Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 

Modellbahnanlagen
Planungs- und Design-Forum

für vorbildgerechten Modellbahnbetrieb

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 580 mal aufgerufen
 II.5. Diskussion veröffentlichter Anlagenpläne
Gilpin Offline




Beiträge: 791

27.10.2017 13:18
Von Haar-SPALT-ereien zu Eulenspiegeleien antworten

Hallo,

Wir hatten uns im Mapud sehr kritisch mit dem planerischen Umgang des Paares Ingrid und Manfred Peter zum Bahnhof Spalt auseinander gesetzt. Anlässlich MIBA SPEZIAL 114, gemäß Titel "Pragmatische Planung" doch "unser Thema", wird es dafür mal wieder Zeit. Die Peters bringen dort gleich zwei Beiträge – ich beziehe mich auf "Die Eisenbahn im Wiesenttal", Seite 14 – 23.

Besucht wurde die Museumsbahn Dampfbahn Fränkische Schweiz, was in 19 Bildern dokumentiert wird. Hinzu kommen lediglich zwei historische Aufnahmen aus der "Slg.: Peter" – da frage ich mich schon nach der redaktionellen Betreuung. Insbesondere fehlen Aufnahmen vom historischen Betriebsgeschehen – look and feel geht anders.

Die Geschichte der Bahn wird im Text ordentlich beschrieben. Sie ist hinreichend interessant, eine recht spät fertig gestellte Nebenbahn zur Erschließung des ländlichen Raumes, die mit vielen unterschiedlichen, aber ganz gewöhnlichen Fahrzeugen betrieben wurde und so dem praktischen Einsatz vieler Sammler-/Vitrinenmodelle entgegen kommt. Durchaus im Ein-Mann-Betrieb zuhause.

Sonderbar sind aber die Anlagenentwürfe, die angeboten werden. Zunächst finden diese immer im leeren Raum der weißen Heftseite statt. Fenster, Kamine, im Weg stehende Gerätschaften kommen nicht vor – weil es natürlich um allgemeine Vorschläge geht. Das hat aber zur Konsequenz, dass immer wieder merkwürdige Lösungen angeboten werden, die ihrerseits Probleme darstellen:

Variante 1 beinhaltet einen Fiddle Yard, der Zugänglichkeit von außerhalb der Anlage erfordert – mit dem Platz hätte man sinnvoller umgehen können. Nebeneffekt: zwischen FY und Anlage entsteht ein unzugänglicher Raum von max. 60 cm Breite – wer soll da wie Staub wischen? Fraglich bleibt auch, warum dieser FY nicht ausgestaltet wird zum Bahnhof Ebermannstadt, dem er ohnehin grob ähnelt.

Variante 2 bietet letztlich genau das: aus dem FY ist eine dritte Anlagenzunge geworden. Nun wird aber ein weiterer Fiddle Yard spendiert: Forchheim. Der steht nun quer im Raum, dort, wo bislang die Zugangstür zu vermuten war; im Text heißt es über ihn: "Der Fiddleyard Forchheim kann als mobiler Schenkel ausgeführt sein."(ebda., S. 18) Wozu? Laut Bildunterschrift: damit er sich "... in längeren Betriebspausen abkoppeln und zwischen den Schenkeln platzieren lässt"(ebda., S. 18) Er ist aber 4 Meter lang und passt nicht "um die Ecke" für dieses Manöver. Klar könnte man ihn zweiteilen – genau dort, wo in solchen Pausen Züge stünden...

Variante 3 ist die umfangreichste – sie verzichtet aber wieder auf die sichtbare Darstellung von Ebermannstadt und bringt dafür den Abzweig Gasseldorf und den Endpunkt der Strecke nach Heiligenstadt. Dieser Abzweig ist mit Gleisen nicht gerade gesegnet; Zugbildungsaufgaben für Behringersmühle und Heiligenstadt sind in Ebermannstadt zu erledigen, nun also in einem FY unter der Anlage. Auch wenn über Höhen nichts gesagt ist: die interessantesten Rangiervorgänge finden "im Dunkeln" und in gebückter Haltung statt.

Eine Besonderheit des Entwurfs ist eine seltsame Kreisfläche am linken Rand – so offensichtlich ein überbauter Gleiskreis bzw. Wendel, dass die beabsichtigte Tarnung schlichtweg nicht gelingt. Diese Wendel hat neben der Überwindung eines (nicht dringend notwendigen) Höhenunterschieds durchaus Sinn, nämlich die Fahrzeitverlängerung zwischen Heiligenstadt und Gasseldorf. Der Bediener muss nämlich um die Anlagenzunge Heiligenstadt herumgehen, um den Zug vor Gasseldorf wieder beobachten zu können. Dafür gäbe es aber gleich zwei Alternativen: die Wendel nach rechts unter die Zunge zu verschieben oder Heiligenstadt um 180 Grad zu drehen und die Wendel am anderen Ende zu platzieren. In diesem Entwurf bleibt eine Menge Platz frei – ohne diesen "Blob" (John Armstrong) wäre hier Platz für eine weitere Anlagenzunge... (Grundlegendes zur Platzierung von Anlagenzungen mit Gleisbögen bringt Ovo Cordes im selben Heft, Seite 34ff.!)

Eine besondere Erörterung ist der Spiegelung des Bahnhofs Behringersmühle gewidmet. Im wesentlichen geht es darum, ein ansteigendes Gelände am vorderen Anlagenrand zu vermeiden – dazu fiele mir aber die sehr viel einfachere Lösung ein, diesen Hang schlichtweg wegzulassen und die Darstellung auf den Bahnhofsvorplatz zu beschränken. Wichtiger scheint mir, dass diverse Gebäude zwischen den Gleisen und dem Bediener zu liegen kommen. Aber auch dazu könnte ich mir vorstellen, die Gleise weniger zu verkürzen und/oder die Gebäude selektiv zu schrumpfen. Wirklich sonderbar ist aber, dass das mit den Spiegeleien einfach weitergeht, und dann ohne Begründung: In der Variante 2 wird das EG Ebermannstadt in seiner Anordnung gespiegelt, ohne dass wir erfahren welche Auswirkungen das auf andere Gebäude hat, in der Variante 3 trifft's den Bahnhof Heiligenstadt: "Dieser Kopfbahnhof wird aus betrieblichen Gründen ebenfalls gespiegelt dargestellt." Welche mögen das sein?

Wir hatten im Forum durchaus schon Angaben, warum irgendeine Gleisentwicklung gespiegelt werden musste: schwierige Grundrisse, Anordnungen von Fenstern u.ä. – warum das bei Entwürfen, die keinerlei Beschränkungen unterworfen sind, sein muss, erschließt sich mir nicht.

- Ich habe hier eine kleine Bleiwüste fabriziert, weil ich annehme, dass viele von uns MIBA SPEZIAL 114 zur Verfügung haben. Sollte das nicht der Fall sein, hole ich gern eine grobe Skizzierung der Szenen und meiner Argumente nach.

Schönes Wochenende,
Reiner

hwunderlich Offline




Beiträge: 354

27.10.2017 19:14
#2 RE: Von Haar-SPALT-ereien zu Eulenspiegeleien antworten

Schuur ihr Jonge,

ich hatte das MIBA 114 kurz in der Hand und habe es recht schnell wieder ins Regal gelegt.

Zu wenige neue oder substantielle Erkenntnisse für zu viel Geld.

Grüsse aus Höchst am Main

Hartmut

Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.524

29.10.2017 12:23
#3 RE: Von Haar-SPALT-ereien zu Eulenspiegeleien antworten

Ich kann Reiner im allen Punkten nur zustimmen!
Die Pläne sind auch Beispiele wie man trotz guter Zutaten (Point to Point, szenischer Trennung durch Mittelgrundkulisse und Fiddelyard), die Sache trotzdem vermurksen kann.

Was mir nicht gefällt:
PAN (Prinzip der absoluten Nähe) haben die Peters nicht wirklich begriffen!
Die Anlagentiefe sind an vielen Stellen definitiv zu groß (bei Variante II z.B. über einen Meter!).
Bei Variante III ist quasi das Thema Endbahnhof gleich zweimal verwirklicht! (John Armstrong: Never do a thing twice!!!)
Die beste Variante ist noch die zweite, allerdings fehlt mir dort der Abzweig Gasseldorf.

Apropos Gasseldorf: Das Thema wurde schon wesentlich besser in der MIBA 9/1984 und folgenden von Stefan Carstens und Michael Meinhold behandelt!
Eine gute Umsetzung von Ebermannstadt, inklusive Betriebsvorschlag, gab es von Thomas Englich (leider ist die Seite offline! )

Grüße Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

HFy Offline



Beiträge: 466

04.11.2017 20:42
#4 RE: Von Haar-SPALT-ereien zu Eulenspiegeleien antworten

In der Tat, ich konnte den Anschaffungswiderstand auch nicht überwinden.
Was Anlagenvorschläge anbelangt, sollte man immer für vorhandene Räume planen, nur so kommt man zu kreativen Lösungen für unsere Lieblingsprobleme.

Herbert

OOK Offline




Beiträge: 3.597

05.11.2017 19:57
#5 RE: Von Haar-SPALT-ereien zu Eulenspiegeleien antworten

Zitat von HFy im Beitrag #4
Was Anlagenvorschläge anbelangt, sollte man immer für vorhandene Räume planen ...
Das ist eigentlich so selbstverständlich, dass man sich wundert, dass es noch betont werden muss.

Zitat von Pfalzbahn im Beitrag #3
Die Anlagentiefe sind an vielen Stellen definitiv zu groß (bei Variante II z.B. über einen Meter!).
Darf eigentlich Profis auch nicht passieren.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

Silbergräber Offline



Beiträge: 326

05.11.2017 21:43
#6 RE: Von Haar-SPALT-ereien zu Eulenspiegeleien antworten

Ist man eigentlich ein Profi, wenn man jahrein, jahraus in einem Fachblatt ständig neue Abwandlungen und Derivate seiner Theorie veröffentlichen lässt? Oder anders gefragt: hat irgend jemand schon mal einen realisierten Peterplan gesehen? Rolf Knipper war dagegen ein Pragmatiker, der erst nachdachte, dann plante und zum Schluss auch baute.

LG

Jörn

OOK Offline




Beiträge: 3.597

06.11.2017 08:26
#7 RE: Von Haar-SPALT-ereien zu Eulenspiegeleien antworten

Die Fragestellung ist schon ok, aber Vorsicht vor Begriffsvermengungen. Profi und Pragmatiker meint nicht das Gleiche. Außerdem steht Rolf Knipper vor allen Dingen der Titel Praktiker zu, was nochmal was anderes ist. Und da darf ich mir selber auf die Schulter klopfen, denn MK adelte mich durch den Satz "OOK ist kein Theoretiker" auf dem Rücktitel des Blauen Buches.
Ivo Cordes wiederum ist in diesem Sinne kein Praktiker, denn er hat noch nie eine Anlage gebaut. Aber er ist ein Pragmatiker und geht - anders als Peter & Peter - von realen, vernünftigerweise anzunehmenden Voraussetzungen aus. Ein Betriebspraktiker ist er aber, und das ist auch eine gute Planungsvoraussetzung.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

Silbergräber Offline



Beiträge: 326

06.11.2017 13:27
#8 RE: Von Haar-SPALT-ereien zu Eulenspiegeleien antworten

Vielen Dank für die Klarstellung - da muss man echt differenzieren und genau hinschauen.

LG

Jörn

Gilpin Offline




Beiträge: 791

06.11.2017 23:36
#9 RE: Von Haar-SPALT-ereien zu Eulenspiegeleien antworten

Hi Alle,

... und dennoch gilt: "Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie." (Kurt Lewin). Wichtiger, weil für mich peinlich, ist die Entschuldigung für mein Vertippen im Eröffnungsbeitrag:

Zitat von Gilpin im Beitrag #1
Grundlegendes zur Platzierung von Anlagenzungen mit Gleisbögen bringt Ovo Cordes
Es muss natürlich Ivo heißen. Liest Ivo Cordes eigentlich hier mit?

Immerhin gibt es im Forum eine Ingrid, und die lebt auch noch in Franken, nicht wirklich weit von der DFS. Zuletzt aktiv 2013...

Mit freundlichem Gruß,
Reiner

OOK Offline




Beiträge: 3.597

07.11.2017 09:08
#10 RE: Von Haar-SPALT-ereien zu Eulenspiegeleien antworten

Zitat von Gilpin im Beitrag #9
Es muss natürlich Ivo heißen. Liest Ivo Cordes eigentlich hier mit?

Als ich Ivo kürzlich in Bremen traf, zeigte er sich über diverse Themen, die hier verhackstückt werden, au courant.
Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass er bei einem Tippfehler seines Namens blau anläuft, genausowenig wie Reiner, wenn einer Rainer schreibt. Ovo ist ja auch in Deutschland ein offensichtlicher Tippfehler (O und I nebeneinander auf der Tastatur), in der Schweiz wäre das gluschtig, denn dort ist Ovo ein beliebtes Getänk (Ovomaltine).

Zitat
Immerhin gibt es im Forum eine Ingrid, und die lebt auch noch in Franken, nicht wirklich weit von der DFS. Zuletzt aktiv 2013...

Stimmt, ich erinnere mich. Die hat aber nur einige Male gepostet und ist dann wieder weggeblieben. Bezeichnet sich als Mitglied des Fürther Eisenbahnclubs.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

 Sprung  

 

Harz-Bahn-Forum

BAE-by-OOK

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de