Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 

Modellbahnanlagen
Planungs- und Design-Forum

für vorbildgerechten Modellbahnbetrieb

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 1.072 mal aufgerufen
 IV.3. Praxis des Modellbahnbetriebes
OOK Offline




Beiträge: 4.300

19.05.2015 19:53
7 ways to add operating interest Antworten

Heute kam der Model Railroader Juni 2015. Darin ein großer Artikel über Betrieb auf einer 18 x 24' großen N-Anlage.
Ich zitiere (von mir übersetzt): "Mit der Zeit kann das Fahren eines Zuges von A nach B mit einem gelegentlichen Aussetzen eines Wagens Routine werden. Mit etwas Recherche können wir Szenarien hinzufügen, die unsere Betriebs-Sessions beleben."
Diesen Satz hätte ich ehrlich gesagt eher in einer deutschen Modellbahnzeitschrift vermutet, geschrieben von jemandem, der noch nicht viel Betriebserfahrung hat. Tja, nun steht er also im MR und der Autor betreibt seine Anlage schon längere Zeit in vorbildentsprechender Form.

Er schreibt von einem "gelegentlichen Aussetzen" eines Wagens. Na ja, wer schon mal bei der BAE beim Betrieb mitgemacht hat, weiß, dass da nicht gelegentlich was ausgesetzt wird, sondern der Nahgüterzug auf den fünf Unterwegsbahnhöfen zwischen Sieber und Braunlage mengenweise was auszusetzen und aufzunehmen hat. Von Routine sind wir da weit entfernt. Es muss wohl an der Anlage und der Betriebsform des MR-Autors liegen, wenn das bei ihm langweiliger ist.

Dennoch sind seine Ideen und Vorschläge anschauens- und prüfenswert.
1) Kühlwagen vor Beginn der Reise zum Beeisen an die Eisplattform setzen.
2) Übergabezüge fahren: zu Industrien, Nachbarbahnen etc.
3) Vorspann- und Nachschiebeloks einsetzen
4) Arbeitszüge einlegen
5) Tfz-Wechsel beim Übergang von Dampf-/Diesel- auf elektrische Traktion
6) Berücksichtigen von trackage rights (hierzulande nicht interessant)
7) Ereigniskarten

Einen weiteren betrieblich interessanten Vorgang hat er als Titelbild ohne Nummer vorgestellt: ein langer Viehzug wird nach 36stündiger Reise auf ein Nebengleis genommen und die Tiere vor der Weiterreise entladen, getränkt und gefüttert und wieder eingeladen. Sehr amerikanisch und hier ebenfalls nicht anwendbar.
Bei den Ereigniskarten hat er so banale wie Heißläufer im vierten Wagen oder Schaden an einer Kupplung, aber auch so abseitige wie Tod eines Reisenden. Am Ende warnt er, das Ding mit den Ereigniskarten nicht zu überziehen.
Schließe mich an.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/
www.0m-Blog.de

HFy Offline



Beiträge: 495

19.05.2015 21:37
#2 RE: 7 ways to add operating interest Antworten

Hallo,

möglicherweise ist die Anlage in einer modernen Epoche angesiedelt, als der Güterzug von Düren nach Jülich nicht mehr zwei V 100 hatte oder der von Kreuztal nach Erndtebrück drei 93. Ereigniskarten zieht die Bahn AG täglich in großer Zahl, und auf der Modellbahn halte ich sie erst dann für sinnvoll, wenn die Anlage hundertprozentig funktioniert.
Das Beeisen von Kühlwagen gab es in den USA meines Wissens sogar unterwegs, und Vieh mußte sowieso regelmäßig getränkt werden (dafür gab es auch Vorschriften). Wie das bei uns vonstatten ging, ist mir leider nicht bekannt, aber auch in Europa gab es sicherlich Transportentfernungen, die Beeisen oder Tränken nötig machten. Für die Kühlwagen gab es bei amerikanischen Eisenbahnen lange Beeisungsplattformen, von denen Eisblöcke in die Eiskammern der Kühlwagen geworfen wurden. Das Eis wurde entweder im Winter aus Seen gewonnen (wie auch bei der GHE) oder aber mechanisch erzeugt.
Vorspann und Nachschub waren früher häufiger, als man meinen sollte; oben habe ich schon Beispiele genannt. Manch einer wähnt ja Nordrhein-Westfalen irrtümlich im Flachland, aber die Züge von Aachen nach Westen kamen früher sozusagen nie alleine nach Belgien. Auch "doubling the hill" (nämlich Teilung von Zügen vor der Steigung) gab es bei uns, zum Beispiel auf der Geilenkirchener Kreisbahn.
Für europäische Verhältnisse bieten sich auch Vorzüge bei starkem Reisendenverkehr an (die jungen Leute glauben einem das nicht mehr) oder auch Sonderzüge, mit denen ganze Schulen oder auch ganze Dörfer und Kleinstädte ausflogen. Ich selbst habe noch an Betriebsausflügen im Sonderzug teilgenommen. Ein Bekannter von mir war früher Fahrdienstleiter (und erzählte von einer Schiebelok, die im Bahnhof Alsdorf den Anschluß an ihren Zug verloren hatte) und später im hiesigen Beritt für Sonderfahrten zuständig. Leider wurden sämtliche Umsätze aus Vereinfachungsgründen auf eine Fahrkartenausgabe gebucht und daher nicht auf seinem Dienstposten ausgewiesen. Ratet mal, was nach 1994 passierte....

Herbert

eisenhans Offline




Beiträge: 396

22.05.2015 18:36
#3 RE: 7 ways to add operating interest Antworten

In USA scheint es ähnlich wie hierzulande so zu sein, dass der Güterverkehr umso interessanter ist, je früher man die Anlage datiert. Der peddler oder way freight, der wie unser Ng an jedem Bahnhof und notfalls auch an jedem Anschluss auf freier Strecke Wagen aussetzte und/oder zustellte, ist passé. Heute gibt es block trains bzw. Ganzgüterzüge, die sich gut von Schattenbahnhof zu Schattenbahnhof über die Anlage jagen lassen wie ein ICE ohne unterwegs irgendetwas anderes zu tun als evtl. einem schnelleren Zug den Vortritt zu lassen.
In sofern wählt man mit der Epoche halt auch die betriebliche Intensität durch Rangiervorgänge mit. Meint

Der Eisenhans

OOK Offline




Beiträge: 4.300

31.08.2015 16:59
#4 RE: 7 ways to add operating interest Antworten

Da wir uns offensichtlich im anlagenplanerischen Sommerloch befinden, greife ich hier mal ein generelles Betriebsthema auf. Es geht ja in diesem Strang darum, wie man den eigentlich langweiligen Betrieb auf einer Anlage aufbrezelt. Ein immer wieder beliebtes Thema in der Modellbahnpresse, vorzugsweise von Leuten ins Spiel gebracht, die sich betriebsmäßig noch in der theoretischen Phase befinden.
Ich weiß nicht, wie der Mitspieler, der am 8.8.15 BAE-Zugleiter war, den Vorschlag der Aufbrezelung des Betriebs empfinden würde. Er hatte in drei realen Stunden (=15 Modellstunden) 36 Züge (gefahren von fünf Zugpersonalen) zu verwalten, 16 Zugkreuzungen (darunter einige verlegte) und einige Überholungen. Sein Telefon läutete unentwegt, so dass er kaum zum Ziehen der Striche auf dem Belegblatt kam.

Zitat von HFy im Beitrag #2
Vorspann und Nachschub waren früher häufiger, als man meinen sollte. Manch einer wähnt ja Nordrhein-Westfalen irrtümlich im Flachland, aber die Züge von Aachen nach Westen kamen früher sozusagen nie alleine nach Belgien. Auch "doubling the hill" (nämlich Teilung von Zügen vor der Steigung) gab es bei uns, zum Beispiel auf der Geilenkirchener Kreisbahn.
Ja. Vorspann ist visuell toll, keine Frage. Hatten wir auch schon einmal, als eine Ts5 ausfiel und der schwere Nahgüter abschnittsweise mit zwei Dreikupplern befördert werden musste. Das war aber ein nicht ganz so voller Fahrplan, wie der vom 8.8.
Tony Koester hat von seiner AM-Anlage her reichlich Erfahrung mit Nachschiebebetrieb (Von Vorspann kann man in USA kaum reden,wenn ohnehin fünf Maschinen vorne dran sind.) Er ist zu dem Fazit gekommen, dass man Nachschub nur dort durchführen sollte, wo er tatsächlich benötigt wird, also nicht nur, weils schön aussieht. Wenn man nämlich einen Zug nachschiebt, der das nicht braucht, gibts unweigerlich einen Wagenhaufen, wenn der Synchronlauf zwischen den Loks vorne und den hinten nicht klappt.

Zitat
Für europäische Verhältnisse bieten sich auch Vorzüge bei starkem Reisendenverkehr an (die jungen Leute glauben einem das nicht mehr) oder auch Sonderzüge, mit denen ganze Schulen oder auch ganze Dörfer und Kleinstädte ausflogen. Ich selbst habe noch an Betriebsausflügen im Sonderzug teilgenommen.

Oh ja, als ich Schüler des Gymnasiums Osterode am Harz war, fuhren wir einmal im Jahr mit einem laaangen Sonderzug nach Hannover zum Opernbesuch. Mit Speise- und Tanzwagen und allem Pipapo und fast nur über eingleisige Strecken.
Ja,und nur zur Betriebsaufbrezelung mit einem solchen Sonderzug. Die Idee hatten wir bei der BAE schon häufiger. Gescheitert ist es immer an den diversen Knappheiten: Tfz-Knappheit, Wagenknappheit, Personalknappheit. Aber irgendwann werden wir es schaffen, dass in den fertig vorliegenden Fahrplan ein Sonderzug einzulegen ist, der erst unmittelbar bei Betriebsbeginn bekannt gegeben wird. Mal sehen, was dann passiert.Vielleicht liegt dann der ganze Keller voller Brezelkrümel.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/
www.0m-Blog.de

Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.911

01.09.2015 17:32
#5 RE: 7 ways to add operating interest Antworten

Zitat von OOK im Beitrag #4
Ich weiß nicht, wie der Mitspieler, der am 8.8.15 BAE-Zugleiter war, den Vorschlag der Aufbrezelung des Betriebs empfinden würde. Er hatte in drei realen Stunden (=15 Modellstunden) 36 Züge (gefahren von fünf Zugpersonalen) zu verwalten, 16 Zugkreuzungen (darunter einige verlegte) und einige Überholungen. Sein Telefon läutete unentwegt, so dass er kaum zum Ziehen der Striche auf dem Belegblatt kam.

Die 36 Züge wären bei der DB AG (DS 818.16) die Grenze wo gerade noch so Zugleitbetrieb zulässig wäre! ;-)

Ich glaube aber hier liegt ein Missverständnis vor, der obige Artikel ist nicht ein Plädoyer für noch mehr Betrieb, sondern soll eher Ideen liefern wie man den Betrieb abwechslungsreicher gestalten kann! Halt lieber Qualität statt Quantität (oder jede Stunde, jede Klasse!?). Eine Vorspannfahrt oder ein Sonderzug, für den natürlich eine Trasse im Fahrplan vorhanden sein muss, bringt halt Abwechslung vom Kreuzen und Überholen!

Grüße Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

Erin Offline



Beiträge: 17

01.09.2015 18:45
#6 RE: 7 ways to add operating interest Antworten

Vorspann ist im Ruhrgebiet( bei mir hat Eisenbahn immer mit Kohle zu tun) relativ häufig vorgekommen. Ich sehe heute noch die Kohlenzüge auf der Emschertalbahn vor mir, die mit zwei schweren Schlepptenderloks bespannt waren, vermutlich 44er. Die Zahl der Waggons war dann auch erheblich. Auch auf den Zechenbahnen wurde bei Erreichen der Grenzlast einfach eine zweite Lok vorgespannt.
Für solche Züge dürfte eine "normal große" Heimanlage deutlich zu klein sein.
Der Schlüssel zur Vermeidung von Langeweile ist für mich die Anzahl der zu bedienenden Anschlüsse . Die Direktion der Ruhrtaler Bergbaubetriebe denkt ab und zu über die Stillegung der Zeche LenaMarie nach, da die Bedienung der Gleisanschlüsse deutlich mehr Freude und Spannung bringt als die Ganzzüge zur Kohlenabfuhr.

Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.911

01.09.2015 20:47
#7 RE: 7 ways to add operating interest Antworten

Zitat von Erin im Beitrag #6
Die Direktion der Ruhrtaler Bergbaubetriebe denkt ab und zu über die Stillegung der Zeche LenaMarie nach, da die Bedienung der Gleisanschlüsse deutlich mehr Freude und Spannung bringt als die Ganzzüge zur Kohlenabfuhr.

Die Frage wäre sind die Ganzzüge wirklich sortenrein, oder wurde verschiedene Sorten mit dem gleichen Zug verschickt zum Zwischhändler bzw. Brennstoffhändler??
Zitat von Pfalzbahn im Beitrag RE: Frage zum Massenguttransport


Wenn nach Sorten die Wagen gefüllt werden müsste in der Zeche schon etwas rangiert werden, oder was meinen die Bergbauprofis dazu?

Grüße Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

tuxlover Offline



Beiträge: 159

02.09.2015 14:24
#8 RE: 7 ways to add operating interest Antworten

Ich vermute, wenn dann besteht der Zug auch nur aus Wagengruppen mit unterschiedlicher Kohle. Also nicht die zwei Wagen für Kohlehändler Kawuppke (einen mit Eierkohlen und mit Magerkohle) direkt hintereinander. Der Dg fuhr dann bis Mannheim, Hamburg... oder sonst durch. Dort ging es dann über den Ablaufberg und erst hier im Ng finden dann die zwei Wagen zusammen.
Betrieblich ist die Zerlegung eines Kohle Dg übrigens nicht sehr spannend. Ich habe das auf einem Modultreffen auch schon mal gemacht und immer die gleichen O-Wagen, wo man noch viel genauer auf die Wagennummern schauen muss, das ist wesentlich anstrengender, als gemischte Güterzüge zu zerlegen.

Gruß
Michael

Erin Offline



Beiträge: 17

03.09.2015 12:19
#9 RE: 7 ways to add operating interest Antworten

Ganzzüge aus Bergwerken sind fast immer sortenrein. Kleinere Händler in der Nähe wurden über den Landabsatz der Zeche bedient, weiter entfernte über einen Rangierbahnhof und den Ng.Es kam vor, daß ein Teil des Zuges aus Kohle- und ein zweiter Teil aus Koksladung bestand, aber die Zugteile waren immer sortenrein.
Das Bergwerk LenaMarie fördert Fettkohlen, die nach der Aufbereitung zur Kokerei gebracht werden. Auf der geplanten Anlagenerweiterung soll(muß) eine Kokerei vorhanden sein.
Das Zerlegen eines Kohlenzuges ist bei den vorgegebenen Gleisanlagen immer gleich, egal ob Leerwagen oder beladene Wagen. Der gemischte Güterzug hat immer eine variable Wagenzahl und immer andere Anschließer. Manches wiederholt sich auch hier, aber überwiegend sieht man sich immer neuen Herausforderungen gegenüber.

OOK Offline




Beiträge: 4.300

14.09.2015 17:42
#10 RE: 7 ways to add operating interest Antworten

Zitat von HFy im Beitrag #2
Für europäische Verhältnisse bieten sich auch Vorzüge bei starkem Reisendenverkehr an (die jungen Leute glauben einem das nicht mehr)
Ich bin ja nicht jung, daher glaube ich es, aber nicht nur das, ich weiß es.
Beispiel 1: Sommer 1962. Ich hatte kurzfristig eine Reise nach Nizza gebucht, ohne große Vorplanung. Über den Gotthard. Allerding fuhr der Gotthard-Zug gegen Mitternach von Zürich HB ab. Der ganze Bahnhof war völlig überfüllt von italienischen Gastarbeitern, die von Deutschland zum Urlaub in die Heimat wollten. Die drängten nun alle auf den Bahnsteig, an dem der Zug bereitgestellt werden sollte. Es kam dann eine halbe Stunde vor Mitternacht ein aus italienischen Uraltwagen bestehender Zug, der als Vorzug angezeigt wurde. Die Italiener stürmten den Zug in einer Manier, die an heutige Flüchtlingsszenen an der Ostgrenzen erinner. Noch während sie stürmten, wurde auf dem anderen Gleis des Bahnsteigs ein weiterer Zug bereitgestellt, ebenfalls Vorzug zum Gotthard-Schnellzug. Auch der war schnell gestürmt, aber immerhin hatte sich die Lage so entschärft, dass ich im "richtigen" Zug, als der dann endlich kam, einen Sitzplatz fand.
Beispiel 2: Zwanzig Jahre später erlebte ich die so genannte Doppelführung der Albulaschnellzüge an jedem Wochenende. Da wurde nicht zwischen Vorzug und Hauptzug unterschieden. Beide Züge waren gleichwertig, der eine fuhr kurz vor der regulären Abfahrzeit, der andere einige Minuten später. Ob es das bei der Harzquerbahn je gegeben hat, wüsste ich gerne.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/
www.0m-Blog.de

 Sprung  

 

Harz-Bahn-Forum

BAE-by-OOK

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de
Datenschutz