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Modellbahnanlagen
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Dieses Thema hat 44 Antworten
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 III.2. Kreisverkehr vs. point-to-point-Betrieb
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eisenhans Offline




Beiträge: 394

26.11.2008 19:21
#1 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten
Zitat von OOK
Zitat von wölli
Ich zitiere: "Ein \\\'über den Anlagenrand hinaus\\\' gefahrener Zug soll normalerweise auch wieder irgendwann zurück auf den dargestellten Teil der Anlage kommen." Muß er nicht: wer wird sich schon stundenlang auf einem Bahnhof aufhalten, um den Gegenzug zu sehen? Kaum einer; will heißen: Auf meiner An-Der-Wand-Anlage fahren die Züge im Kreis und der Betrachter steht in der Mitte des Raumes. Ein Teil des Kreises ist der Schattenbahnhof. Ein Zug fährt aus dem SchB ein, hält und fährt wieder weg in den SchB - Schluß. Und so geht es, bis alle Züge durch sind. Dann geht das Licht aus und der Modellbahntag ist zu Ende; die Rückfahrt gibt es garnicht zu sehen.

wölli hat durchaus Recht. Die Konzeption des Zugspeichers als Teil eines Rings fehlt bisher im Kap.5. Im Model Railroader sieht man in letzter Zeit vermehrt Konzeptionen dieser Art.
Dennoch bleibt der Einwand, dass im richtigen Leben jeder Zug einen Gegenzug hat. Aber auch das passt hier durchaus hinein. Mann braucht ja nur zwei identische Züge parat zu halten, von denen der eine im Uhrzeigersinn und der andere im Gegensinn verkehrt und schon geht die Sache auf. Das dürfte allerdings bei einer Strecke mit sehr vielen unterschiedlichen Zügen gewaltige Zuspeicher erfordern.
Es gibt hier noch viel mehr zu sagen, aber das soll in dieser Leserbrief-Rubrik reichen. Wir können die Diskussion gerne im Unterforum zum Kap.5 fortsetzen.


Ich sehe da eine Gefahr: wenn die Strecke per Schattenbahnhof zu einem Ring geschlossen wird, dann gerät auch der orthodoxeste Betriebsbahner in Versuchung "einfach mal so" seine Züge im Kreise gurken zu lassen - und schon wird das point-to-point-prinzip verwässert. Andererseits: eine in sich logische Konzeption ist das schon. Wenn man diszipliniert genug ist, durchaus in Betracht zu ziehen.
Meint

Der Eisenhans

fgee Offline



Beiträge: 118

26.11.2008 20:19
#2 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten

In Antwort auf:
in Versuchung "einfach mal so" seine Züge im Kreise gurken zu lassen - und schon wird das point-to-point-prinzip verwässert


Und wenn schon. Was soll daran schlecht sein?

"Model Railroading is Fun" - das darf doch auch mal eine fröhliche Runde einschliessen. Immerhin hat man mit so einem Konzept die Wahl.

Felix

eisenhans Offline




Beiträge: 394

27.11.2008 09:45
#3 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten

Zitat von fgee

"Model Railroading is Fun" - das darf doch auch mal eine fröhliche Runde einschliessen.

Solange der Akzent auf auch mal liegt, habe ich damit keine Probleme. Ich wollte nur den zarten Hinweis gegeben haben, dass aus dem auch mal im Laufe der Zeit leicht ein Habitus werden könnte. Es soll ja den so genannten inneren Schweinehund geben.
Meint

Der Eisenhans

sieben_k Offline



Beiträge: 111

27.11.2008 12:33
#4 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten

Zitat von fgee
"Model Railroading is Fun" - das darf doch auch mal eine fröhliche Runde einschliessen.

Zitat von eisenhans

"Solange der Akzent auf auch mal liegt, habe ich damit keine Probleme. Ich wollte nur den zarten Hinweis gegeben haben, dass aus dem auch mal im Laufe der Zeit leicht ein Habitus werden könnte. Es soll ja den so genannten inneren Schweinehund geben."



Ich finde, man sollte nicht den Fehler machen, Modellbahner in eine Art vertikale Hierarchie einteilen zu wollen, vielleicht auch noch mit Initiationsritualen oder Aufstiegsprüfungen ins nächsthöhere level. Jeder, der sich mit der Materie befasst, wird nach einer gewissen Zeit zu irgendeinem Konzept finden, das dann für ihn das bestimmende und zu Recht alleinseligmachende ist, und das er auch gegen andere abweichende verteidigen wird.
Doch sind alle diese Betrachtungsweisen eher gleichberechtigt nebeneinander zu sehen.
Dann braucht es auch keinen "Schweinehund", den es zu bekämpfen gilt, oder dem man zu unterliegen meint, wenn man sich mal auf ein vorgeblich tieferliegendes Niveau begibt.

Peter

OOK Online




Beiträge: 4.095

27.11.2008 14:11
#5 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten

Zitat von sieben_k

Ich finde, man sollte nicht den Fehler machen, Modellbahner in eine Art vertikale Hierarchie einteilen zu wollen, vielleicht auch noch mit Initiationsritualen oder Aufstiegsprüfungen ins nächsthöhere level. Jeder, der sich mit der Materie befasst, wird nach einer gewissen Zeit zu irgendeinem Konzept finden, das dann für ihn das bestimmende und zu Recht alleinseligmachende ist, und das er auch gegen andere abweichende verteidigen wird.
Doch sind alle diese Betrachtungsweisen eher gleichberechtigt nebeneinander zu sehen.
Dann braucht es auch keinen "Schweinehund", den es zu bekämpfen gilt, oder dem man zu unterliegen meint, wenn man sich mal auf ein vorgeblich tieferliegendes Niveau begibt.



Zu meiner persönlichen Auffassung des Hobbys Modelleisenbahn gehört, dass es mir ein Anliegen ist, meine Sache gut zu machen. Heute besser als vor zwanzig Jahren und morgen möglichst noch ein wenig besser. Darin unterscheide ich mich nicht von den meisten Hobby-Schachspielern, -Fußballern oder –Muckibudenbesuchern. Auch im Hobby ist Lernen und Wachstum sinnstiftend.
In wie weit mein Streben nach „Besserem“ von Erfolg gekrönt ist, lassen wir mal dahin gestellt. Andere sind da an vielen Stellen weiter. Und dies festzustellen, würde ich nicht als Hierarchie betrachten. Die gibt es beim Sport, z.B. beim Fußball, viel eher.

Ich mache mich stark für eine gewisse Richtung des Modellbahnhobbys und engagiere mich dafür. Dazu gehört auch die Einrichtung dieses Forums. Wenn wir alle nur weiter so vor uns hinspielen wollten, wozu bräuchten wir da ein Forum? Ein Unterfangen wie das e-book Modellbahn-Anlagen-Design wäre auch nicht notwendig, um die zehntausendundvierte Variante vorzustellen, wie man im Kreise fahren kann.

Und damit bin ich bei dem von eisenhans losgetretenen Thema angelangt.
Nicht erst seit meinem letzten Ferrosophie-Beitrag wissen die meisten Leser dieses Forums, dass ich ein einigermaßen orthodoxer Anhänger des point-to-point-Betriebes bin. Darüber habe ich schon so viel geschrieben, dass ich mich hier wiederholen müsste. Die Essenz des Ganzen ist: Will ich Fahrzeugmodelle probe- oder schaulaufen lassen oder will ich eine Modell-Eisenbahn? Ich will das Letztere – so gut es eben geht. Und eine Eisenbahn, die im Kreise fährt, gibt es allenfalls als U-Bahn-Ring.

Dass eine Modellbahn in Kreise zu fahren hat, ist so fest im kollektiven Bewusstsein verankert, dass die Idee, es anders zu machen, immer noch als abwegig, besserwisserisch oder von einigen gar als Affront angesehen wird. Das macht meine Initiativen beschwerlich, aber auch sinnvoll.

Um vom Kreisfahren zum hin-und-her-Fahren überzugehen, braucht es kein Initiationsritual, es sei denn, man nennt die schlichte Einsicht, dass das Vorbild es genauso macht, so. Unabhängig von der Frage, was dem einzelnen in der Ausübung seines Hobbys Spaß macht, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass der hin-und-her-Betrieb näher am Vorbild liegt als das Kreisfahren, genauso wie ein Dampflokmodell mit korrekten Raddurchmessern näher am Vorbild ist als eins mit falschen.

Es ist keineswegs so, dass ich eine Lok mit (geringfügig) falschen Raddurchmessern nicht auf meiner Anlage akzeptieren würde – aber nur, wenn ich absolut keine Möglichkeit sehe, es korrekt zu machen.

fgee schreibt: "Model Railroading is Fun" - das darf doch auch mal eine fröhliche Runde einschliessen." Das wäre für mich, wie wenn ich einem Schachpartner vorschlagen würde, heute mal die Türme auch diagonal und im Rösslsprung ziehen zu lassen, um mehr „fun“ zu haben. Fun ja, aber vielleicht müssten wir dann doch eine „Aufstiegsprüfung“ machen, um wieder bei den anderen Schachspielern anerkannt zu werden.

Vielleicht noch ein Wort zu dem von eisenhans eingebrachten Begriff des inneren Schweinehundes. Ich kenne das auch. Beim Bau von Modellen sehe ich oft eine Möglichkeit, es sehr gut und sehr richtig zu machen - aber es ist unerhört zeitraubend und fummelig. Dann sagt mein innerer Schweinehund: "Komm, lass es locker gehen, das sieht nachher doch keiner." Und ich versuche immer, gegen ihn standzuhalten.

OOK
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fgee Offline



Beiträge: 118

27.11.2008 15:21
#6 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten

In Antwort auf:
Ich mache mich stark für eine gewisse Richtung des Modellbahnhobbys und engagiere mich dafür... Wenn wir alle nur weiter so vor uns hinspielen wollten, wozu bräuchten wir da ein Forum?


Einverstanden. Nur: Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Leutz sich mehr überlegen würden beim Anlegen ihrer Bahnhöfe und den Sinn jeder Weiche, jeden Gleises kennen.

Es liegt wirklich nicht am "Kreis". Zwei der in OOK's Sinn "vorbildlichsten" Anlagen, die ich kenne, sind kreisförmige Anlagen! Ich denke da an die SBB-Ausbildungsanlage im Centre Loewenberg bei Murten, und an die Ausbildungsanlage an der ETH in Zürich. Auf beiden Anlagen wird nach Fahrplan gefahren, an derjenigen im Centre Loewenberg werden an 6 Tagen in der Woche zukünftige echte Fahrdienstleiter trainiert.

Die Züge fahren im Kreis. Nach Fahrplan. Die Mitspieler, äh Azubis, merken davon aber nichts. Sie haben Dienst an ihrem Bahnhof, der Teil der Anlage ist, und die Züge kommen von irgendwo und gehen nach irgendwo - genauer: Verkehr und Kommunikation werden mit den jeweiligen Nachbarstationen abgewickelt. Das sieht nicht nur vorbildlich aus, das ist vorbildlich, da ja das Personal des Vorbilds ausgebildet wird.

So gesehen kann Kreisverkehr, bzw. ein Ausschnitt davon, durchaus einen Ausschnitt des Vorbildes abbilden. Das passiert aber nicht automatisch - dazu braucht es eine Konzeption.

Felix

Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.844

27.11.2008 19:36
Point to Point oder Kreisverkehr? antworten
Bevor unser hochverehrter Moderator es macht, möchte ich die tolle Diskussion hier fortführen.

Zuerst mal die Vorlage:
OKK schrieb:
In Antwort auf:
"..... Ein Unterfangen wie das e-book Modellbahn-Anlagen-Design wäre auch nicht notwendig, um die zehntausendundvierte Variante vorzustellen, wie man im Kreise fahren kann.

Und damit bin ich bei dem von eisenhans losgetretenen Thema angelangt.
Nicht erst seit meinem letzten Ferrosophie-Beitrag wissen die meisten Leser dieses Forums, dass ich ein einigermaßen orthodoxer Anhänger des point-to-point-Betriebes bin. Darüber habe ich schon so viel geschrieben, dass ich mich hier wiederholen müsste. Die Essenz des Ganzen ist: Will ich Fahrzeugmodelle probe- oder schaulaufen lassen oder will ich eine Modell-Eisenbahn? Ich will das Letztere – so gut es eben geht. Und eine Eisenbahn, die im Kreise fährt, gibt es allenfalls als U-Bahn-Ring.

Dass eine Modellbahn in Kreise zu fahren hat, ist so fest im kollektiven Bewusstsein verankert, dass die Idee, es anders zu machen, immer noch als abwegig, besserwisserisch oder von einigen gar als Affront angesehen wird. Das macht meine Initiativen beschwerlich, aber auch sinnvoll.

Um vom Kreisfahren zum hin-und-her-Fahren überzugehen, braucht es kein Initiationsritual, es sei denn, man nennt die schlichte Einsicht, dass das Vorbild es genauso macht, so. Unabhängig von der Frage, was dem einzelnen in der Ausübung seines Hobbys Spaß macht, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass der hin-und-her-Betrieb näher am Vorbild liegt als das Kreisfahren, genauso wie ein Dampflokmodell mit korrekten Raddurchmessern näher am Vorbild ist als eins mit falschen.

Es ist keineswegs so, dass ich eine Lok mit (geringfügig) falschen Raddurchmessern nicht auf meiner Anlage akzeptieren würde – aber nur, wenn ich absolut keine Möglichkeit sehe, es korrekt zu machen.


fgee schreibt:
In Antwort auf:
"Model Railroading is Fun" - das darf doch auch mal eine fröhliche Runde einschliessen." Das wäre für mich, wie wenn ich einem Schachpartner vorschlagen würde, heute mal die Türme auch diagonal und im Rösslsprung ziehen zu lassen, um mehr „fun“ zu haben. Fun ja, aber vielleicht müssten wir dann doch eine „Aufstiegsprüfung“ machen, um wieder bei den anderen Schachspielern anerkannt zu werden....."


Ob Point to Point Betrieb oder Kreis hängt nach meiner Meinung auch vom Vorbild ab. Nebenbahnen oder Kleinbahnen werden auch beim Vorbild quasi Point to Point betrieben. Schaue ich mir aber eine engleisige Nebenbahn an die z.B zwei parallel verlaufende Hauptstrecken verbindet z.B.:

=====A======B=========C====
_______|________|
=====D======E=========F====

kann es einen Umlauf geben A B E D A, der Gegenzug wäre A D E B A ,also zwei unterschiedliche Garnituren und Lokomotiven. Kreisverkehr ist hier auch für das Vorbild ökonomischer. Mit einem Kreis fällt es mir einfacher diesen Betrieb oder z.B. Leer/Voll nachzubilden. Der Gegenzug kann auch eine andere Route nehmen wenn z.B. dort die Steigungen geringer sind. Ist die Modellbahn in einem virtuellen Netz eingebunden ist der Kreis vielleicht die bessere Wahl. Man sollte aber dann auch mal halten im Schattenbahnhof.
Persönlich halte ich von riesgen Rangieraktionen im Fiddleyard wenig, Bewegungen im Schattenbahnhof sollten gering sein. Auch der Job eines Rangiermeisters, der die Züge seiner "Mitspieler" im Fiddleyard zusammen stellt, während sich die Kollegen in der grünen Hölle mit dem NG austoben, halte ich für wenig erbaulich.
Eine sehr gute Idee fand ich den Vorschlag in der MIBA-Spezial 70, Seite 96 wo mit geringen Aufwand der Gegenzug in einem Schattenbahnhof in Durchgangsform gebildet wird.

PS: Meine Anlage wird point-to-point, liegt am Vorbild!

PSS: Als alter Vereinsschachspieler habe ich nix gegen eine Partie Räuberschach, und eine Aufstiegsprüfung muss bei uns keiner machen!

Liebe Grüße

Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

MainstreetUSA Offline




Beiträge: 25

28.11.2008 00:35
#8 RE: Model Railroading is fun - oder was? antworten

Der John Allen -oder sonstwem - zugeschriebene Satz wird seit einiger Zeit von vielen auf den SChild gehoben, die da meinen, er rechtfertige ALLES, was auch nur peripher mit Modellen schienengebundener Fahrzeuge zu tun hat, und zuvorderst die Einstellung, auch ein Kringel um den Tannenbaum aus einer Startpackung mache einen zum Modellbahner. Es sei dem Zitat zufolge einfach alles erlaubt, was auf Schienen fahren kann, und der Satz sei ein Präservativ gegen jedwede Kritik am eigenen Unvermögen oder der eigenen Einstellung.

Um eine andere Größe der amerikanischen Modellbahnszene zu Hilfe zu rufen: John Armstrong hat mit "What the railroad is and what it does" ein Grundsatzwerk geschrieben, das jedem zur Pflichtlektüre gemacht werden sollte, der sich als Modellbahner versteht. Das Nachempfinden der Eisenbahn, ihrer Existenzgrundlage und ihrer Betriebsabläufe in einem realistischen Umfeld mit möglichst geringen Konzessionen an die Scheinwelt der Zubehörindustrie ist etwas grundsätzlich anderes als der Anspruch, Miniatureisenbahnen in kaum fassbarer Zusammensetzung kurzzeitig karusellartig an sich vorbeiziehen zu lassen...

Insofern möchte ich gegen die pauschale Inanspruchnahme des oben verwendeten Zitates meine allerheftigsten Bedenken anmelden.

Martin

jpachl Offline




Beiträge: 50

28.11.2008 10:14
#9 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten

Zitat von OOK

Dass eine Modellbahn in Kreise zu fahren hat, ist so fest im kollektiven Bewusstsein verankert, dass die Idee, es anders zu machen, immer noch als abwegig, besserwisserisch oder von einigen gar als Affront angesehen wird.


Ist diese Verankerung des Kreisverkehrs im kollektiven Bewusstsein heutzutage wirklich noch vorhanden? Womöglich ist meine Wahrnehmung in dieser Beziehung aber etwas eingeschränkt, da fast alle meine modellbahnerisch aktiven Bekannten irgendwie Fremo-lastig angehaucht oder zumindest der Modul- oder (Betriebs-)Dioramen-Szene zuzurechnen sind. Über zehn Jahre lang hatte ich überhaupt keine "normalen" Modellbahnausstellungen mehr besucht. Jetzt verschlägt es mich wegen meines achtjährigen, eisenbahnbegeisterten Sohnes wieder häufiger zu solchen Events, und da bin ich manchmal schon ein wenig entsetzt, auf welchem Niveau einige Leute stehen geblieben sind. Natürlich gibt es auch exzellente, sehr vorbildgerecht betriebene Anlagen, aber die gab es vor 20 Jahren auch schon. Da können einem manchmal schon Zweifel kommen.

Jörn

jpachl Offline




Beiträge: 50

28.11.2008 10:48
#10 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten

Zitat von fgee

Die Züge fahren im Kreis. Nach Fahrplan. Die Mitspieler, äh Azubis, merken davon aber nichts. Sie haben Dienst an ihrem Bahnhof, der Teil der Anlage ist, und die Züge kommen von irgendwo und gehen nach irgendwo - genauer: Verkehr und Kommunikation werden mit den jeweiligen Nachbarstationen abgewickelt. Das sieht nicht nur vorbildlich aus, das ist vorbildlich, da ja das Personal des Vorbilds ausgebildet wird.
So gesehen kann Kreisverkehr, bzw. ein Ausschnitt davon, durchaus einen Ausschnitt des Vorbildes abbilden. Das passiert aber nicht automatisch - dazu braucht es eine Konzeption.


Ich bin zugegebenermaßen ein großer Fan solcher Lehranlagen, zu denen ich berufsbedingt auch leichter Zugang habe. Meine Studenten durften sich auch schon auf der ETH-Anlage austoben. Zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich mich auch mit ein paar Bekannten aus der Szene der Stellwerks-Liebhaber in einer solchen Lehranlage zu einer Betriebssitzung verabredet. Da wird dann nicht nur nach Fahrplan gefahren sondern auch nach dem aktuellen Stand der Richtlinie 408 mit der heutigen Darstellung der Zugmeldebücher und Befehlsvordrucke. Solche Anlagen bieten trotz des Kreisverkehrs auf der Ebene der Fahrdienstleitung ein Höchstmaß ein Realismus. Der Kreisverkehr ist zwar modellmäßig vorhanden, wird von den Mitspielern aber fast überhaupt nicht wahrgenommen, da der Konzeption ein virtuelles Netz ohne Kreisverkehr zugrunde liegt. In einigen Lehranlagen wird diese Konzeption in einer sehr realistischen Streckenübersicht dargestellt. Ein schönes Beispiel ist die Anlage der TU Dresden. Auf dieser Seite sieht man oben das Gleisschema der Anlage und rechts daneben die der Betriebskonzeption zugrunde liegende Streckenübersicht:

http://www.tu-dresden.de/vkivb/ile/ebl_schema.htm

Die Bediener haben dadurch den Eindruck, ein mit der Außenwelt verbundenes Teilnetz ohne Kreisverkehr zu steuern. In Dresden spielt dabei der Schattenbahnhof eine gewisse Rolle, es gibt aber auch Anlagen, wo dies ohne Schattenbahnhof recht gut gelingt. Einem Zuschauer, der jedoch einfach nur den Betrieb der zugehörigen Modellbahnanlage betrachtet, auf der irgendwelche Züge mehr oder weniger kaschiert im Kreis fahren, entgeht dieser Eindruck natürlich.

Deshalb hier eine etwas ketzerische Frage:

Was wäre, wenn ein Modellbahner eine Anlage mit Kreisbetrieb baut, dies nicht einmal nennenswert kaschiert und dann mit Hilfe einer ähnlich gearteten Streckenübersicht behauptet, er hätte eine äußerst vorbildgerechte Betriebskonzeption?

Jörn

spreewaldbahner Offline



Beiträge: 29

28.11.2008 15:23
#11 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten

Mir ist es auch aufgefallen,daß sich die Anlagen im Prinzip kaum verändert haben. Die Anlagen kommen mir immer irgendwie bekannt vor . Nur das Zubehör ist anders aufgestellt. Ich komme mir immer vor, als ich von einen anderen Stern komme. Ich habe nur einen kleinen Sbf ,ein wenig Strecke und einen Endbahnhof. Die Masse will leider nur Züge im Kreis fahren sehen und dann gehen sie zur Nächsten. Ich glaube nicht ,das sich daran etwas ändern wird. Na ja mir muß es gefallen.
Martin

Wolfgang Offline




Beiträge: 74

28.11.2008 19:35
#12 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten
Ich habe eine "Kreis"anlage. Der Schattenbahnhof schließt den Kreis. Die Anlage wird aber point to point betrieben. Der Schattenbahnhof stellt die beiden Enden A und C dar, der Bahnhof sei B.
Dann fährt in einer Session (spiele ich alleine dauert sie manchmal Wochen) ein Zug von A über B nach C. Dieser Zug stellt in einer anderen Session einen anderen Zug von C nach A dar. Wenn genügend Gleise im Schattenbahnhof sind, muß dieser Zug nicht in der nächsten Session, sondern erst in der übernächsten Session fahren.
Eine Kehrschleife an jedem Ende wäre auch möglich, hätte aber mehr Platz gebraucht.

Wolfgang
OOK Online




Beiträge: 4.095

30.11.2008 17:41
#13 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten

Ich habe schon an anderer Stelle (bevor dieser Fred hier abgetrennt und eigenständig wurde) gesagt, dass das Konzept "Schattenbahnhof als Teil eines Ringes" noch in das Kap. Anschluss an die Welt aufgenommen werden soll. Denn natürlich ist das ein brauchbares, um nicht zu sagen gutes Konzept - und hat mit dem, was wir als "Kreisverkehr" bezeichnen, so gut wie nichts zu tun.

Für meine persönliche Auffassung von Modellbahn passt dieses Konzept gewiss nicht, aber für jemanden, der einen Durchgangsbahnhof an stark befahrener Strecke darstellen will, durchaus.

OOK
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Conrail-Markus Offline



Beiträge: 33

01.12.2008 12:58
#14 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten

Moin zusammen

Da möchte ich doch mal eben eine Lanze für den Kreisverkehr brechen. Bei vielen Zügen mag es nicht auffallen wenn sie aus der Richtung in der sie verschwunden sind irgendwann wieder auftauchen. Blöd nur wenn Sand-, Holz-, Kohle- oder Erzzüge jeweils beladen oder unbeladen völlig ziellos über das Layout rollen.
Hat man keine passenden Be- oder Entladeanlagen, sieht es doch viel realistischer aus, wenn beladene Züge z.B. von links nach rechts verkehren und unbeladene Züge entsprechend in der Gegenrichtung. Sowas geht nur mit Kreisverkehr und in meinen Augen ist es durchaus sinnvoll neben den üblichen Kehrschleifen eine entsprechende unterirdische Verbindung zum Kreis zu haben.
Es lassen sich noch weit mehr Beispiele finden, so haben die Amtrak Züge teilweise die Packwagen und MHC immer in eine Richtung zu hängen, auch sowas läßt sich im Modell nur mit Kreisverkehr darstellen wenn man keinen Platz für offene Fiddleyards hat wo umgesetzt werden kann (auch hier hätte man mit den (un)beladenen Zügen des Richtungsverkehrs Probleme)

Es kommt immer darauf an was man darstellen will und wie gut man die Illusion aufrecht erhalten kann. Kehrschleifen und Kreisstrecken bilden dabei gleichwertige Hilfen.

Kreisstrecken sehen nur doof aus, wenn sie komplett sichtbar sind, so wie bei den üblichen 4x8 Layouts oder deren deutsche Pendants

OOK Online




Beiträge: 4.095

01.12.2008 19:14
#15 RE: ebook "Modellbahn Anlagen-Design" antworten

Zitat von Conrail-Markus

Hat man keine passenden Be- oder Entladeanlagen, sieht es doch viel realistischer aus, wenn beladene Züge z.B. von links nach rechts verkehren und unbeladene Züge entsprechend in der Gegenrichtung.
Vielleicht könntest du das mal in dem MiWuLa-Forum posten. (Wobei ich allerdings nicht weiß, ob die ihr eigenes Forum lesen.)

Ansonsten würde ich sagen, brichst du keinesweg eiine Lanze für den Kreisverkehr, sondern für Zugspeicher in ringförmig geschlossenen Strecken. Es ist auch nicht nur die Optik, die Überschaubarkeit, die Kreisverkehr auf 4'x8'-Anlagen so doof wirken lassen, es ist auch das mangelnde Konzept. Die Darstellung eines Richtungsverkehrs (Kohlezüge im Uhrzeigersinn/Leerzüge gegen den Uhrzeigersinn) ist ein Konzept. Da weiß man, wo die Züge herkommen und wo sie hinfahren und mein häufig zitierter Spruch: Eine typische deutsche Anlage stellt irgendwann irgendwann irgendwo dar. Auf ihr fahren irgendwelche Züge nirgendwohin greift nicht mehr.

OOK
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