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Dieses Thema hat 34 Antworten
und wurde 1.546 mal aufgerufen
 X.3. Der Modellbahner
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eiltriebwagen Offline



Beiträge: 6

02.04.2017 14:52
#31 RE: Hyperrealismus antworten

Moin,

der Begriff Hyperrealismus ist für mich leider eine abwertende Beurteilung eines „Nietenzählers“. Aber sind wir nicht alle „Nietenzähler“, jeder auf seine Art und Weise? Man könnte es auch anders ausdrücken: Jeder setzt seine Schwerpunkte.

Detaillierung ist das eine. Je größer der Maßstab, desto genauer können Details nachgebildet werden. Die technischen Möglichkeiten der Zulieferindustrie und der Selbstbauer haben in den vergangenen Jahrzehnten ein Niveau erreicht, das vom menschlichen Auge ohne optische Hilfsmittel kaum noch zu würdigen ist. Mich persönlich begeistet diese filigrane Kunst. Sie dient als Maßstab des Machbaren und gleichzeitig als Ansporn. Möchte nicht jeder in seinem Metier besser sein als der Durchschnitt, oder zumindest nicht dem untersten Level angehören?

Die realistische Darstellung, das Wort Hyperrealismus möchte ich nicht weiter gebrauchen, stößt meiner Meinung heute nicht mehr in der Detaillierung an ihre Grenzen, sondern am verfügbaren Platz. Je jünger die favorisierte Nachbildungsepoche ist, desto mehr Fläche wird in der Regel benötigt, um eine bestimmte Szene darzustellen. Noch in Epoche 4 gab es Schnellzüge mit drei Wagen. Übergaben mit einem Waggon waren keine Seltenheit. Es gab Bahnhöfe, an denen ein einteiliger Vt 98 hielt, ein Stückgutwagen am Güterschuppen stand und auf der gegenüberliegenden Seite ein Brennstoff- oder Baustoffhändler seinen zugestellten Waggon entlud, während die Köf mit einem weiteren Waggon die Durchfahrt des Vt abwartete. Darstellbar ist diese Szene in H0 auf der Fläche eines kleinen Schreibtisches mit allen liebevollen Details, die es damals noch bei der Bahn gab.

Wer die heutige Zeit nachbilden möchte, muss meiner Meinung nach seine Prioritäten anders setzen, wenn er nicht nur einen öden Triebwagenhaltepunkt nachbilden will. Personenzüge unter 200 Meter Länge sind selten geworden. Güterzüge fangen in der Regel erst bei 400 Meter Länge an. Ganzzugverkehr bestimmt das Bild der heutigen Bahn. Um ein Terminal des kombinierten Verkehrs in 1:87 realistisch darzustellen, braucht man schon fast eine Turnhalle. Wenig anders ist es bei Industrieanschlüssen oder Hafengleisen, die heute noch per Bahn bedient werden. Meine Schussfolgerung für Epoche 6 ff -Bauer wäre eine Verkleinerung des Baumaßstabes. Spur Z ist da noch in vielen Fällen zu groß. 1:1000 würde den Platzverhältnissen einer Zimmeranlage, die die heutige Bahn und deren Umfeld halbwegs realistisch darstellen möchte, wohl schon eher gerecht.

Bei Maßstab 1:1000 würde beispielsweise die Kleineisendiskussion zumindest für die nächsten Jahre in den Hintergrund treten. Vorbildgerechter für die Umsetzung der heutigen Zeit wäre dieser Maßstab mit Sicherheit, es sei denn, man baut nur ein Diorama.

Zum Schluss noch ein Beispiel für den gestiegenen Flächenverbrauch aus dem Autoverkehr. Eine Landstraßenkreuzung 1950 mit Chausseewärterhaus lässt sich in 1:87 fast auf der Fläche eines DIN A4 Blattes darstellen. Für ein Autobahnkreuz benötigt man im selben Maßstab eine Fläche von 8 x 8 Metern. Das sind umgerechnet 50 Hektar oder in Epoche 3 ein riesiger Bauernhof.

Viele Grüße

Burkhard

OOK Offline




Beiträge: 3.658

02.04.2017 16:00
#32 RE: Hyperrealismus antworten

Zitat von Fischkopp im Beitrag #30
Eigentlich ja mal was für Herrn Stellmaszyk......
Wo du grad Stellmaszyk sagst, da fällt mir Helmut Schmidt ein. Nein, nicht der aus Hamborg, der aus Barsinghausen. Dessen Stand war auf der NUSSA 17 direkt neben unserem BAE-Stand. Und HS führte mir selbstbegeistert vor, wie das Garagentor langsam hoch ging, oh sorry, da habe ich in der Eile was übersprungen, vorher drehte sich noch der Griff des Garagentorschlosses um 90°. Nicht in H0 natürlich, sondern in 1:22,5 - wie der Herr Stellmaszyk.
Vor einigen Jahren zeigte HS mir sein 1:22,5 Büro mit der Tischlampe, die man durch Druck auf den im Fuß eingebauten Druckschalter ein- und ausschalten konnte.
Bei Stellmaszyk fällt mir als erstes die Bierflasche mit dem alten Bügelverschluss à la Flensburger ein, den man richtig öffnen konnte.
Das, ja das ist Hyperrealismus.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

Fischkopp Offline




Beiträge: 291

02.04.2017 16:21
#33 RE: Hyperrealismus antworten

Naja,
eigentlich ja nicht, da es sich ja um das Modell einer Bügelflasche oder eines Büros handelt.
In diesem Falle wäre alles weniger detailierte sozusagen "inverser Hyperrealismus".
(Kann da jemand noch ein tolles Fremdwort für machen?)

Pfalzbahn Online




Beiträge: 1.575

09.04.2017 12:08
#34 Pragmatic prototype modeling antworten

Zitat von Tony Koester, Trains of Thought MR 5/17
... Another good friend, Ray Breyer, offered him some advice that's worth sharing:
"If you want to be a 'protosincere' modeler,"Ray suggested, "there are a few things to keep in mind:

  • Do as much research as practical, and don't be afraid to ask questions.

  • Keep in mind that what reality looks like and what a model 'needs' to look like are actually two different things.

  • Stick firmly with your goal, which should be modeling a single year, or even a single month. Fewer distractions and alternatives mean faster progress!

  • Realize that you'll never know every little detail about what you want to build, and don't let that be a hindrance to your progress.

  • Don't be afraid to do something one year and go back and fix mistakes a few years down the road.

  • Be a pragmatic modeler. Be as accurate as your time, finances, skills, knowledge, and artistic vision allow.

  • Finally, keep in mind that you can never actually model each and every rivet, and that you don't actually need to, especially once the trains finally start rolling



  • Interessant finde ich den 2. und die beiden letzten Sätze!

    Grüße Hubert

    "Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

    OOK Offline




    Beiträge: 3.658

    09.04.2017 13:27
    #35 RE: Hyperrealismus antworten

    Zitat von Pfalzbahn im Beitrag #34
    Interessant finde ich den 2. und die beiden letzten Sätze!
    Das könnte ich genauso sagen, vermute aber, dass wir dennoch nicht das Gleiche meinen. Und das darf ja auch so sein.
    Im Übrigen finde ich alle sieben Punkte interessant und beherzigenswert.

    OOK
    http://ferrook-aril.jimdo.com/

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