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Modellbahnanlagen
Planungs- und Design-Forum

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Dieses Thema hat 89 Antworten
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 III.1. Konzeptionelle Grundüberlegungen
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Hp Schreufa Offline



Beiträge: 104

13.02.2014 20:12
#46 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Gestern habe ich unfreiwillig ein Buch über Paradestrecken gefunden, dort gibt es "Anregungen zur geschickten Trassenplanung, damit die perfekte Illusion einer vielbefahrenen Hauptbahn nicht länger Wunschtraum bleiben muss". Die Quelle scheint der Einband des Buches "Paradestrecke" aus der märklin-Bibliothek zu sein. Keine Angst, ich werde das Buch nicht kaufen.

Harald.

OOK Offline




Beiträge: 3.658

13.02.2014 21:34
#47 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Zitat von Hp Schreufa im Beitrag #46
Keine Angst, ich werde das Buch nicht kaufen.
*Vor Erleichterung seufz*

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

Gilpin Online




Beiträge: 829

29.05.2014 19:08
#48 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Hi,
ich bin auch einer derjenigen, die diesen Thread zum Anlass genommen haben, sich anzumelden.

Zunächst: ich habe Paradestrecken immer seltsam gefunden, ohne recht sagen zu können, wieso – nun kann ich es. Einen Aspekt möchte ich aber ausbauen: Pfalzbahn schrieb, dass es in den USA scheinbar keine Paradestrecken gebe, und das wurde weiter ausgebaut. Erst kürzlich ist mir aber über die genannten Horseshoe-Curve-Anlagen eine weitere aufgefallen: die New York Central - Anlage im MR January 2014. Dort führt eine Hauptstrecke über mehrere Zungen, und sonst nichts, insbesondere kein Bahnhof. Immerhin: es gibt zwei kleine Anschlüsse, die eigentlich zu keinen großartigen Bewegungen beim Zustellen und Abholen von Wagen führen können, aber um solcherlei sicher zu bewältigen, muss doch ein gewisser Aufwand getrieben werden. Außerdem ist die Strecke teilweise viergleisig, sodass allein die Zugüberholungen in beiden Richtungen sehr viel Aufmerksamkeit erfordern.

Nur gilt auch hier: die Zugbildung findet in einem nicht gestalteten Bereich statt, der einschließlich Drehscheibe und umfangreichen Gleisanlagen eigentlich alle Elemente eines (Rangier-)Bahnhofs beinhaltet – hinter der anderweitigen Szenerie, an einem wahrscheinlich nicht sehr schönen Arbeitsplatz. Und das führt zu meiner eigentlichen Erkenntnis: eine reine Strecken-Anlage – und erst recht eine Paradestrecke – führt automatisch zu einem umfangreichen und komplexen Schattenbahnhof. Und dort findet dann das was wirklich spannend ist statt: im Dunkeln, auf sichtbarem Sperrholz, oder automatisiert mit irrem Elektronik-Aufwand.

Gilpin

Tf aD
Beiträge:

30.05.2014 12:17
#49 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Hallo,

vor einigen Jahren hat ein süddeutsches Möbelhaus, welches jeden Winter eine große Modellbahnschau präsentiert, die Anlage eines namhaften Schmalspurherstellers gezeigt. Auf der Anlage war das Landwasserviadukt dargestellt; links davon noch einige Meter Strecke. Man saß auf einer Bank und musste fast etwas nach oben schauen; also die Anlage wurde nicht in Vogelperspektive betrachtet. In beiden Bergen war dann wohl der Schattenbahnhof untergebracht, oder beide Streckenenden wurden unter der Anlage zusammengeführt. Ich wollte meinem Sohn die Nachteile einer solchen Anlage "ohne Betriebsstelle" und reiner "Paradestrecke" aufzeigen und wir machten es uns auf der Bank gemütlich und vesperten. Ich sagte ihm noch, dass wir den wiederkehrenden Zugablauf schnell erkennen werden und es dann langweilig wird. Tja und dann wurden wir eines besseren belehrt. Kein erkennbares Muster der verkehrenden Züge, ewig nicht der gleiche Zug - letztendlich haben wir uns an der Anlage am längsten von allen aufgehalten.

Mein Fazit: eine Anlage mit einer ordentlichen langen Strecke, auf denen man das Triebfahrzeug am Zug arbeiten sieht, hat was. Betrieblich im Modell am wenigsten störanfällig. Wie oft geht bei unserer kleinen Betriebsstelle was daneben. Kupplungen kuppeln nicht und müssen nachjustiert werden; aus Platzgründen sind einige Anschlüsse mit einem Radius versehen auf denen nicht alle Wagen gut kuppeln, Loks bleiben schon mal im Kriechgang stehen und brauchen einen Schups, und so weiter. Das Bremsen und Anfahren eines Personenzuges an der Bahnsteigkante von Hand mit dem Handregler, während der Spielpartner den Part des Fdl übernimmt, das ist was uns begeistert. Klare Aufgabenteilung Tf und Fdl.

Aus meiner aktiven Zeit als Tf sind einige Super-Acht-Filme erhalten. Keines zeigt mich beim Rangieren. Nur einer beim Aufrüsten einer Lok. Weitestgehend Streckenaufnahmen aus dem Führerstand vor stolzen Zügen auf landschaftlich reizvollen Strecken. Als wir die V60 und V90 an die Lokrangierführer abgeben konnten, war ich nicht traurig, auch wenn einige Tf gesagt haben, dass wir in Summe Leistungen verlieren. Und beim Auf-und Abrüsten von Loks ist das Geld sicher am einfachsten verdient, als wenn man viele Kilometer schruppt und hochkonzentriert sein muss. Daher hatte ich Verständnis gegen die Bestrebungen, dass die Tf nur noch an den abfahrbereiten Zug kommen sollen und alles andere von weniger qualifizierten Personal geleistet wird.

Ich bin ein Freund von Paradestrecken. Mein alter Chef Mehdorn hat natürlich hier eine furchtbare Sichtweise gehabt. Für ihn zählten nur Hauptabfuhrstrecken. Sein Vergleich war immer der eines Rosenstockes, bei dem man viele kleine Äste abschneiden muss, damit er sich in wahrer Pracht zeigen kann...

Zur Bahn gehört sicher beides!!!

Grüße
Micha

OOK Offline




Beiträge: 3.658

30.05.2014 20:13
#50 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Halo Micha,
deine Freude an der BEMO-Anlage kann ich gut nachvollziehen. Das könnte ich so auch genießen. Bei einer Ausstellung! Wenn ich mir aber vorstelle, ich hätte das Teil zu Hause und mein Modellbahnabend würde zum x-ten Male daraus bestehen, hier den vorbeifahrenden Zügen zuzuschauen, dann würde ich wohl bald abwinken.

Man darf auch nicht vergessen, dass der Hersteller aus dem Vollen schöpfen und eine beliebige Zahl von unterschiedlichen Zügen speichern konnte. Ich weiß, dass das für die Freunde von Paradestrecken kein Negativpunkt ist. Es geht ihnen ja gerade darum, die Fülle des vorhandenen Rollmaterials über die Strecke paradieren zu lassen. Insofern bleibt es also dabei, dass wir ideologisch reden. Oder volksnäher ausgedrückt: über Geschmack lohnt es sich nicht, zu streiten.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

eisenhans Offline




Beiträge: 376

31.05.2014 08:30
#51 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Ich glaube, ich habe diese Anlage auch mal irgendwo gesehen. In Dortmund vielleicht??? Es ging mir da wie Micha: macht einfach Spaß, da zuzusehen, wie immer neue Züge da über das Viadukt fahren. Aber auf einer Messe ist passives Schauen normal, zuhause im Keller wohl eher nicht, denkt sich

Der Eisenhans

Lutterberger Offline




Beiträge: 120

31.05.2014 11:54
#52 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Zitat von OOK im Beitrag #50
Insofern bleibt es also dabei, dass wir ideologisch reden. Oder volksnäher ausgedrückt: über Geschmack lohnt es sich nicht, zu streiten.
Das ist wohl so. Wer Paradestrecken braucht und liebt, braucht und liebt sie halt, dem kann man die auch nicht ausreden.
Ich verstehe aber, dass bei der Betriebsausrichtung, die in diesem Forum dominiert, Paradestrecke nicht so viel Sinn machen.

Es grüßt der Exil-Harzer
Lutterberger

Tf aD
Beiträge:

31.05.2014 20:34
#53 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Hallo,

es gibt eine Computersimulation eines ESTW in Norddeutschland. Mein Freund hat sich die geladen. Es ist unglaublich, wie manche sich damit stundenlang beschäftigen können virtuell Züge fahren zu lassen ohne einen einzigen Zug in Natura oder wenigstens im Modell zu sehen. Wahnsinn. Aber das Thema Bahn als Hobby kann eben viele Facetten haben.

Ich kann dadurch auch nachvollziehen, wenn jemand eine Anlage baut, auf der er ohne VIELE Ladestellen Modellbahnzüge nach Fahrplan fahren lässt, vorzugsweise eben auf Paradestrecken. Ganzzüge sind nun mal im Maßstab 1:1 die beliebteste Zugart geworden. Man will "Dritten" nicht mal mehr den Betrieb von Shorttracks nach amerikanischen Vorbild auf Ästen gönnen, die für die DB nicht mehr lukrativ sind. Die dort zusammen kommenden Waggons sind der DB nur Ballast.

So macht dann das angeblich beliebteste Anlagenthema der Deutschen, Bahnhof an einer Hauptbahn mit abzweigender Strecke, durchaus einen Sinn, wenn man lediglich umsetzen will, dass die Nebenbahnfuhre eben erst nach Halt des Eilzuges loslegt, und so weiter. Eyach, oder wie hier im Forum in der Modellumsetzung Eynach genannt, geht ja in die gleiche Richtung. Der Versuch allerdings Eynach mit so vielen Ladestellen auszustatten, geht an der Realität leider vorbei. So viel Wagenladungsverkehr gab es dort nie.

Für mich ist das Thema Hauptbahn mit abzweigender Nebenbahn allerdings nie von Interesse gewesen. Mittlerweile favoritisiere ich eine eingleisige Hauptstrecke ohne abzweigenden Schnick-Schnack, bei der im einzigen Durchgangsbahnhof auf der Anlage der Durchrutschweg nach den Asigs die Einfahrstraße der Gegenrichtung tangiert. Bei Kreuzungen muss also erst der erste Zug halten, dann kann der zweite einfahren. Erst nach dem der zweite ausgefahren ist und der Zugschluss dieses Zuges zweifelsfrei erkannt wurde, kann der erste weiterfahren. Das Alibi schlechthin, um im (analogen) Einmannbetrieb die Modellbahn vorbildgerecht zu händeln. Einige (wenige) Ladestellen lassen zusammen mit dem täglich verkehrenden Ng lebendig werden, was in Epoche 3 eben die Bahn noch ausmachte: Wagenladungs- und Stückgutverkehr. Betrieblich ist ein hochwertiger Zug gelegentlich gezwungen auf Kreuzung zu warten, der normaler Weise hier nicht halten würde. Die gute alte Zeit eben.

Die durchaus gut vorgetragene Argumentation hier im Forum bedingt mir persönlich jedoch zu oft "Lokalbahnkollorid". Bei mir muss es eben etwas mehr Hauptbahn sein und etwas mehr Paradestrecke.

Allen gute Fahrt, in welchem Maßstab auch immer.

Micha

OOK Offline




Beiträge: 3.658

31.05.2014 22:12
#54 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Hallo Micha, eine eingleisige Hauptbahn in H0 kann ich mir sehr gut vorstellen. Allerdings würde es mir mit einem einzigen Bahnhof doch zu eng, auch wenn dort häufig gekreuzt wird. Du bist in deinem Leben genug Lok gefahren und magst dich jetzt gerne im Stellwerkersessel flezen. Ich habe nur zwei Sommer lang Dampflok (600mm) gefahren und bin auf der Modellbahn halt gerne Lokführer. Die Modellbahn erlaubt mir, gleichzeitig Lokführer, also die Lok zu "fahren" und Fuzzy zu sein und ihr beim Fahren zuzuschauen.
Das mit dem Virtuellen lassen wir mal draußen, dafür gibt es ja eigene Foren.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

Tf aD
Beiträge:

01.06.2014 19:44
#55 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Hallo Otto,

einen zweiten Bahnhof bekomme ich einfach nicht gehändelt, so oft wie ich allein die Anlage bedienen muss/darf. Zur Zeit geht die Überlegung nach einem zusätzlichen Haltepunkt um mit den von Hand gesteuerten Personenzügen/Triebwagen wenigstens ein weiteres Bremsmanöver durchzuführen, bevor er von der Anlage verschwindet. Beschleunigen kann ja jeder, wenn es nicht gerade eine Dampflok ist...

Gute Fahrt wünscht

Micha

Maxl
Beiträge:

08.08.2014 17:07
#56 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Hallo Zusammen,

ich lese schon seit etwa einem Jahr hier im interessanten Forum mit.
Da ich die Definition der Paradestrecke hier noch nicht befriedigend finde, erlaube ich mir, eine alternative Definition vorzustellen:

Der Begriff "Paradestrecke" ist zusammengesetzt aus den beiden Worten "Parade" (Defilee, Vorbeimarsch) und "Strecke" (hier: Bahnstrecke, Gleis).
Auf unseren platzbeschränkten Modellbahnanlagen reicht der Platz oft nicht aus, um großzügige und vorbildgerechte Streckensituationen nachzubilden.

Definition: Die "Paradestrecke" ist ein auf der Anlage sichtbarer Streckeneabschnitt, der ausschließlich dem vorbeifahren ("paradieren") von Zügen dient und keine Betriebsstellen aufweist.

Es handelt sich also um eine reine "Strecke" auf der Züge verkehren und dabei beobachtet werden können, wie "Lokspäher" an Strecken des Originals standen und vorbeifahrende Züge beobachten.
Diese Strecke kann aber duchaus auch Betriebsstellen in einem Bahnnetz miteinander verbinden (wie beim Original), und somit eine betriebliche Funktion haben (nämlich die Verbindung).
Insofern ist [b]jede[/b] freie Strecke, die auf der Modellbahnanlage Betriebsstellen verbindet und [b]sichtbar [/b]ist, eine Paradestrecke, da sie geeignet ist, vorbeifahrende Züge während der Fahrt zu zeigen.

Davon zu unterscheiden sind z. B. "Schauanlagen", die lediglich aus einer Paradestrecke und ggf. einem Schattenbahnhof bestehen der rein den Zweck verfolgt, die Paradestrecke mit verschiedenen Zügen zu beleben. Diese Form der Anlage steht diametral einer Betriebsanlage gegenüber, die den Zweck verfolgt vorbildangenäherten Betrieb auf veschiedenen Betriebsstellen abzuwickeln (Bem.: und auch Parade[u]strecken[/u] enthalten kann).

Insofern entscheidet der Zweck einer Modellbahnanlage (Beschäftigung mit dem Betrieb oder Vorführung von Rollmaterial bzw. ansatzweise Nachbildung eines Hauptbahnstreckenabschnittes) über die Angemessenheit des Zieles einer Modellbahnanlage, ohne die eine oder andere Form zu deklassieren.

So kann es zum Beispiel zur Nachbildung eines Hauptbahnabschnittes auf einer Modellbahnanlage durchaus sinnvoll sein, eine reine Vorführstrecke "Paradestrecke" auch ggf. ohne betriebsstellen mit großem Zugspeicher für eine abwechslungsreiche Zugfolge auf dieser Strecke anzulegen. Ein vorbildgerechter fahrplanmäßiger Betrieb einer Hauptstrecke zwischen München und Frankfurt mit seinen zahlreichen und immer wieder abweichenden Zuggarnituren ließe sich sonst nicht mal ansatzweise darstellen.

Auch die hier im Forum in einem Strang befindliche Wuthenberg-Rhulinger-Eisenbahn von Peter (angelehnt an Wutha-Rhula) wird auf der nachgebildeten 2 gleisigen Hauptstrecke versuchen in irgendeiner Form einen angemessenen Verkehr dort nachzubilden, um den Anschluß der Stichbahn nach Rhulingen zu begründen. Einige Garnituren werden auf die Stichstrecke geleitet werden, aber es wird andere geben, deren Aufgabe lediglich sein wird, auf der Hauptstrecke zu "paradieren", um deren Eindruck als Hauptstrecke zu begründen (ggf. mit Halt in Wuthingen).

OOK Offline




Beiträge: 3.658

10.08.2014 11:15
#57 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Zitat von Maxl im Beitrag #56
Es handelt sich also um eine reine "Strecke" auf der Züge verkehren und dabei beobachtet werden können, wie "Lokspäher" an Strecken des Originals standen und vorbeifahrende Züge beobachten.
Diese Strecke kann aber duchaus auch Betriebsstellen in einem Bahnnetz miteinander verbinden (wie beim Original), und somit eine betriebliche Funktion haben (nämlich die Verbindung).
Insofern ist jede freie Strecke, die auf der Modellbahnanlage Betriebsstellen verbindet und sichtbar ist, eine Paradestrecke, da sie geeignet ist, vorbeifahrende Züge während der Fahrt zu zeigen.
Naja, wenn das so ist, dass ist die ganze BAE in meinem Keller eine einzige Paradestrecke (mal abgesehen von den paar kurze Tunnels). Sei's drum.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

Maxl
Beiträge:

10.08.2014 13:06
#58 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Zitat
Naja, wenn das so ist, dass ist die ganze BAE in meinem Keller eine einzige Paradestrecke (mal abgesehen von den paar kurze Tunnels). Sei's drum.



Zugegeben, diese Definition des schon lange existierenden Begriffs der "Parade"Strecke verwundert zunächst, insbesondere bei Anlagen, die viel Raum in Anspruch nehmen und deshalb großzügige Streckenentwicklungen aufweisen können, die diesen Namen auch verdienen.

Aber erinnern wir uns: Des Deutschen liebste Anlage war sehr lange Zeit eine Rechteckplatte von ca. 1,5 x 2,5 m. Waren Tunnelstrecken oder gar mehrere Ebenen vorhanden, beschränkte sich die sichtbare Gleisentwicklung i.d.R. auf den/die Bahnhöfe und die Kehrbögen am Anlagenrand. Für gr0ßzügige, geschweige denn lange Streckenentwicklungen, auf denen beobachtet werden konnte, wie Züge Entfernungen zurücklegen war darauf kein Platz. Insofern war eine reine "Paradestrecke" auf einer solchen Anlage durchaus eine Besonderheit, um nicht zu sagen ein planungstechnischer Luxus, der mit dem Verzicht auf andere betrieblich nutzbare Gleisentwicklungen erkauft wurde, insbesondere wenn die Paradestrecke landschaftlich glaubwürdig eingebettet sein sollte.

Maxl
Beiträge:

10.08.2014 13:20
#59 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Eine Strecke ist per Definitionem eine Verbindung zweier Punkte.
Rein betrieblich gesehen, könnte eine Strecke zwischen zwei Bahnhöfen sinnvoll sein, wenn sie eine (verdeckte) ggf. mit Timer gesteuerte Abstellmöglichkeit enthält. Zugfahrten könnten damit vorbildgerechte Zeiträume zwischen Anfangs- und Endpunkt umfassen. Im Vergleich dazu bietet die offene, sichtbare Strecke, die aber zum Original maßstäblich verkürzt ist, den Vorteil der Zugbeobachtung als "Parade"Strecke.

STBR Offline



Beiträge: 183

11.08.2014 00:35
#60 RE: Von Freud und Leid der Paradestrecke antworten

Ich möchte an dieser Stelle mal etwas "tiefer" greifen und die Frage aufwerfen: Was ist eigentlich eine Modellbahnanlage ? Für mich kann sie zum einen ein Funktionsdiorama sein. Zu dieser Kategorie gehören die Bemo-Messeanlagen, die Spessartrampe in Schöllkrippen, das Modell "Elmstein" in Schlüchtern oder die Gotthard-Nordrampe der Kölner. Diese Dioramen zeigen dem Betrachter einen Ausschnitt einer real existierenden Strecke und die darauf verkehrenden Züge (wenn man Glück hat in einer vorbildentsprechenden Abfolge). Das entspricht den Dioramen im Deutschen Museum in München, wo ich auf einen Knopf drücke und mir die Funktion z.B. einer Schleusse in Funktion gezeigt wird. Dies im Gegensatz zu Dioramen ohne Funktion (z.B. ein Ausschnitt der Völkerschlacht bei Leipzig, dargestellt mit 8000 Figuren in 1:72, gesehen vor ein paar Jahren in Dortmund).
Hier ist die "Paradestrecke" das dargestellte Objekt an sich, als Betrachter kann ich etwas lernen (wie sah es zu der und der Zeit dort aus, welche Züge mit welchen Fahrzeugen waren da unterwegs)und mich am (hoffentlich excellenten) Modellbau erfreuen. Aber: Das Ganze gehört für mich eher in's Museum!
Denn im heimischen Keller kenne ich das Alles ja schon! Ich habe mich mit Strecke, Fahrzeugen, Fahrplänen intensiv befasst, mein möglichstes bei Bau und Ausgestaltung gegeben und führe mir das dann selbst vor ??

Oder aber: Ich muß mir immer wieder "was Neues kaufen" (was die Industrie erfreut)um vor der Paradestrecke nicht irgendwann einzuschlafen.

Als eingefleischter FREMOikaner sehe ich eine Modellbahnanlage eher in der Kategorie "Sportgerät oder Sportplatz" eingeordnet, d.h. ich baue mir etwas mit dem ich mich, am besten mit den Kumpels, aktiv beschäftigen kann. Mit meinen Fahrzeugen befasse ich mich, als notorischer Selbstbauer, mehr als genug (und kenne sie dann auch gut genug, um sie mir nicht in Endlosschleife selbst vorführen zu müssen), und auf bewundernde Kommentare ("wie süüüss!!") der bucklichten Verwandschaft kann ich auch gut verzichten!

Vielmeht scheint mir der tiefere Sinn der "Paradestrecke" (und der damit verbundene "Zugspeicher")dem "Haste was, biste was" der Wirtschaftswunderzeit zu entspringen. Wenn man davon ausgeht daß die Modellbahnerei vor Einführung der Spur HO in den 30er Jahren nur in den großen Spurweiten, von (finanziell) privilegierten Menschen und temporär (Weihnachten) auf dem Fußboden betrieben wurde, und dann meist "von der Küche durch den Flur, den Salon, in's Esszimmer),kommen in Deutschland die altbekannten "Platten" erst in den beengten Verhältnissen der Nachkriegszeit auf und in den 60er Jahren zur Blüte. Und da galt es natürlich zu repräsentieren "was man sich leisten" konnte (Wenn man sein Geld schon in solch einen Kinderkram und nicht in's nächstgrössere Auto investierte).

Der kulturelle Unterschied zum angelsächsichen Raum scheint mir darin begründet, daß man dort den Betreibern skurriler Freizeitbeschäftigungen (gleich welcher Art) mehr Toleranz und gesellschaftliche Anerkennung entgegenbringt und daher dort mehr Wert auf's Wesentliche einer Modellbahnanlage gelegt werden kann, ohne solch dämlichen Fragen wie: "wie groß ist Deine Platte, wieviele Lokomotiven hast du" etc. durch das "Paradieren-lassen" einer mittleren Altersversorgung in z.B. 1:87 entgegenwirken zu müssen.

Auch die (Militär-) Parade als solche soll ja nur dem Nachbarn zeigen "wo der Hammer hängt", das ist m.E. für einen Modellbahner, der selbstbewusst zu seinem Hobby steht, verzichtbar!

Nix für ungut!
Stefan

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