt usw. Vieles, was zum Nachstellen im Modell reizte und nun einfach verloren gegangen ist. Woher soll die Inspiration für einen Neuling kommen?


Die Eisenbahn ist heute noch mindestens genauso interessant und faszinierend wie zu Zeiten der Epoche III. Es kommt nur darauf an, wofür man sich interessiert. Z.B. war die Tfz-Vielfalt im Güterverkehr kaum jemals so groß wie heute, sowohl was die Baureihen als auch die diversen Farbgebungen der EVU betrifft. Auch heute wird durchaus noch rangiert, nur an anderen Stellen.

Mein Sohn (9 Jahre) ist ein totaler Fan der BR 143 und ihrer abgeleiteten Bauarten. Als regelmäßiger Besucher auf http://www.br143.de weiß er genau, wann die einzelnen Unterbaureihen wie umgenummert wurden, wann bei welcher dieser Baureihen welche Farbgebungen und speziellen Details vorhanden waren. Schon mit 5 Jahren konnte er eine 143 von einer 112 nur anhand des Stromabnehmers unterscheiden. Auch die Zugbildungen im Nahverkehr faszinieren ihn total. Es gibt nichts Schöneres, als stundenlang am Bahnhof Züge zu beobachten und außergewöhnliche Dinge zu entdecken, z.B. außerplanmäßige Bespannungen, abweichende Wagenreihungen, technische Änderungen an bestimmten Tfz usw. Wenn wir in Berlin S-Bahn fahren, sagt er schon anhand der am Zuganzeiger anzeigten Liniennummer voraus, welche Baureihe vsl. zu erwarten ist.

Das Interesse wurde übrigens nicht durch die Modellbahn geweckt, das kam erst später dazu, sondern durch aktives Bahnfahren. Im Alter von 3 Jahre hatte er bereits sämtliche ICE-Baureihen (mit Ausnahme des ICE-TD) sowie IC und RE mit diversen Baureihen durch. Wenn wir heute mit der Bahn fahren, was nicht gerade selten ist, darf er sich, wenn es zeitlich zumutbar ist, sogar Verbindungen mit Umwegen aussuchen, wenn wir dadurch mit besonders interessanten Baureihen fahren.

Die Modellbahnzeitschriften haben es weitgehend verschlafen, das durchaus vorhandene Interesse von Kindern und Jugendlichen zu bedienen. O-Ton meines Sohnes: "Das ist nicht interessant, da sind doch wieder nur Dampfloks drin!" (oder auch: "Papa interessiert sich noch für Dampfloks, weil er schon so alt ist"). Da informiert man sich dann eben lieber im Internet. Wir machen oft den Fehler, der Jugend unsere Art des Modellbahnhobbys nahebringen zu wollen, das der Sichtweise einer ganz anderen Generation entstammt. Ich habe vollstes Verständnis, dass ein 12-jähriger kaum Begeisterung verspürt, in einem 60er Jahre-Umfeld mit einer Köf genüsslich ein paar Wagen in den Anschluss des Raiffeisenverbandes zu rangieren. Eine Class 66 dabei zu beobachten, wie sie mit einem Kesselwagenzug durch einen Bahnhof donnert, und dabei den Wechsel der Signalbilder der Ks-Signale zu verfolgen, ist da schon etwas ganz anderes. Wenn das Interesse für die Eisenbahn erstmal geweckt ist, kommt das Interesse für historische Themen später von ganz alleine. In heutigen Modellbahnzeitschriften sowie auf Ausstellungen wird der Nachwuchs jedoch immer gleich mit Nostalgie erschlagen. Das muss auf Dauer einfach in die Hose gehen.

Jörn

Michael_hbbg Offline


Beiträge: 62


08.05.2009 22:06
#7 RE: Nachruf auf Markenfirmen Thread geschlossen

Hallo Jörn,

dieser Meinung bin ich auch. Ich bin heute ein paar hundert Kilometer mit der Bahn gefahren, mit der DB und der Eurobahn, mit RB, RE, ICE, IC. Diesel und Elektro. Und auf den Nebengleisen standen Fahrzeuge von vielen weiteren Gesellschaften. Die Farbvielfalt ist viel größer als früher.

Carsten, den ich über die Modellbahn kennen gelernt hab, hat vor kurzem eine Firma gegründet und drei Mohabs gekauft. Die erste kam gerade aus der Lackieranlage und straht in den neuen Firmenfarben http://www.bldx.dk/ (hier auf der Seite noch in den alten Farben).

Lezte Pfingstfereien war ich mit meiner Familie in den USA. Wir besuchten neben den atemberaubenden Natioalparks auch den Tehachapi Loop. Dort kann man "unendlich" lange Güterzüge über 1/2 Stunde näher kommen sehen, wenn man ein gutes Fernglas dabei hat. Meine Frau zählte über 140 doppelstöckige Containerwagen, während wir vor einer Schranke standen.

Michael

Conrail-Markus Offline


Beiträge: 33

10.05.2009 12:11
#8 RE: Nachruf auf Markenfirmen Thread geschlossen

Jörn, das ist ein sehr wichtiger Beitrag von Dir. Leider sind immer noch zu viele Eisenbahnfans unterwegs, welche einem selber und potentiellen Nachwuchs ihr Bild aufzwingen wollen.
Wenn alles außer Dampflok und/oder Bimmelbahn vehement abgelehnt und negiert wird, wie soll sich Nachwuchs da begeistern können?

Ich persönlich kenne zwar noch Dampfloks, 01er in Berlin-Lichtenberg als ganz dunkle Ahnung, sonst ist die typische Dampflok für mich eine Reichsbahn 52 bzw. 52.80. Sowas sah ich bei Besuchsreisen im Arbeiter- und Bauernstaat und dessen Hauptstadt. Sonst steht bei Eisenbahn die Dieseltraktion für mich an erster Stelle, gefolgt von den Elloks und Triebwagen.
Erst die heutige bunte Bahn ist für mich wieder ein Grund auch mal zum Bahndamm zu gehen und trotz US im Modell ein paar Fotos zu machen.

Meine Neffen interessieren sich für Dampfloks so gut wie garnicht, der Kleine (8) hat sich von Piko eine Metronom Startpackung gekauft weil das für ihn neben dem ICE der schönste Zug ist!

Martin Offline


Beiträge: 78

10.05.2009 21:25
#9 RE: Nachruf auf Markenfirmen Thread geschlossen
Damit sind wir dann eigentlich auch bei den Kreisanlagen angekommen. Die moderne Bahn hat lange Züge auf Hauptstrecken. Das ist es was bunt und interessant ist. Da aber niemand den Platz dafür hat, wird die Strecke so lange geknickt und gefaltet, bis es doch irgendwie geht - und wenn es hinterher noch so krass aussieht.
Den nötigen Rangierbahnhof für diese Züge hat natürlich niemand.
Warum sollte ein Jugendlicher eine Nebenbahn mit fünf Weichen auf dreißig Kilometer Strecke als Modellbahn nachbauen, auf der dann nachher zwei 628 im Stundentakt verkehren ?
Andererseits – warum sollte ein Jugendlicher eine Nebenbahn nach altem Vorbild nachbauen, deren Notwendigkeiten und Betriebssystem er nicht versteht ? Ja – deren Betriebssystem nach heutigen Maßstäben teilweise sogar völlig unwirtschaftlich und unlogisch aussieht.

Vielleicht fehlen da auch einfach ein paar neue Ideen? Wie würden wohl heute die (Stück)-Güter auf der Bahn aussehen ? Bestimmt nicht wie vor vierzig Jahren.

Das soll jetzt natürlich kein Angriff auf die "Dampfbahner" sein.
Gruß Martin

OOK Offline


Beiträge: 904


11.05.2009 19:03
#10 RE: Nachruf auf Markenfirmen Thread geschlossen

Zitat von Conrail-Markus

Wenn alles außer Dampflok und/oder Bimmelbahn vehement abgelehnt und negiert wird, wie soll sich Nachwuchs da begeistern können?
...
Meine Neffen interessieren sich für Dampfloks so gut wie garnicht, der Kleine (8) hat sich von Piko eine Metronom Startpackung gekauft weil das für ihn neben dem ICE der schönste Zug ist!


Ich bin selber zwar ein Anhänger von Dampflok und "Bimmelbahn", kann aber den Reiz von moderner Eisenbahn auch verstehen. Allerdings wüsste ich mit einem Metronom nichts anzufangen, außer ihn halt kreisen zu lassen. Wie lange das deine Neffen fasziniert, bleibt abzuwarten.
Die moderne Eisenbahn strebt an, den Güterverkehr auf Ganzgüterzüge zu reduzieren. Gag sind faszinierend anzusehen, das finde ich auch, aber betrieblich nicht gerade der Brüller.

Dennoch ist es so, dass die Jugendlichen nur über Modelle von Fahrzeugen zu interessieren sind, die sie selber draußen sehen können. (Das war ja zu meiner Zeit nicht anders, als ich mit sechs Jahren der 86 beim Umsetzen zusah.) Wenn man sie vom Kreisen à la slotracing abbringen will, hilft vielleicht mal ein Besuch bei einer Hafenbahn, wo eine moderne funkferngesteuerte Lok zahlreiche Anschlüsse bedient. Das kann packend sein. Und das nachzustellen, kann sicher auch die Jugend faszinieren.

OOK
http://bae-ook.jimdo.com/

jpachl Offline


Beiträge: 50


12.05.2009 15:16
#11 Ist die moderne Eisenbahn (modellbahnerisch) interessant? Thread geschlossen
Auch heute wird bei der Bahn in den Industrie- und Hafenbahnen viel rangiert, irgendwo müssen die langen Züge schließlich herkommen. Was es nicht mehr gibt, sind lediglich die traditionellen Ortsgüteranlagen. Es gibt aber durchaus auch noch kleinere Bahnhöfe, wo rangiert wird, weil dort eine Anschlussbahn beginnt und ggf. sogar die eingehenden Wagen für verschiedene Empfänger vorzusortieren sind. Da findet man zuhauf hochinteressante und betriebsintensive Modellbahnmotive. Es gibt immer mehr Modellbahner, die genau nach solchen Motiven suchen, bei denen das Fahren der Züge über die Strecke gar nicht mehr im Vordergrund steht. Ich hatte im Medien-Board ja die Zeitschrift Model Trains International nebst zugehörigem Forum erwähnt, die genau in diese Richtung zielt. Der moderne Nebenbahnbetrieb ist in der Tat nicht mehr interessant und wird nach meiner Einschätzung als Modellbahnmotiv zunehmend aussterben. Möglicherweise werden in modernen Epochen Industriemotive zunehmend die Rolle einnehmen, die in älteren Epochen die Nebenbahnmotive hatten. Jugendliche sind durchaus für interessante Motive abseits des Kreiselbahnbetriebes zu begeistern, wenn sie sich durch eine gewisse "Coolness" auszeichnen. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, Bimmelbahnromantik ist für den Nachwuchs einfach nur schrecklich uncool. Die etablierten Modellbahnzeitschriften verweigern sich leider dieser Entwicklung weitgehend und propagieren immer noch das taditionelle Modellbahnbild. Zeitschriften wie das erwähnte Model Trains International sind ja bis heute eher Untergrund-Publikationen.

Und wer unbedingt lange Züge über die Strecke fahren will, für den gibt es schließlich noch den Fremo. Der ist zwar zurzeit auch noch sehr Epoche III-lastig, aber auch da ist Einiges im Wandel.

Jörn
HFy Offline


Beiträge: 316

12.05.2009 21:38
#12 die Jugend von heute Thread geschlossen

mein Modelleisenbahnclub, der "Eisenbahn-Amateur-Klub Jülich" (ww.eakj.de) hat mehrere (na gut, drei) jugendliche Mitglieder (und ich meine nicht unter 40, sondern unter 20!). Wir haben sie mit einem Rangierspiel angelockt, das von der Fahrradfabrik von Stephan Rieche inspiriert ist und vom modellbahnerischen Standpunkt ruhig als "einfach furchtbar" qualifiziert werden darf. Ein paar Gleise auf Holz genagelt, ein bißchen Schotter und Grünzeug sowie ein paar Bausätze - fertig. Man wendet sich mit Grausen, aber der Nachwuchs hat eben deswegen keine Berührungsängste. Wir tingeln damit über die Dörfer und treten zum Beispiel bei Jubiläen anderer Modellbahnvereine in der Gegend oder bei sonstigen "Events" auf, wo die örtlichen Vereine sich präsentieren dürfen. Daß die Jungs dabei geblieben sind, hat wohl auch mit unserer großen und halbfertigen Anlage zu tun (grobe Einordnung: eingleisige Hauptbahn in Epoche 3) , auf der man sowohl fahren als auch basteln kann.

Herbert

windbergbahn Offline


Beiträge: 65

20.05.2009 16:10
#13 Ist die moderne Eisenbahn (modellbahnerisch) interessant? Thread geschlossen
OOK schrieb:
<<Die moderne Eisenbahn strebt an, den Güterverkehr auf Ganzgüterzüge zu reduzieren. Gag sind faszinierend anzusehen, das finde ich auch, aber betrieblich nicht gerade der Brüller.>>
-----
Och Otto, ich koennte mir da durchaus spannende Ausnahmen vorstellen, z.B. die Nachbildung eines Containerbahnhofs (muss kein grosser sein, auch ehemalige Ladestrassen wurden z.T, mit ner Containerbruecke versehen, umgebaut). Der Reiz liegt dann darin, die (vielleicht mittels Faller Carsystem angelieferten), auf der Ladestrasse gestapelten bunten Kisten mittels fernsteuerbarer Containerbruecke auf die einzelnen Waggons zu verteilen, danach den Zug auf die (hoffentlich lange sichtbare) Strecke zu schicken und umgekehrt. Eigentlich ganz so wie wir es auch mit unseren altertuemlichen Gueterzuegen tun, nur dass sie weniger bunt sind und vielleicht noch ein wenig feiner zerlegt werden muessen. Aber man koennte ja ein nur kurzes Ladegleis vorsehen, das die Zerlegung des Containerzuges vor seiner Be- oder Entladung erforderlich macht.
Ausserdem muss ja noch von Rangierlok (Diesel) auf Streckenlok (Ellok) umgespannt werden. Noch ein spannender Betriebsvorgang.
Also mir wueren auch bei der modernen Bahn noch ne Menge interessanter Sachen fernab vom Monoton-, ahem, "Metronom"- Betrieb einfallen. Denn irgendwoher muessen doch die immer noch auf dem DB- Netz zu beobachtenden Gueterzuege herkommen bzw. hinfahren...
windbergbahn

OOK Offline


Beiträge: 904


20.05.2009 20:47
#14 Ist die moderne Eisenbahn (modellbahnerisch) interessant? Thread geschlossen
Zitat von windbergbahn
... Der Reiz liegt dann darin, die (vielleicht mittels Faller Carsystem angelieferten), auf der Ladestrasse gestapelten bunten Kisten mittels fernsteuerbarer Containerbruecke auf die einzelnen Waggons zu verteilen,...

Das mag für drei oder vier Container vielleicht einen gewissen Reiz haben, aber zwanzig oder mehr für einen Containerzug? Wann fahre ich dann den Zug? Ich denke, dass uns das von der Eisenbahn wegführt, wenn es einen gewissen Rahmen übersteigt.

OOK
http://bae-ook.jimdo.com/

puls200 Offline


Beiträge: 48

21.05.2009 16:26
#15 Ist die moderne Eisenbahn (modellbahnerisch) interessant? Thread geschlossen
Vielleicht muß man sich dem Thema von einer anderen Seite nähern. Was ist denn spannend an der Bahn heute?

Für die früheren Epochen unserer allseits beliebten Neben- und Schmalspurbahnen ist das leicht zu beantworten. Im Zusammenstellen der Züge, Bedienen der vielen Anschließer, der Notwendigkeit, Lokomotiven umzuspannen und vielem mehr.

Aber heute? Der Nahverkehr besteht aus S- und Regionalbahnen, die von A nach B und dann wieder zurück fahren. Güternahverkehr existiert nicht mehr. Den Fernverkehr nachzubilden ist auch etwas witzlos, hier fehlt in der Regel der Platz und selbst wenn der vorhanden ist, sind lange Ganz- und Reisezüge irgendwann langweilig. (Man merkt das ja beim Besuch entsprechender Großanlagen).

Interessant finde ich heutzutage die Vielfalt der Triebfahrzeuge durch die Privatisierungen. Da fährt nicht immer dieselbe im Bahnhof X beheimatete Lok die Strecke von X nach Y, sondern der Holzzug wird z.B. vom jeweilig passenden (günstigsten) Unternehmen befördert. Man kann also eine entsprechend bunte Palette an Fahrzeugen vorhalten. Ein anderes Thema sind z.B. Industrie und Hafenanlagen in denen die Bahn auch heute noch eine wichtige Rolle spielt. Das Problem besteht dabei m.E. eher darin, die i.d.R. riesigen Ausmaße passend auf Modellgröße einzudampfen, so daß das Ganze noch überzeugend wirkt. Eben *ohne* viel Platzverbrauch.

Den besten Ansatz bei Jugendlichen Interesse auszulösen sehe ich in Modulanlagen. Ein einzelnes Modul ist bewältigbar, zusammen in der Gruppe kann dann was richtig Brauchbares entstehen. Dann eben nicht mit dem gehobenen Darstellungsanspruch wie ihn z.B. der Fremo hat sondern auf einfachem und praktikablen Niveau.

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