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Modellbahnanlagen
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für vorbildgerechten Modellbahnbetrieb

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Dieses Thema hat 20 Antworten
und wurde 2.113 mal aufgerufen
 III.1. Konzeptionelle Grundüberlegungen
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Michael_hbbg Offline




Beiträge: 63

14.12.2009 20:38
Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

im amerikanisch-sprachingen Forum der Layout Design SIG
http://groups.yahoo.com/group/ldsig/message/81616
läuft im Moment ein Diskussions-Stream, der unter Anderem davon handelt, was passiert, wenn kulturelle Unterschiede beim Anlagendesign auftreten.

Z. B.:
* was passiert, wenn Iain Rice (Engländer) US-amerikanische Anlagen entwirft (Iain Rice hat mehrere Bücher bei Kalmbach (USA) verlegt, und -staun- die US-Leute sagen: klasse + Obacht (das ist Fränkisch und bedeutet: ACHTUNG)!!

Außerdem geht es in diesem Stream um "Layout Design Books"

Michael

HFy Offline



Beiträge: 466

14.12.2009 21:31
#2 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

In der Tat, seit der Kontinentalverschiebung hat sich die Modellbahnerei in den verschiedenen Erdteilen (Amerika, Europa, Großbritannien) völlig unterschiedlich entwickelt. Die Einteilung des Experten aus Herdecke (Westf.) erscheint mir schlüssig, wenn ich auch zu Japan nichts sagen kann. Ich hatte schon so eine leise Ahnung davon, als ich anfangs der Achtziger meine ersten Hefte des Model Railroader und der Loco-Revue kaufte. Zwar wird damals die durchschnittliche französische Anlage nicht viel besser ausgesehen haben als die durchschnittliche deutsche, aber die LR verstand sich als moralische Anstalt und war für britische und amerikanische Einflüsse weit offen.
Jugendliche etwa bis dreißig werden sich kaum vorstellen können, wie vor dreißig Jahren die Modellbahnwelt aussah. Hünerbein in Aachen war das einzige mir bekannte Modellbahngeschäft, das ausländische Zeitschriften führte (nämlich die beiden erwähnten). Modellbahnbücher aus dem Ausland waren gar nicht oder nur unter unnennbaren Leiden zu ergattern. Bis vor etwa zwanzig Jahren schmorte ein jeder im eigenen Saft; dann kamen im Abstand weniger Jahre die Auflösung des Ostblocks, der Kanaltunnel, das Internet, das Schengener Abkommen und der Euro. Mit einem Mal saß niemand mehr auf einer Insel, auch die Briten nicht, wenn auch einige von ihnen das noch glauben.

Herbert

Michael_hbbg Offline




Beiträge: 63

14.12.2009 22:20
#3 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

ja, Herbert:

ich habe vor langer Zeit eine Notiz in der MIBA gefunden, in der das Buch von Linn Westcott "Model Railroading with John Allen" begeistert besprochen wurde. Und nicht nur das: man konnte das Buch direkt bei der MIBA bestellen. Das habe ich sofort beim Lesen getan -damals musste man noch einen echten Brief schreiben-.

Und ich war begeistert, als das Buch ankam. Übrigens: für dieses Posting habe ich es mir extra aus dem Regal geholt: eine klasse und -auch für heutige Verhältnisse faszinierende- Anlage.

Als ich dieses Buch las, bekam ich den zweiten Eindruck vom vorbildgerechten Modellbahn-Betrieb.
Meinen ersten, und den von da an sofort nachhaltigen, erhielt ich durch Herbert Eisenreichs 1968 erschienenes Buch "Große Welt auf kleinen Schienen"

Michael

OOK Offline




Beiträge: 3.597

27.11.2013 13:00
#4 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Irgendwie ist das Strangthema "Kulturelle Einflüsse auf das Anlagendesign" gleich zu Anfang in allerlei netten Anmerkungen untergegangen und daher noch lange nicht ausdiskutiert. Hierher würde übrigens sehr gut das an anderer Stelle diskutierte Thema der Paradestrecke passen. Da habe ich auch schon etwas zu kulturellen Einflüssen gesagt. Da gibt es sicher noch mehr zu sagen. Nur her damit.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

HFy Offline



Beiträge: 466

29.11.2013 21:52
#5 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Im Sinne eines erweiterten Kulturbegriffs könnte man auch die Einflüsse der Modellbahnindustrie und-presse auf die Modellbahnerei untersuchen. Schon daß die MIBA wiederholt schrieb "das Vorbild ist das beste Vorbild" (oder so) zeigte schon, daß bei uns etwas schiefgelaufen war. Weder in den USA noch auf den feuchten Inseln unter dem Winde hätte man das eigens betonen müssen. Bei uns konnte es passieren, daß eine Anlagen "irgendwo in Deutschland" (also nirgendwo) angesiedelt sein sollte, während die Briten bei ihrem "Great Western country terminus" (der zeitweise eine Landplage gewesen sein soll) zumindest wußten, daß er irgendwo westlich von London sein mußte. In den USA gibt es womöglich "irgendwo"; ich war zwar nie dort, habe mir aber sagen lassen, daß "das Stück in der Mitte" überall ziemlich gleich aussieht. Dennoch oder deswegen versuchen viele Amerikaner, jedenfalls den amerikanischen Zeitschriften nach zu urteilen, eine bestimmte Bahn oder einen bestimmten Landstrich nachzubilden. Das mag an der besseren Vorbildkenntnis liegen, oder kommt die Vorbildkenntnis vom größeren Problembewußtsein? Obendrein findet man dort, wo es keine Staatsbahnen gibt oder gab, durchaus supporters der einen oder anderen Bahn. Wenn ich mich da richtig erinnere, schrieb John Armstrong einmal, daß die Anhänger der Great Western ebensowenig Spaß verstünden wie die der Pennsylvania Railraoad. Das bringt mich zu dem britischen Eisenbahnpionier, der anno 1944 in Italien landete und nach Besichtigung der Ferrovie dello Stato konstatierte: "Sie machen es anders als die Great Western". Ich habe nie verstanden, warum die Franzosen ihre Pioniereinheiten ausgerechnet "génie" nennen.
In Epoche V (oder sind wir schon bei Epoche VI) fällt es vielleicht schwer, einen Bahnhof in Bayern von einem in Schleswig-Holstein zu unterscheiden, Birken sehen schließlich überall gleich aus. Gehen wir ein paar Meter vom Bahnhof weg oder ein paar Jahrzehnte in der Zeit zurück, dann werden wir aber den Unterscheid nicht mehr übersehen können. Oder doch? Es gibt ja Leute, die das württembergische Stellwerk neben das preußische Empfangsgebäude stellen, und das mit ebensolchem Aplomb wie die Bahn AG, die da eine Verspätung mit Laub auf den Gleisen erklärt.
Deutschland war sicher einmal führend in der Modellbahnindustrie,ist aber bei der Modellbahn eher eine verspätete Nation. Sicher gegenüber Großbritannien (den Model Railway Club in London gibt es seit 1910!) und den USA und wohl auch gegenüber Frankreich und den Niederlanden.

Herbert

OOK Offline




Beiträge: 3.597

23.10.2015 17:51
#6 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Da ich mich schon wiederholt als Oberstranghocholer verdient gemacht habe (und immer noch auf die dafür eigentlich fälligen Lorbeeren warte ), versuche ich es gleich noch einmal mit diesem hier.
Das Thema heißt Kuturelle Einflüsse, ohne dass irgendjemand definiert hätte, was darunter zu verstehen ist. Geht aber auch ohne.
Was mir schon öfter durch den Kopf gegangen ist: Hätte sich die deutsche Modellbahnerei vielleicht irgendwie anders entwickelt, wenn die erste richtige Modellbahnzeitschrift nicht im romantischen Franken gegründet worden wäre, sondern in so genannten kühlen Norden, in Hamburg etwa oder in Bremen?

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

Fischkopp Offline




Beiträge: 277

23.10.2015 19:55
#7 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Ich denke, dass das absolut der Fall gewesen wäre,
denn die Auswirkungen des "romantischen Franken" spürt man selbst in diesem Forum:
Wie weit sind wir denn zum Beispiel bisher im Industriebahnstrang nebenan gekommen?
Mannheim, Plettenberg, der Freie Grund. Das (geographisch)höchste der Gefühle war
noch Hamburg-Ottensen. Und was kommt da drüber? Dänemark?
Wer in Franken so vor sich rumschreibt, könnte das fasst denken....
Aber jetzt mal etwas weniger ernst, ich denke, dass ein Hamburger Redakteur viel
früher auf den Trichter mit dem Rangieren gekommen wäre, einfach, weil ihm das in
einer Hafenstadt viel häufiger, vielfältiger und atmosphärisch dichter begegnet
wäre als in Franken. Wobei das auch hätte passieren können, wenn der Verlag im
Pott gesessen hätte.
So oder so wäre es vielleicht eine bessere Modellbahnwelt geworden, wahrscheinlich
mit dem Branchenprimus "MAPUD-Magazin".
Wer weiß?

HFy Offline



Beiträge: 466

23.10.2015 20:44
#8 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

"Nämberch" ist allerdings auch eine Groß- und Industriestadt; ein Zusammenhang mit dem Erscheinungsjahr der ersten MIBA wäre auch denkbar. Die Fünfziger Jahre, die wir mit der Währungsreform beginnen lassen dürfen, waren in mancher Hinsicht eine gesellschaftliche und ästhetische Restaurationsepoche. In Großbritannien, den USA und Frankreich gab es damals schon eine Modellbahnpresse, während es in Deutschland an einer Zeitschrift mit konsequenter Auflage noch fehlte. Nach dem "Dritten Reich", das nicht nur die deutschen Großstädte als Trümmer hinterlassen hatte, richtete sich der Blick auf das zweite oder das erste, wobei Deutschlands große Zeit (1920-1932) weitgehend übersehen wurde. Weder die Trümmer noch die Wiederaufbau-Architektur reizten zur Nachbildung, und der baukünstlerische Wert der Industriearchitektur mußte erst noch entdeckt werden - auch den Anhalter Bahnhof hat man ja abgerissen, wie so vieles andere. Hinzu kam wohl noch, daß die Öffentlichkeit außer auf Bahnhöfen wenig vom Vorbild sehen konnte. Während in Großbritannien die "Enthusiast" von den Eisenbahngesellschaften empfangen wurden und sogar auf der "footplate" mit der Stoppuhr Aufstellung nehmen durften, machte man dem verstorbenen Gerhard Moll - immerhin Eisenbahner - noch in den sechziger Jahren Schwierigkeiten, wenn er mal in einem Bw fotografierte, in dem er dienstlich zu tun hatte. Von der "Reichsbahn ohne Reich" ganz zu schweigen, wo Anschauen verboten war.

Herbert

Lutterberger Offline




Beiträge: 120

23.10.2015 21:41
#9 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Ich glaube auch, dass Nürnberg bzw Franken als publizistischer Zentralort der Modellbahnerei in D dazu geführt hat, dass auf den Anlagen in diesem unserem Lande viel zu viel Romantik herrscht, zuviel Niedliches und Hübsches. Wäre dieser Zentralort beispielsweise Dortmund oder Duisburg gewesen, wäre möglicherweise mehr das derb Alltägliche des Eisenbahnbetriebes in den Vordergrund gerückt. Weniger hübsch und mehr funktional. Eisenbahnen sind Arbeitstiere und dazu geschaffen, Leistung zu erbringen, nicht um hübsch zu sein und das Auge zu erfreuen. Jedenfalls nicht in erster Linie.

Es grüßt der Exil-Harzer
Lutterberger

HFy Offline



Beiträge: 466

23.10.2015 22:09
#10 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Nun, das Eisenbahn-Magazin kam seínerzeit aus Düsseldorf. Die Nähe zum Pott hat aber nicht geholfen.

Herbert

Pfalzbahn Online




Beiträge: 1.524

23.10.2015 22:15
#11 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Ich denke das eher die Historie als die Geographie zu dieser Entwicklung geführt haben! Der Nachkriegsdeutsche hat sich nach dem Schrecken des Krieges in die heile Modellbahnwelt geflüchtet. Interessant ist da in den ersten Miba Ausgaben John Alles Anlage, übrigensten auch eine Gebirgsanlage, vom Landsschafbau im Focus stand! Das betrieblich John Allen ein Vorreiter war in denen in Nürnberg damals völlig entgangen!
Apropos Nürnberg: In Deutschland hat es nie wirklich eine Trennung zwischen Spielzeug- und Modelleisenbahnen gegeben, wie sie damals in der USA, in den 50er, stattfand, als die GIs ihre Brassmodelle aus Korea mitbrachten.

Grüße Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

HFy Offline



Beiträge: 466

23.10.2015 22:48
#12 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Übrigens war John Allen auch bei der Schmalspur ein Vorreiter. In Frankreich kam er ebenfalls zunächst als Landschaftsbauer ins Blickfeld, aber die Franzosen haben das Beste daraus gemacht. Oh pardon, Jacques Le Plat, der den Begriff "modélisme d'atmosphère" in Umlauf brachte, ist Belgier.

Herbert

eisenhans Offline




Beiträge: 376

25.10.2015 21:26
#13 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Zitat von Pfalzbahn im Beitrag #11
In Deutschland hat es nie wirklich eine Trennung zwischen Spielzeug- und Modelleisenbahnen gegeben, wie sie damals in der USA, in den 50er, stattfand, als die GIs ihre Brassmodelle aus Korea mitbrachten.
Ich meine, dass diese Trennung schon früher stattfand, als man anfing z.B. bei Spur 0 (und später auch bei Spur S) zu unterscheiden zwischen Tin Plate oder High Rail einerseits und "scale models" andererseits. Wurde auch so benannt und es gab beide Varianten vom gleichen Hersteller. Manche Marken bleiben aber bei High Rail, wie z.B. Lionel. Erinnert sich

Der Eisenhans

OHE Offline



Beiträge: 39

27.10.2015 14:29
#14 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Hallo Allerseits

Wenn denn diese Modellbahnzeitschrift aus dem Norden sich regional orientiert hätte, so dominierten in deren Publikationen sicher Hauptbahnverkehre mit schweren Güterzügen und Personenfernverkehr. Die Seehäfen mit ihrem Frachtaufkommen gäben genug entsprechende Vorbilder her, ebenso der Verkehr vom und zum Ruhrgebiet. Als Bauwerke fänden sich im wesentlichen Neubauten, da die nordeutschen Großstädte im Krieg im Grunde genommen vollständig zerstört worden waren. Die Landschaft wäre eine Ebene und von großen landwirtschaftlichen Flächen geprägt. Nebenbahnen sind bereits stillgelegt oder sie werden es demnächst, ebenso wie die Güterbahnhöfe "auf dem Lande".

Demnach wäre die Vorbildsituation geprägt durch lange, gerade Strecken in der Ebene mit entsprechend langen Durchgangszügen.

Ich weiß wirklich nicht, wie man eine solche Vorbildsituation "an den Mann bringen" soll, wenn das häusliche Wohnumfeld eher durch akuten Platzmangel geprägt ist. Insofern hätte eine derart orientierte Modellbahnzeitschrift vermutlich zu dem Zeitpunkt am Markt keinen Bestand gehabt.

Viele Grüße
Andreas

Boscho Offline




Beiträge: 293

27.10.2015 20:14
#15 Norddeutschland ist nicht nur flach, verfügt(e) jedoch antworten

Gell - du wohnst nicht in Norddeutschland, oder? Ich hab das nämlich ganz anders in Erinnerung.

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