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Modellbahnanlagen
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Dieses Thema hat 48 Antworten
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 IV.3. Praxis des Modellbahnbetriebes
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hmmueller Offline



Beiträge: 322

04.10.2014 10:10
#31 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Darf ich noch was ergänzen? - ich mach's in einem neuen Beitrag, weil's in eine andere Richtung geht: Hubert fragt:

Zitat
Und was bekommt man dann von der Anlage überhaupt noch mit?


Das ist, finde ich, eine sehr interessante Frage, weil sie - so lese ich sie zumindest - im Grunde das "Haptisch-Akustisch-Optische" einer Modellbahn thematisiert.

Wieso hat und baut man den überhaupt eine Modellbahn? Die Motive sind sicher verschiedene, aber sie überlappen sich alle daran, dass man etwas Reales, Angreifbares, sich im Raum Bewegendes vor sich hat: Man erfreut sich daran, wie ein Personenzug langsam aus der Haltestelle beschleunigt, wie ein längerer Güterzug über die Herzstücke von Weichen rattert, wie ein Flachwagen genau an der Laderampe zugestellt wird. Die Siegeszüge der Pulsweitensteuerung (mit der man sehr langsam fahren konnte), der Geräuschmodule oder auch der Finescale-Bewegung sind m.E. darauf zurückzuführen, dass Modellbahner eben dieses Haptisch-Akustische-Optische "brauchen" ...

Wenn es nur um das Verteilen von Wagen ginge, könnte man ja auch seine betriebliche Befriedigung bei einem entsprechenden Computerspiel oder auf der hier manchmal zitierten Brio-Anlage finden. Leute, die das tun, würde ich "Abstraktionisten" nennen: Sie abstrahieren eben von der "Physik der Modellbahn" und sind damit keine Modellbahner mehr. Ich denke, da sind wir uns zumindest im Prinzip einig.

Wenn ich von meiner Fahrdienstleiteranlage träume, dann gibt es da auch Haptisch-Akustisch-Optisches, das ich nicht vermissen möchte - allerdings bin ich hier nun garantiert in einem Minderminderheitenbereich unterwegs:

* Habe ihr schon einmal bewusst zugehört, wie eine elektrische Weiche umläuft? Wie in den paar Sekunden man die Rutschkupplung greifen hört, dann den Umlauf, dann das Einfallen der Verschlusshaken und des Spitzenverschlusses? In meinen Träumen hat eine Fdl-zentrierte Anlage Geräuschmodule für den Weichenumlauf!

* Wer einmal im Relaisraum eines Drucktastenstellwerks (oder auch in einer alten Telefonvermittlung) gestanden ist, hat das Rattern der Relais gehört - in einem Stellwerk hört man hier, wie eine Fahrstraße über die Gestelle einläuft oder wie ein Zug auf seiner Fahrt die Teilfahrstraßen auflöst. Die Schaltungen meines Stellwerks werden auf jeden Fall mit Relais aufgebaut (ein paar Dutzend 4xUm-Relais liegen schon hier, und ein Demostellwerk für eine Abzweigbahnhof mit 2 Gleisen hab ich schon einmal zusammengelötet ...).

* Ich bekomme noch immer eine Gänsehaut, wenn ich an die Fahrdienstleitung in St.Valentin in den 1980ern denke: An die 30 Blockfelder, die beim heftigen Betrieb auf der Westbahn dauernd am Rattern waren (zwei Fahrdienstleiter taten hier Dienst). Ob und wie man das auf eine Modellbahnanlage bekommt, weiß ich nicht - aber das wäre für mich das Höchste der Gefühle ...

* Um wieder zur Anlage zurüclzukommen: Signalflügel bewegen sich nicht "einfach so nach oben und unten" (gar nicht schnell wie bei Magnetspulenantrieben, aber auch nicht linear langsam), sondern parallel mit der Hebelbewegung: Entweder kuppelt man Hebel und Signal mechanisch, oder man simuliert die typische "Zwei-Wellen-Bewegung" (wegen des Umgreifens am Hebel) an einer Motorsteuerung (ok, manche Stellwerkswärter werfen die Hebel auch mit Schwung in die Endlage - nicht die feine Tour und eigentlich verboten).

* Die Bewegung von Schrankenbäumen parallel zur Bedienung, aber auch bei einem Motorantrieb ist auch etwas, das "richtig" sein sollte/könnte ...

usw.usf. Ja, das mag nun "überkandidelt" sein, und nicht alle dieser "Gestaltungselemente" würde ich unbedingt erwarten: Aber Details in diesem Bereich sind auch etwas, was eine "Fahrdienstleiter(-zentrierte) Anlage" in meinen Augen auszeichnen würde: Realität an teilweise anderen Stellen als bei betriebs-zentrierten Anlagen, aber eben auch Realität - das "bekommt man von der Anlage mit"!

Harald M.

Wanderer Offline



Beiträge: 90

04.10.2014 22:01
#32 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Ich finde Haralds Ideen hochinteressant.

Zwar war ich nie als "echter" Fdl tätig, aber ich durfte trotzdem mal eine Erfahrung in dieser Richtung machen: Irgendwo hier wurde mal das "Eisenbahn-Betriebsfeld" an der TU Darmstadt erwähnt. Früher (vor über 15 Jahren) hieß der Vorgänger davon noch "Signallabor", und dort durfte ich ein paar Betriebssessions mitmachen. Nach einer Einweisung war es mein "Job", der Fdl eines kleinen Endbahnhofs mit 3 Gleisen am Ende einer eingleisigen Nebenstrecke zu sein. Natürlich dachte ich auch erst "wie langweilig", aber zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass das ein durchaus ausfüllender Job war. Der Bahnhof hatte ein mechanisches Stellwerk mit Hebelbank, und was man da alles beachten musste. Glücklicherweise standen die Abhängigkeiten auf Täfelchen an den Hebeln (ich weiß nicht, ob das zur Erleichterung war, oder ob das bei echten Stellwerken auch so ist). Dazu kam dann noch die Züge anbieten und annehmen, Voraus- und Zurückblocken sowie die Einträge im Stationsbuch. Es war genug.
Es blieb aber immer auch genug Zeit, den ein- und ausfahrenden Zügen zuzusehen. Das war auch nötig, denn man musste nachschauen, ob auf dem letzten Wagen ein roter Punkt klebte. Dieser symbolisierte den Zugschluss und musste kontrolliert werden. Wenn jemand den Punkt entfernt hatte, mussten alle, die zurückgeblockt hatten, obwohl der Zugschluss nicht da war, eine Mark in die Kaffekasse zahlen.
Und ich erinnere mich noch gut, wie nach einer halben Stunde ein erfahrener Mensch vorbeikam und mir erklärte, dass ich die Weichen nicht so stellen dürfe, wie ich es tat. Er erklärte mir dann, dass ich tot sei, wenn ich vor dem Hebel stehe und ein Zug spitz auf die Weichenzungen fährt, während ich die Weiche umlege. Daher habe ich neben dem Hebel zu stehen. Und plötzlich muss man beim Hebel umlegen auch noch umgreifen...

Das wesentliche daran war aber, dass es eben extrem wirklichkeitsgetreu war. Die fahrenden Modellzüge lösten sogar die Fahrstraßen von selbst wieder auf, und hier kann ich Harald nur zustimmen: Das war ein wesentlicher Teil des Erlebnisses. Wenn der angenommene Zug nämlich nicht kam, sondern stattdessen ein Anruf des Nachbar-Fdl, dass die Zugreihenfolge doch noch geändert werden musste, dann hieß es "schlüsseln" (also mit einem Schlüssel manuell die Fahrstraße auflösen, was wiederum ein Zählwerk weiterzählen ließ und im Stationsbuch eingetragen werden musste).

Übrigens fällt mir dabei auch noch ein, wie bei einer Fdl-Anlage die Zusammenarbeit mit einem Computer aussehen könnte: Es gab damals auf dieser (zugegeben riesigen) Anlage auf einer zweigleisigen Strecke ein Stück mit Selbstblock. Wenn ich mich richtig erinnere, endete dieser Bereich auf der einen Seite an einem Bahnhof mit Drucktastenstellwerk und auf der anderen Seite an einer Abzweigstelle mit einer ganz eigentümlichen Stellwerkstechnik: Dort gab es große runde Knöpfe, die wenn ich mich richtig erinnere herausgezogen und gedreht werden mussten. Das heißt aber, hier gab es bereits die Schnittstelle von einem manuell bedienten Stellwerk zu einer Automatik, und zwar absolut vorbildgerecht. Ich habe an den Stellen zwar nie mitgemacht, aber es muss ja vorbildliche Abläufe für das Übergeben von Zügen an den Selbstblock und für das Annehmen von Zügen aus dem Selbstblock geben. Wenn man nun den Computer mit einem geeigneten Programm den Schattenbahnhof steuern ließe und er mit dem Schattenbahnhof den Selbstblock simuliert, dann könnte man die Schnittstelle zum Computer absolut vorbilgetreu nachbilden.

Versteht mich nicht falsch: Mein persönlicher Traum ist eine Lokführer- und keine Fdl-Anlage, aber seit meinem damaligen Erlebnis verstehe ich Modellbahner, deren Traum eine Fdl-Anlage ist. Und ganz ehrlich: Es gibt Momente, da träume ich von einer Hebelbank für einen kleinen Endbahnhof...

Viele Grüße
Rolf

dave Offline



Beiträge: 128

05.10.2014 10:23
#33 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Zitat von hmmueller im Beitrag #31

* Habe ihr schon einmal bewusst zugehört, wie eine elektrische Weiche umläuft? Wie in den paar Sekunden man die Rutschkupplung greifen hört, dann den Umlauf, dann das Einfallen der Verschlusshaken und des Spitzenverschlusses? In meinen Träumen hat eine Fdl-zentrierte Anlage Geräuschmodule für den Weichenumlauf!


Bei der Modellbahn muss man sich auch über die Geräuschkulisse machen, die der Bediener hören kann. Sounddecoder für Loks sind ja zur Zeit total "in". Sind sie zu laut, dann hört man auf der ganzen Anlage die Lok. So verliert man die Illusion der Entfernung. Bei der letzten Weihnachtsausstellung des SMEC (www.smec.at) konnte man eine 1044 durch die Schattengleise sehr gut verfolgen, weil sei wirklich extrem laut eingestellt war. Nach zwei Minuten hat es genervt.
Komment wir zum Stellwerker: Hört der wirklich die Antriebe? Sollte man beim Umstellen nicht eher den Wecker, der bei sich meldet wenn Weichenschalterstellung und Zungenstellung nicht ident sind? So wie hier http://www.youtube.com/watch?v=tj-AXdvwy3M oder http://www.youtube.com/watch?v=rOywLmJ3mL4 .

Zitat von Wanderer im Beitrag #32

Übrigens fällt mir dabei auch noch ein, wie bei einer Fdl-Anlage die Zusammenarbeit mit einem Computer aussehen könnte: Es gab damals auf dieser (zugegeben riesigen) Anlage auf einer zweigleisigen Strecke ein Stück mit Selbstblock. Wenn ich mich richtig erinnere, endete dieser Bereich auf der einen Seite an einem Bahnhof mit Drucktastenstellwerk und auf der anderen Seite an einer Abzweigstelle mit einer ganz eigentümlichen Stellwerkstechnik: Dort gab es große runde Knöpfe, die wenn ich mich richtig erinnere herausgezogen und gedreht werden mussten. Das heißt aber, hier gab es bereits die Schnittstelle von einem manuell bedienten Stellwerk zu einer Automatik, und zwar absolut vorbildgerecht.


Da dürfte es sich wohl um ein Stellwerk Siemens 1912 oder eines seiten "Nachfahren" handeln, siehe http://stellwerke.de/formen/seite2_j.html . Da lässt sich so gut wie alles elektrisch umsetzen (haben ja viele Bahnen außer die DRG ab den 1930ern gemacht). Da Probelm wird sein passende Schalter zu einem halbwegs venünftigen Preis zu basteln...

Ein Triebkopf kommt selten allein.

Wanderer Offline



Beiträge: 90

05.10.2014 10:41
#34 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Zitat von dave im Beitrag #33
[quote="hmmueller"|p9065]

Da dürfte es sich wohl um ein Stellwerk Siemens 1912 oder eines seiten "Nachfahren" handeln, siehe http://stellwerke.de/formen/seite2_j.html . Da lässt sich so gut wie alles elektrisch umsetzen (haben ja viele Bahnen außer die DRG ab den 1930ern gemacht). Da Probelm wird sein passende Schalter zu einem halbwegs venünftigen Preis zu basteln...


Ja genau, so sah das aus.

Viele Grüße
Rolf

Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.844

09.10.2014 20:02
#35 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Hallo FDLs,

erst mal Danke für den Einblick in eurer Seelen!
Allerdings bräuchte man doch für den "richtigen" Betrieb und Spielspaß mindestens zwei Personen!
Ob die eine Person durch einen Computer ersetzt werden könnte halte ich für fraglich! Der Computer ist berechenbar! ;-)

Grüße Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

hmmueller Offline



Beiträge: 322

10.10.2014 22:43
#36 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Zitat von Pfalzbahn im Beitrag #35
Allerdings bräuchte man doch für den "richtigen" Betrieb und Spielspaß mindestens zwei Personen!


... wie ich ja geschrieben habe.
Zitat von Pfalzbahn im Beitrag #35
Ob die eine Person durch einen Computer ersetzt werden könnte halte ich für fraglich! Der Computer ist berechenbar! ;-)

Das ist er sicher nicht.
Was er aber wirklich nicht ist: "Kommunikativ", "zu kreativen Fehlern neigend" und solche Sachen - deshalb habe ich ja auch geschrieben, dass ich drauf verzichten würde und werde.

Harald M.

OOK Offline




Beiträge: 4.090

13.10.2014 11:14
#37 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

So, ich habe mal die Posts überflogen, die während meiner zehntägigen Abwesenheit aufgelaufen sind. Was soll ich zum Verlauf der Diskussion sagen? Zunächst einmal, dass sich mir der Gedanke aufdrängt, den Strang in "Theorie des Modellbahnbetriebs" umzubennnen.
Des Weiteren stelle ich fest, dass diejenigen, die am weitesten von der Praxis entfernt sind, die "hundertprozentigsten" Vorstellungen und Forderungen haben, wie es gemacht werden muss. Das erinnert ein wenig an die Politik, wo eine Partei in der Opposition absolut fundamentalistische Forderung stellt, kaum sitzt sie auf der Regierungsbank, ist davon kaum noch etwas zu hören. Dann setzt sich "die Normative Kraft des Faktischen" durch bzw. reiner Pragmatismus.
Das meiste, was hier als Minimalvoraussetzung für Fdl-Anlagen gefordert wird, ist allenfalls wünschenswert, schön, praktisch, vorbildlich usw., aber keineswegs notwendig.

Mit Verlaub, ich rede aus praktischen Erfahrungen. In einem anderen Strang geht es ja um die sicherungstechnische Ausrüstung des Bahnhofes Sonnenberg meiner Anlage. Ich finde es wahnsinnig "geil" hier ein "richtiges" mechanisches Stellwerk hin zu bekommen, das nach Vorbildvorschrift bedient wird. Und ich treibe einigen Aufwand, diesen Wunschtraum zu verwirklichen.

Aber: Notwendig ist dies nicht. Der Fdl von Sonnenberg händelt den Bahnhof derzeit auch ohne die korrekte Sicherungstechnik, stellt wie Weichen entweder lokal oder über Schubstangen, die drei Einfahrsignale ebenfalls über Schubstangen. Das ist manchmal etwas umständlich, und wer den Job zum ersten Mal macht, kriegt leicht die Krise. Aber das ist wohl bei jedem Vorbildbahnhof dieser Art auch so.

Ich halte wenig von maximalistischen Forderungen, was nicht heißen soll, dass wir nicht diskutieren dürften, wie es das Vorbild macht. Im Gegenteil, das ist sehr wünschenswert. Aber das ist dann eben die Theorie, und ein jeder nimmt sich davon so viel, wie er mag und vor allem kann.

OOK
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hwunderlich Offline




Beiträge: 515

13.10.2014 17:44
#38 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Hallo Allerseits,

ich war am Wochenende in Rheda auf dem FREMO-Nebenbahntreffen. Und wie das bei FREMO-Arrangements so
üblich ist, sind die Jobs von Lok-/Zugführern und Fahrdienst-/Zugleitern "streng" voneinander getrennt.

Unter Anderem hatte ich das Vergnügen als "örtlicher Bahnhofsfahrdienstleiter" des Bahnhofs Neulippertor
innerhalb der Zugleitstrecke tätig zu sein.

Zu diesem Bahnhof ist zu sagen, das es sich um den Betriebsmittelpunkt einer NE-Bahn mit Übergang zur DB
handelt. Hier gibt es ein rundes Dutzend Anschliesser im Bahnhofsbereich, ausserdem hat Neulippertor
Zugbildungsaufgaben für die NE-Bahn.

Die Stelltechnik ist "elektromechanisch" mit vorbildnahen, softwarebasierten Abhängigkeiten.

Meine bisherige Meinung hat sich (wieder einmal) vollumfänglich bestätigt: Wer einen Fahrdienstleiterjob
nach der "reinen Lehre" auf seiner Anlage verwirklichen möchte, braucht Mitspieler!!

1.) Mindestens einen, der die Züge fahren lässt.
2.) Mindestens einen "Nachbarfahrdienstleiter".
Beide können als Cheffe der Schattenwelt ggf. in Personalunion tätig sein.

ICH kann mir nicht vorstellen, ALLEINE eine reine FDL-Anlage zu planen, zu bauen und zu betreiben, wenn
ich nicht über das "nötige" Personal verfüge; dann ist vielleicht eine der verfügbaren Stellwerksimulationen
das Richtige für mich.

Mir hat der Job deshalb Spass gemacht, WEIL ich mit dem Zugleiter, dem Nachbarfahrdienstleiter und den
Zugpersonalen kommunizieren musste UND eben die "reine Stelltätigkeit" auszuführen hatte.

Für Einzelkämpfer aber eher ungeeignet! Wobei Neulippertor auch nicht für den Alleinspieler entworfen und
gebaut wurde, sondern schon in der Grundkonfiguration (Fiddleyard - Strecke - LPT) mindestens 3 Leute beschäftigt.

Weiterhin war im Arrangement mit dem Bahnhof "Bülthausen" eine Betriebsstelle vertreten, wo die Weichen und
Signale mittels mechanischer Stellhebel (quasi der Prototyp der "Hellmann'schen-Hebel") bedient werden. Der
Erbauer hat mittlerweile auch die Fahrstrassenfestlegung mittels eines rein mechanischen Verschlussregisters
realisiert. Der Job des FDL in Bülthausen war sehr begehrt, was doch die Faszination der Mechanik verdeutlicht!!
aber auch für Bülthausen gilt, das ohne Mitspieler der Spass weniger als halb so gross sein dürfte.
Hier wäre die Anordnung in einem Loop mit Einsatzbahnhof denkbar. Ob letzterer durch einen PC steuerbar sein
könnte, will ich nicht beurteilen, ebensowenig inwieweit Zugmeldungen "mechanisierbar" sind. Ob allerdings
der Spass am Bahnhof bei dieser Grundlage lnge anhalten wird, möchte ich bezweifeln! Irgendwann wird die
"Action" (Züge von A nach B, von B nach A, Zugkreuzungen, Überholungen; ggf ein wenig Rangieren) der Routine
weichen...

Soweit meine (erneut gefestigte) Meinung zur FDL-Anlage.

Grüsse aus Frankfurt

Hartmut

Tante Edit hat Zeichen sortiert...

Grüsse aus Höchst am Main

Hartmut

OOK Offline




Beiträge: 4.090

14.10.2014 09:53
#39 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Da dieser Strang dem Titel des Unterforum "Praxis des Modellbahnbetriebes" wie erwähnt, ohnehin nicht mehr so ganz gerecht wird, kann ich auch einmal ein Fdl-Erlebnis erzählen. Das liegt aber schon viele Jahre zurück und ist Vorbild, nicht Modellbahn, für letztere aber vielleicht richtungsweisend:

Ich weilte auf dem Bahnhof Ehrwald der Außerfernbahn. In der Zeit, bevor man meinte, den Fahrdraht runter reißen zu müssen (um ihm dann für viel Geld wieder aufzuhängen!) Dieser Bf ist ein Kreuzungsbahnhof mit Einfahrsignalen, jedoch ohne Ausfahrsignale. Die Weichen sind ortsgestellt und vermutlich für Einfahr-Fahrstraßen vom Stellwerk aus verriegelbar. So jedenfalls meine Schlussfolgerungen aus meinen Beobachtungen.
Und, wichtig: Der Bf hat (oder hatte zumindest damals) einen Fdl, einen der noch so richtig mir roter Mütze und Befehlsstab unterm Arm rumlief.

Wie der Zufall es so wollte, durfte ich Zeuge einer Zugkreuzung werden. Die beiden Züge liefen nacheinander auf Gl 1 und 2 ein. Züge war ein großes Wort: jeweils eine 112 und ein Silberling.
Jetzt wird's spannend. Wie werden nun die Fahrstraßen für die Ausfahrten eingestellt? Ganz einfach: der Fdl schwingt sich auf sein Fahrrad, saust auf einem extra dafür angelegten Radweg zur Ausfahrweiche Richtung Garmisch, legt diese um und gibt dem Tf von dort aus mit dem Befehlsstab den Abfahrauftrag.
Kaum ist der "Zug" an ihm vorbei, legt er die Weiche wieder zurück, schwingt sich wieder auf sein Radl und saust noch schneller als beim ersten Mal zur Einfahrweiche Richtung Reutte i.Tirol. Dort springt er von Rad, legt die Weiche und gibt dem zweiten Zug den Abfahrauftrag. Dieser fährt aus und im Bf ist wieder Ruhe. Nach Zurücklegen der Weiche fährt der Fdl diesmal entspannt zurück zum AG und darf sich ausruhen.
Da sehe ich viel Potential für die Modellbahn. Low-Tech vom Feinsten.

OOK
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Casey Jones Offline



Beiträge: 95

14.10.2014 13:29
#40 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Zitat von OOK im Beitrag #39

....einen Fdl, einen der noch so richtig mir roter Mütze und Befehlsstab unterm Arm rumlief.

da dies eine unter Modellbahnern, aber auch der übrigen Bevölkerung, weitverbreitete Fehlmeinung widerspiegelt, sollte man sie ausgerechnet in einem Forum mit etwas Anspruch nicht noch weiter vertiefen.
Rote Mütze und Befehlsstab sind die Kennzeichen des Aufsichtsbeamten, der grundsätzlich ganz andere Aufgaben als der Fdl hat (zB das Ablassen von Zügen). Der Fdl hat dagegen keinerlei Kennzeichen, trägt in Epoche III/IV auch nicht notwendigerweise Uniform.

Was das eigentlich ganz Einfache so verkompliziert und zu dem wahrscheinlich unausrottbarem Fehler geführt hat, sind vermutlich zwei Dinge: Einmal treten Fdl und Aufsicht bei kleinen Bahnhöfen in Personalunion auf, und verständlicherweise prägen sich rote Mütze und Befehlsstab bei den Fahrgästen sehr stark ein. Dummerweise ist Fahrdienstleiter die bei Laien bekanntere Tätigkeitsbezeichnung. Und schon war es passiert, und wurde von der Fachpresse unzähligemale weitergetragen.
In dem sehr lebendigen Beispiel gilt: Stellt der Beamte gerade das Esig, ist er Fdl, gibt er das Abfahrtsignal für den Zug, ist er Aufsichtsbeamter. Er wird deswegen kaum ständig die Insignien wechseln.

Christian

>>Ich lasse meinen Computer nicht mit meiner Eisenbahn spielen!<<

OOK Offline




Beiträge: 4.090

14.10.2014 14:02
#41 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Christian, du hast ja soooo Recht! Ich habe genau das gemacht, was Otto Normalmodellbahner immer macht, nämlich die beiden Jobs in einen Topf geworfen, was beim Beispiel Ehrwald aber absolut ok ist. Es liegt auch daran, dass ich in meiner Jugend immer an kleineren Bahnhöfen gewohnt habe, wo Fdl und Aufsichtsbeamter stets in Personalunion waren. Ich glaube auch nicht, dass durch diese Verwischung irgendetwas falsch rüber gekommen ist,oder?
Und bei der Modellbahn, selbst bei einer mit einer weit gefächerten Rollenverteilung wie der BAE, wird es kaum eine Trennung von Fdl und Aufsichtsbeamten geben.

OOK
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dave Offline



Beiträge: 128

14.10.2014 14:09
#42 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Zitat von OOK im Beitrag #39

Ich weilte auf dem Bahnhof Ehrwald der Außerfernbahn.


Zitat von Casey Jones im Beitrag #40
Zitat von OOK im Beitrag #39

....einen Fdl, einen der noch so richtig mir roter Mütze und Befehlsstab unterm Arm rumlief.

da dies eine unter Modellbahnern, aber auch der übrigen Bevölkerung, weitverbreitete Fehlmeinung widerspiegelt, sollte man sie ausgerechnet in einem Forum mit etwas Anspruch nicht noch weiter vertiefen.
Rote Mütze und Befehlsstab sind die Kennzeichen des Aufsichtsbeamten, der grundsätzlich ganz andere Aufgaben als der Fdl hat (zB das Ablassen von Zügen). Der Fdl hat dagegen keinerlei Kennzeichen, trägt in Epoche III/IV auch nicht notwendigerweise Uniform.


Achtung, wir befinden uns in Österreich! Uniform, rote Kappe (und Befehlsstab) sind auch heute noch Kennzeichen des österreichischen Fahrdienstleiters.

Ein Triebkopf kommt selten allein.

hmmueller Offline



Beiträge: 322

14.10.2014 14:27
#43 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

... und zur Ergänzung noch: Den Begriff "Aufsichtsbeamter" gab und gibt es in Österreich nicht.

Wenn überhaupt eine eigene Stelle zur Zugabfertigung nötig war (üblich z.B. in größeren Bahnhöfen mit Zentralstellwerken, manchmal auch, wenn eine Deutsche Einheit mit Befehlsstellwerk vorhanden war), dann gab es (bis zur letzten Vorschriftenreform) einen "Bahnsteigfahrdienstleiter", der auch alle Verantwortungen eines Fahrdienstleiters hatte - bis zur prinzipiellen Möglichkeit, die Zugfolge zu ändern. Praktisch waren natürlich auf solchen Bahnhöfen - wie analog auch im Nachbarland Deutschland - die Aufgaben der mehreren Fahrdienstleiter in einer Bf-Do (Bahnhofsdienstordnung) so festgelegt, dass für jede Fdl-Verantwortung klar war, wekcher Fdl sie in welchem Bereich wahrnehmen durfte und musste.

H.M.

dave Offline



Beiträge: 128

14.10.2014 14:40
#44 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Zitat von hmmueller"|p9133
Bahnsteigfahrdienstleiter



Den Außenfahrdienstleiter gibt heute ja auch noch! Zumindest sehe ich einen jeden Tag in Attnang-Puchheim (Zentralstw. mit zwei Fdl. im Innendienst und einem Außen-Fdl.).

Ein Triebkopf kommt selten allein.

OOK Offline




Beiträge: 4.090

14.10.2014 16:50
#45 RE: Anlagen für Fahrdienstleiter (Fdl-Anlagen) antworten

Sehr interessant! Das wusste ich auch noch nicht, dass es in Österreich den Aufsichtsbeamten als solchen nicht gibt, sondern dass hier tatsächlich das Rotkäppchen der Fdl ist.

Aber nachdem dies geklärt ist, könnten wir zum eigentlichen Thema zurückkehren, nämlich wie Anlagen beschaffen sein sollten, die Fdl-orientiert sind. Hartmut schrieb von einer spannenden Erfahrung bei einem FREMO-Treffen und meinte u.a., dass der Fdl-Job, damit er interessant genug ist, mindestens einen Nachbar-Fdl braucht.
Bei der BAE gibt es meist nur einen Fdl (wie bekannt in Sonnenberg). Ansonsten nur die temporär als Fdl fungierenden Zf, wie in der SbV vorgesehen. Er kann also in der Regel Nachbarbahnhöfe nicht anrufen, weil nicht sicher ist, ob da gerade jemand ist. Er kann aber von den Nachbarbahnhöfen von aktuellen Fdl angerufen werden, was selten vorkommt, aber ggf halt doch. Sein Hauptgesprächspartner ist der Zl, dessen verlängerter Arm er ist. Insofern kann ich mir auch eine Fdl-orientierte Anlage mit nur einem Fdl vorstellen, wenn er mitten im Zugleitbereich sitzt.

OOK
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