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Modellbahnanlagen
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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 755 mal aufgerufen
 IV.2. Betriebsbezogene Überlegungen im Zusammenhang mit Anlagenplanung
Boscho Offline




Beiträge: 304

04.09.2014 01:03
Original oder Fälschung? antworten

Moin!

In diesem Strang ging es um den, sagen wir mal: etwas gewöhnungsbedürftigen Bf Derschlag. OOK kritisierte die unbequeme Bedienbarkeit des Güterschuppens, woraufhin sich eine kleine Diskussion um das Für und Wider entwickelte, in der folgende Worte fielen:

Zitat von Boscho im Beitrag RE: Derschlag
Und außerdem: wir Modellbahner mögen's doch gern mal etwas verzwickter. Und wenn uns dann das Vorbild eine solche Steilvorlage bietet, dann sollten wir die meines Erachtens dankbar annehmen statt daran herumzuoptimieren.


OOKs Erwiderung:
Zitat von OOK im Beitrag RE: Derschlag
Damit könnte man gut einen Strang im Betriebs-Unterforum eröffnen.


Was hiermit geschehen sei. Die Frage könnte also sein: wollen wir Modellbahner es uns unter gewissen Umständen gern etwas bequemer machen damit der Betrieb besser flutscht, auch wenn das Vorbild eher umständlich daher kommt? Was kann man schlicht über den Haufen werfen, was nicht? Und ab welchem Punkt wird ein so unverkennbarer, einzigartiger Bahnhof wie Derschlag zum im sächsisch-thüringisch-fränkischen Dreieck gelegenen Niederschlagwitz oder am Ende gar zum oberbayrischen Derschl / Ag?

Ich bin gespannt.

Grüße!
B.

OOK Offline




Beiträge: 4.090

04.09.2014 08:32
#2 RE: Original oder Fälschung? antworten

Gut, Boscho, du hast den Vorschlag also aufgegriffen. Aber dein Ansatz ist nicht so ganz in meinem Sinne (muss ja auch nicht). Du stellst in den Mittelpunkt die Frage, ob wir originale Bahnhofspläne 1:1 nachbauen wollen oder zwecks glatteren Betriebs "optimieren". Daher auch der Strangtitel, der mir ganz quer liegt.

Ich wollte eigentlich eher deine Aussage

Zitat von Boscho im Beitrag RE: Derschlag
wir Modellbahner mögen's doch gern mal etwas verzwickter.
in den Mittelpunkt stellen. Das mag sich als marginaler Unterschied herausstellen; wir werden sehen.

Doch zur Sache. Zunächst kann ich deine Auffassung übernehmen mit Betonung auf dem "mal". Mein Vorzeigebeispiel ist die Pyritbahn seligen Angedenkens, wo der Anschluss des Ladebunkers absichtlich verkompliziert wurde, um einen fetten Rangierbetrieb zu erzeugen (BB S. 66)

Das war ja aber auch eine supersimple Anlage mit einem sehr engen Thema.Bei der BAE würde ich nie und nimmer etwas machen, damit der Betrieb komplizierter wird, er ist von allein kompliziert genug. Da habe ich z.B. in Oderteich einen Anschluss des Gs, den wir gerne optimieren würden:



An der Rampe der Fa. Koch stehen eigentlich immer Wagen, die entladen werden müssen. Um einen Stückgutwagen an den Schuppen zu stellen, müssen die erst einmal weggeräumt werden (was die Fa. Koch gar nicht gerne sieht) und anschließend wieder hin. Die zusätzliche Gleisverbindung (im Plan gestrichelt) ist lange geplant, wird wohl aber nie verwirklicht. So wird halt weiter gewurstelt, was für einen Pz, der hier "eben mal kurz" einen Wagen absetzen soll, ganz schön aufwändig ist.

Langer Rede kurzer Sinn: Nach meiner Auffassung sind weder Verkomplizierungen noch Vereinfachungen (Optimierungen) von Gleisplänen per se sinnvoll oder wünschenswert, sondern stets situationsabhängig.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/
www.0m-Blog.de

Casey Jones Offline



Beiträge: 95

04.09.2014 17:12
#3 RE: Original oder Fälschung? antworten

ein emotional schwieriges Thema, weil es stark in persönliche Ansichten des einzelnen eingreift, die man bekanntlich weder über einen Kamm scheren, noch standardisieren kann.
Wer z.B. auf Originalität eines Gleisplans großen Wert legt - was ich gut verstehen kann, weil ich dazu auch neige, der wird, wenn der Bahnhof auch seinen originalen Namen tragen soll, nach Möglichkeit gar nichts ändern, was die Identität irgendwie beeinträchtigen könnte und auch nur widerwillig eventuelle Längenanpassungen vornehmen.
Eine solche Ansicht verdient meiner Meinung nach auch großen Respekt, weil damit betriebliche Nachteile, die das Original vielleicht hat, freiwillig mit in Kauf genommen werden.

Wer da weniger Skrupel hat, wird nicht zögern, Veränderungen vorzunehmen, auch tiefergreifende wie etwa Spiegelungen, wenn sich bestimmte Betriebsvorstellungen nicht mit dem Ur-Gleisplan erfüllen lassen. Wer wollte ihm das streitig machen? Sachliche Argumente werden einfach abprallen an der Aussage: Das ist meine Bahn! Der erste Modellbahnertyp von oben würde hier längst mit Recht (jedenfalls in seinen Augen) von "Fälschung" sprechen, vor allem, wenn der Originalname beibehalten wird, vom Original aber nur noch Spuren erkennbar sind.

Für diesen Diskussionsfaden bedeutet das natürlich, daß sich schwer ein Konsens finden lassen wird, weil das jeder eine Kleinigkeit anders sieht. Auch ist man eher bereit, an anderen Anlagen Mängel zu kritisieren, weil man mit deren Beseitigung ja nichts zu tun hat, Mängel bei der eigenen Bahn aber eher zu verteidigen.

Ich selber hab das immer so gehalten: Wenn mich ein Gleisplan aus bestimmten Gründen interessiert und sehr stark zum Nachbau angeregt hat (das könnte theoretisch durchaus so eine anspruchsvolle Gleisverbindung sein wie in Derschlag), dann würde ich versuchen, bis auf das Längenproblem möglichst ohne Abstriche auszukommen - schon aus Respekt vor dem Original, aber auch weil die Befriedigung, etwas weitgehend originalgetreues zu haben, immer weitaus größer ist, als etwas vorbildloses, oder nur ähnliches, das von allem ein bißchen hat. Klar ist auch die Herausforderung größer, weil jeder Betrachter Original und Modell vergleichen kann, bis hin zum exakten Mauerziegelverband der Gebäude, während der freelancer sich unangreifbar zurückziehen kann, weil es ja nichts zu vergleichen gibt.
Gewisse Nachteile eines eines mir gefallenden Originalplans würde ich nie zum Anlaß von großen Änderungen machen. Steht z.B. mein EG vor den Gleisen, muß ich damit zurechtkommen - oder ein anderes Vorbild nehmen.
Und nur dann würde ich den Bahnhof mit seinem Originalnamen versehen. Ist so etwas nicht zu schaffen, nun , dann gibt es immer noch den Ausweg, auch einen fiktiven Namen zu verwenden und von vornherein zu sagen: Dies ist kein exaktes Model von einem realen Vorbild.
Aber wie gesagt, jeder legt seine Messlatte auf eine andere Höhe.
Bei dem Beispiel Oderteich fehlt mir die Information, inwieweit hier ein Vorbild existiert. Wenn nein, ist der Fall doch klar. Die Gründe, warum das nicht optimiert wird, scheinen eigentlich nur in den Prioritäten zu liegen. Es ließe sich aber auch fragen, warum man der Fa. Koch erlaubt hat, genau an der Stelle eine Laderampe zu errichten, bzw anders herum, warum die Bahnverwaltung hinter einem Privatanschluß einen Güterschuppen braucht - je nachdem, wer zuerst da war, was mir ja nicht bekannt ist.

Grüße
Christian

>>Ich lasse meinen Computer nicht mit meiner Eisenbahn spielen!<<

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