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Modellbahnanlagen
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Dieses Thema hat 22 Antworten
und wurde 5.813 mal aufgerufen
 VI.4. Thema Hauptbahn mit Nebenbahn
Seiten 1 | 2
Michael Sterna Offline




Beiträge: 92

13.07.2008 12:47
#16 RE: Sinn und Grenzen der Minimal-Rangierspiele antworten

Zitat von jpachl
Den wenigsten Modellbahnern gelingt die nahezu schlagartige Mutation vom fleißigen Modellbauer zum reinen Betriebsbahner und damit streng genommen zu einem ganz anders gearteten Hobby.


Jörn bringt es hier exakt auf den Punkt! Der nicht ganz unbekannte Bertold Langer hat sich vor Jahren mal öffentlich dafür ausgesprochen "nur" kleine überschaubare Anlagenprojekte zu bauen und eben nicht das große Lebenswerk. Zum einen, weil sich die eigenen handwerklichen Möglichkeiten doch irgendwann weiterentwickeln und dann die frühen Werke nicht mehr so recht überzeugen (bekannt?), zum anderen deshalb, weil sich auch die Vorlieben ändern können. Und schon wären wir wieder bei der Abrissbirne...
Ich bewundere aufrichtig das hinter der BAE liegende Konzept, v.a. seine lange Reifephase.
In meiner eigenen Modellbahnerei hatte sich bislang eher "der Langer" in mir durchgesetzt. Ob mir die von Jörn beschriebene Mutation gelingen wird? Derzeit (und wohl auch auf längere Sicht) sind es nicht zuletzt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die einem zu häufigen Neubeginn im Hobby im Wege stehen.. Aber die "punktuelle Perfektionierung des Vorhandenen" hat doch auch ihren Reiz...

Liebe Grüße

Michael

Liebe Grüße aus Ostwestfalen!

Michael

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OOK Online




Beiträge: 3.506

13.07.2008 19:05
#17 RE: Sinn und Grenzen der Minimal-Rangierspiele antworten

Das von jpachl eingestellte Beispiel liest sich so, als sei es schlussendlich ein großer Fehler, eine Anlage sorgfältig zu planen und bis ins kleinste Detail perfekt zu bauen – und dann vom Bauen zum Betrieb über zu gehen. Dabei meine ich, dass hier ganz klar ausgemacht werden kann, welche Fehler jpachls ex-Freund gemacht hat.

Zum einen hat er offensichtlich nie zwischendurch überprüft, wie praxistauglich seine Konzeption ist und ob sie seinem Geschmack, seiner Mentalität tatsächlich entspricht. Er hat viel Ähnlichkeit mit jenem MIBA-Autor K.R., den ich in Kap. 2.2 „Motivation“ zitiert habe. Wer nie Betrieb in der Praxis übt, kann jahrelang, jahrzehntelang einer Chimäre hinterher laufen. Bis zum Tage der Ent-Täuschung.

Die „schlagartige Mutation“ vom Modellbauer zum reinen Betriebsmodellbahner kann im Einzelfall klappen, sehr wahrscheinlich ist das nicht. Dies ist der zweite Fehler des genannten Beispiel-Freundes. Ich erinnere, wie ich mit HFy auf der BAE II in Bremen bereits „Betrieb“ machte, als gerade mal der Abschnitt Sonneberg – Schlufterhütte – Schluft auf blankem Sperrholz betriebsfähig war. Da haben wir mit seinem T1 und meinem T 02 und einem halben Dutzend Güterwagen Zweizugbetrieb mit Kreuzungen und Wagenzustellung mit einem provisorischen Kartensystem durchgeführt und waren davon so angetan, dass wir mit vergrößertem Elan weiter gebaut haben.

Die BAE II ist auch als Ganzes in Betrieb gewesen. Mit vier Bahnhöfen und drei Fiddle Yards und bis zu vier Fahrpersonalen plus Zugleiter. Da war kein grundsätzlicher Fehler in der Konzeption zu entdecken gewesen, und Modellbahner, die an der Art von Betrieb Freude hatten, gab es genug.

Mit dieser Prämisse konnte ich an die Planung und den Bau der BAE III gehen. Die Konzeption der BAE II konnte voll übernommen werden, nur mit wesentlich weniger Kompromissen umgesetzt werden.

Dass sich

Zitat von jpachl
beim Erreichen des Ziels auf einmal Ernüchterung durch Langeweile und nachlassendes Interesse

einstellen, ist kein auf die Modellbahnerei beschränktes Phänomen. Das gibt es auch bei Erreichung von Weltmeisterschaften, Rumkriegen von Frauen oder Auswanderungen nach Australien. In allen Fällen liegt eine mangelnde Bewussheit von sich selbst vor, von seinen wahren Bedürfnissen, Zielen und seiner Mentalität. Das ist in der Jugend auch ganz in Ordnung, ein notwendiges Durchgangsstadium. Wenn aber der Schulentlassungstermin unserer Kinder näher rückt, wäre es gut, diese Bewusstheit, die eine Voraussetzung für Reife ist, weitestgehend erlangt zu haben.

Das Problem ist, dass es hierzulande keine ausgeprägte Kultur der Betriebs-Anlagen gibt, auf denen man Erfahrungen machen könnte. So erfindet halt jeder Einzelkämpfer die Welt der Betriebmodellbahnerei in seinem Kopfe neu, jeder fängt beim Punkt Null an, wie ein kollektiver Sysiphus, der immer wieder ganz unten anfangen muss.

Mein Traum wäre, dass sich das mal ändert.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

spreewaldbahner Offline



Beiträge: 29

13.07.2008 20:25
#18 RE: Sinn und Grenzen der Minimal-Rangierspiele antworten
Hallo Zusammen!
Heute möchte ich mich mal äußern. Ich habe eine bescheidene HOm-Anlage in Modulbauweise. Sie ist ganz einfach gebaut und ich habe viel Freude. Ein Endbahnhof mit Anschluß zu einem Sägewerk und einen einfachen Schattenbahnhof. Wenn ich Lust habe mache ich Betrieb und wenn ich bauen will, dann baue ich eben. Bei mir kommt eigentlich selten Lange Weile auf. Ich hatte auch mal viel Größeres vorgenommen, aber es wurde nichts daraus. Deshalb bin ich für einfache Anlagen,die auch mal fertig werden.
Noch etwas Anderes. Könnt Ihr auch Modellbahner,die sagen:Man müßte und sollte Dies und Jenes bauen? Aber nicht einmal anfangen.
Das wers erst mal für heute
Gruß Martin

Sebastian Offline



Beiträge: 31

13.07.2008 21:10
#19 RE: Sinn und Grenzen der Minimal-Rangierspiele antworten

Zitat von spreewaldbahner
Man müßte und sollte Dies und Jenes bauen? Aber nicht einmal anfangen.



Na klar kennt jeder die, und abschnittsweise war (ist?) man vielleicht auch selber einer.

Die beste Antwort hat HFy mal im Mittelpuffer gegeben:

"Wirklich langweilig ist nur keine Anlage."

Gruß
Sebastian

jpachl Offline




Beiträge: 50

13.07.2008 21:19
#20 RE: Sinn und Grenzen der Minimal-Rangierspiele antworten

Zitat von spreewaldbahner
Kennt Ihr auch Modellbahner,die sagen:Man müßte und sollte Dies und Jenes bauen? Aber nicht einmal anfangen.


Diesen Typ Modellbahner, der den Sprachfehler hat, nur im Konjunktiv reden zu können, kennt wohl jeder. Leider findet sich diese nervige Könnte-müsste-sollte-Fraktion in nahezu jedem Modellbahnclub. Hält andere mit Geschwätz von der Arbeit ab, kritisiert überheblich herum und kriegt selber nichts zustande. Auch in diversen Foren wimmelt es von diesen Typen.

Jörn


Rainer Offline



Beiträge: 39

28.07.2008 01:26
#21 RE: Sinn und Grenzen der Minimal-Rangierspiele antworten

Mal zurück zu der "schlagartigen Mutation vom fleißigen Modellbauer zum reinen Betriebsbahner". Wer das macht, hat sowieso etwas falsch gemacht. Gleich mit der Anlage anzufangen, die es dann für die nächsten 50 Jahre sein soll, klappt nicht.
In einem amerikanischen Buch über Anlagenbau habe ich den schlauen Rat gelesen, ersteinmal eine kleine Anlage zu bauen um auzuprobieren, was einem am meisten Spaß macht. Das war zwar auf den Unterschied zwischen "Fahr-" und Rangierbetrieb bezogen, führt in letzter Konsequenz aber vielleicht auch zu der Erkenntnis: sich auf Schienen bewegende Modelle machen gar keinen Spaß.
Es gibt bei unserem Hobby eben Modellbauer und Modellbahner. Ich gehöre zu den Modellbahnern. Ich baue eine Anlage um auf ihr Betrieb zu machen, und nicht um meine (Dampf-)Loks in eine entsprechende Umgebung zu stellen. Andere haben mehr Lust Modelle zu bauen und Landschaft zu gestalten. Zu welcher Spezies man selber gehört, sollte jeder herausfinden, bevor er eine Anlage als Lebenswerk in Angriff nimmt. Der Spruch "Eine Modellbahn wird nie fertig, und wenn, dann ist sie langweilig" stammt eindeutig von einem Modellbauer. Der könnte auch Schiffe oder Flugzeuge bauen. Von einer betriebsintensiven Modellbahnanlage sollte er die Finger lassen. Es gibt gute/schöne Beispiele für Anlagen, die extra so gebaut wurden, dass die Züge nur durch die Landschaft fahren. Bahnhöfe stören bei solchen Anlagen nur und wurden deshalb konsequent weitgehend vermieden. Gegenbeispiel ist das bis ins Kleinste detaillierte BW als Ort um die eigene Loksammlung zu zeigen. Auf einer Ausstellung habe ich mal so eine Anlage gesehen (und es wurde Betrieb darauf gemacht!).

Aber auch, wenn einer weiß, dass er einmal auf einer großen Anlage umfangreichen Betrieb abwickeln will, ist es motivierender klein anzufangen. Ein tollen Beispiel dafür ist Craig Bisgeiers Housatonic RR. Craig hat Großes geplant, aber schnell erkannt, dass der Berg zu groß ist. Also hat er mit einem Bahnhof angefangen und dann die Strecke nach und nach erweitert. Aber alles was er baut (mit seinen Mitmachern) hat seinen Platz in der großen Anlage. Und der Betrieb wächst mit. Es gibt also kein "plötzliches Erwachen".

Es ist eben wichtig, sich über die eigenen Wünsche klar zu werden und dann hat auch die "Platte", auf der zweigleisig im Kreis und eingleisig abgezweigt wird, ihren Sinn. Aber eben nur als Mittel um sich selbst zu finden und zu entwickeln.
Alle, die hier im Forum aktiv sind, sollten dieses Stadium bereits hinter sich gelassen haben.

Etwas sehr wichtiges hat Sebastian geschrieben: Je vorbildgerechter der Betrieb abgewickelt wird, desto mehr Zeit nimmt er in Anspruch und desto größer wird die Anlage in virtueller Hinsicht. Dafür muss man aber wissen, wie es geht.

Rainer

jpachl Offline




Beiträge: 50

28.07.2008 13:34
#22 RE: Sinn und Grenzen der Minimal-Rangierspiele antworten

Rainers Aussagen kann ich in jeder Hinsicht zustimmen. Dabei kommt allerdings die Frage auf, weshalb diese Methode, innerhalb des Modellbahnhobbys seinen Weg zu finden, in den einschlägigen (deutschen) Modellbahnzeitschriften und -büchern kaum empfohlen wird. Vielleicht liegt es daran, dass ein solcher, systemtisch vorgehender Modellbahner aus Sicht der Modellbahnindustrie kein optimaler Kunde ist.

Zitat von Rainer
Ein tollen Beispiel dafür ist Craig Bisgeiers Housatonic RR. Craig hat Großes geplant, aber schnell erkannt, dass der Berg zu groß ist. Also hat er mit einem Bahnhof angefangen und dann die Strecke nach und nach erweitert. Aber alles was er baut (mit seinen Mitmachern) hat seinen Platz in der großen Anlage. Und der Betrieb wächst mit.


Eine wirklich schöne Anlage mit einem überzeugenden Betriebskonzept.

In Antwort auf:

Je vorbildgerechter der Betrieb abgewickelt wird, desto mehr Zeit nimmt er in Anspruch und desto größer wird die Anlage in virtueller Hinsicht. Dafür muss man aber wissen, wie es geht.


Und daran hapert es leider oft. Unter vielen Modellbahnern gehört es mittlerweile zum guten Ton, fast jedes Ventil an einer Dampflok zu kennen, ein Blockfeld hingehen ist für die meisten schwarze Magie.

Jörn

fgee Offline



Beiträge: 118

28.12.2009 23:53
#23 RE: Sinnvoller Betrieb auf großen und kleinen Anlagen antworten

Zitat
windbergbahn schrieb:
Dass ich Fahrplanbetrieb mache, ist wohl ebenfalls landesweit bekannt, doch Otto zweifelt im E-Buch wie folgt: Die zentrale Frage lautet: Wie händelt ein einzelner Modellbahner eine Anlage mit einer zweigleisigen Hauptstrecke und einer eingleisigen Nebenbahn?" Otto, es geht! Ich habe auch nur allzu selten eine kundige Mannschaft zur Seite (...) Deshalb habe ich mich schon früh von solcherlei Mumpitz wie zeitgeraffte "Modellbahnuhren" etc. verabschiedet. Bei mir rückt die Uhr weiter, wenn die dazugehörige Zugfahrt abgeschlossen ist.



Beim Nachdenken über diesen Beitrag ist mir aufgegangen: Betrieb nach Fahrplan (aber ohne Uhr) ist DIE Lösung, um eine Hauptbahn mit abzweigender Nebenbahn "doch noch" sinnvoll zu betreiben. Der Fahrplan hilft, keine Zugfahrten zu vergessen.

Ich will damit nicht das Konzept "Hauptbahn mit abzweigender Nebenbahn" propagieren. Ich meine nur: Es gibt Hoffnung für alle, die eine solche haben!

Danke windbergbahn!

Felix

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