Wie ist das denn bei der grossen Bahn? Weil, wenn wir auch bei der Anlagenplanung vorbildgerecht sein wollen dann ist die Reihenfolge nicht: Erst bau ich mir eine Anlage, dann knoble ich einen Fahrplan und dann mache ich Betrieb. Sondern genau umgekehrt! Zuerst sind die Transportbedürfnisse der Kunden. Daraus ergibt sich eine Anzahl zu führender Züge. Diese benötigen Fahr- und Umlaufpläne. Und aus diesen wiederum ergeben sich die Kreuzungspunkte und Anzahl Bahnhofsgleise.
Oder konkreter: Die Kunden (z.B. Zürcher Verkehrsverbund ZVV) bestellen Transportleistungen. Daraus erarbeiten die Fahrplanplaner den Fahrplan für das nächste Jahr. Und wenn der nicht aufgeht, muss die Infrastrukturabteilung die Anlagen anpassen: Hier noch eine Kreuzungsstelle, da verkürzte Signalabstände, dort ein zusätzlicher Spurwechsel etc.
Das Vorzeigebeispiel hierfür ist die nur 40km lange Schnellfahrstrecke zwischen Bern und Zürich. Diese ermöglichte, den 1982 eingeführten Taktfahrplan ("jede Stunde ein Zug") zum schweiz-weiten Systemfahrplan ("jede Stunde überall gute Anschlüsse") zu erweitern. Aber der Systemfahrplan wurde nicht verwirklicht, weil die Schenllfahrstrecke gebaut war - sondern umgekehrt! Zuerst war die Idee, wie der Betrieb laufen soll. Daraus entstand dann das Bauprojekt.
Wer heute Phoenix geschaut hat, oder im Internet meinetwegen auch beim SWR, der hat heute ien Beispiel vor Augen geführt bekommen, wo die große Bahn zuerst plant (und zwar den Bahnhof und die ANzhal der Gleise und Weichen bis ins Detail) und sich dann den dazu passenden Betrieb dazu überlegt...
Das hat mich sehr an die Diskussionen hier im Forum erinnert.
Der Einwand, beim Vorbild müsse angepasst an den Bedarf geplant werden und beim Entwerfen von Modellbahnen sei analog zu verfahren, entbehrt nicht einer gewissen Logik. Letztlich ähnelt das aber dem Ansatz, erst ein Gelände zu bauen und dann zu schauen, wie man eine Modellbahn hindurchbauen kann.
Fakt ist: gegenüber der großen Bahn haben wir den Vorteil, dass nichts da oder gegeben ist - wir dürfen (und müssen) uns alles selbst ausdenken. Das macht die Sache nicht unbedingt einfach, lässt aber jedenfalls Raum für Spinnereien.
Ich persönlich finde den Ansatz gut, sich erstmal zu überlegen, was man eigentlich alles gerne zum Spielen hätte, sich dann zu überlegen, wie man die Spielsachen zueinander positioniert und schließlich per Frachtaufkommen, Fahrplan etc. abzuprüfen, ob das alles so funktionieren kann. (Genau genommen ist das ja exakt der von dir postulierte Ansatz: man hat betriebliche Ideen und sucht dann nach Wegen, die Ideen zu realisieren.)
Ja, man sollte meinen, dass dieser Ansatz vorbildgerecht sei. Anscheinend macht man es in Stuttgart aber gerade andersrum. Dort macht man zu geplanter Infrastruktur betriebliche Konzepte und Fahrpläne und merkt, dass das Ergebnis suboptimal ist. Anstatt den richtigen Weg zu gehen, geht das Vorbild nun auch mal den Weg des "Modelleisenbahners".