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Dieses Thema hat 20 Antworten
und wurde 2.113 mal aufgerufen
 III.1. Konzeptionelle Grundüberlegungen
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Thomas Englich Offline




Beiträge: 267

31.10.2015 18:44
#16 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Hallo ...

als in Norddeutschland aufgewachsener, lebender (oder besser noch wohnhafter) und bekennender Bürger und Eisenbahnfreund ...

... bin ich mir nicht wirklich sicher ob ein Fachzeitschriften-Standort in Norddeutschland wirklich soooo viel verändert hätte. Einerseits gebe ich Hfy recht, der ja das Em angeführt hatte, zum anderen gab es ja tatsächlich auch einige wenige Zeitschriften die tatsächlich aus Norddeutschland kamen, wie die des Zeunert Verlages.

Zum anderen gab und gibt es im Norden nicht wenige Eisenbahnfreunde, die es sehr nach Süddeutschland zog und zieht, wie es auch bei mir der Fall ist/war. Wie es immer im Leben ist, der Bayer z.B. erfreut sich am plattdeutschen Strand, der Nordeutsche wiederum sehnt sich nach Bergen, Hügeln und dem typischen Fachwerk.

Vergessen sollte man auch nicht, das das Eisenbahnmuseum in Nürnberg, verbunden mit den Archiv dort, früher die Eisenbahnhistorik in Bayern doch um einiges leichter machte. Ich kann mich gut an die Zeiten in den 80er Jahren erinnern, als man oft nur wenig über norddeutsche Nebenstrecken wusste, bzw. es sehr schwierig war dazu umfassende Erkenntnisse in Erfahrung zu bringen. Erinnert sei auch an die legendären Bücher aus dem Bufe-Fachbuchverlag, der die Eisenbahnen in Bayern erst so richtig populär machte. Etwas vergleichbares über anderen Regionen in Deutschland gab es seinerzeit nicht! Das hat sich erst in den letzten Jahrzehnten etwas geändert, auch weil private Sammler ihre (wenigen) Archive geöffnet haben. In Bayern und Baden-Württemberg ist da wesentlich mehr auch in große (staatliche) Archiv-Sammlungen geflossen. Da war man in Norddeutschland leider früher wesentlich schludriger - und so ist leider vieles verloren gegangen!

Mir selber hat damals erst ein gewisser Herr Wolff die Augen geöffnet, mit seinen "Bahnhöfen nordwestdeutscher Kleinbahnen" - ein kleines fast unscheinbares Heftchen aus dem Zeunert Verlag, welches Bahnhöfe mit Bildern und Gleisplanskizzen vorstellte. Ohne dieses wäre ich wohl wesentlich später auf die zahlreichen Kleinbahnen in Norddeutschland aufmerksam geworden. Dabei haben diese sooo viel zu bieten! Das habe ich damals dann auch entdeckt - und so kamen zu den bayrisch/fränkischen Nebenbahnen auch die norddeutschen Privatbahnen hinzu und die wenigen Nebenstrecken der DB. Denn das gehört auch dazu: In Bayern gab es nun mal wesentlich mehr staatliche Nebenstrecken als in Norddeutschland, da waren es eben mehr die Privatbahnen, die man aber erst mal entdecken musste!

Was ich mir aber gut vorstellen kann, ist das man wesentlich mehr nach Angelsachsen geblickt hätte. Die englische Modellbahnszene hat hierzulande nur wenig Anhänger. Anlagen die nach ähnlichen Kriterien gebaut wurden (oder werden) sind zwar etwas mehr geworden in den letzten Jahren, aber doch noch immer in der Minderzahl. Ich selber habe auch erst in den letzten Jahren diese Szene mehr schätzen gelernt. Es gibt soviel wundervolle Anlagen dort ... die man leider nur sehr selten in deutschen Foren sieht. Von deutschen Modellbahnern die sich eines englischen Vorbildes annehmen mal ganz zu schweigen ... warum eigentlich ist das so??? Amerikanische Anlagenthemen sind hierzulande viel zahlreicher, warum eigentlich? Auch Otto und ein paar andere hier im Forum singen ja gerne das "hohe Lied" der amerikanischen Modellbahnphilosophie. Denn rein vom Platz her wäre doch die englische Art der Modellbahnerei doch eher was für die meist platzbeschränkte deutsche Modellbahnerei, als die der Amerikaner (deren Platz möchten man oft gerne mal haben möchte) ... ;-)

Hier nur mal ein Beispiel für 'the english way of modelrailroding' - um es mal in englischdeutsch zu forumlieren:
RMweb - Entstehung, Bilder Modell Outwell Village
Wikipedia: Wisbech and Upwell Tramway
Homepage zur Wisbech and Upwell Tramway
Bilder und Fotos zur OUTWELL UPWELL TRAMWAY

Sowas finde ich toll! Reduziert und dennoch so schön in der Wirkung wie auch im Betrieb. Anderen Beispiele lassen sich sicher noch mehrere finden.

Gruß Thomas

Meine Webseite:
www.lokalbahn-reminiszenzen.de

HFy Offline



Beiträge: 466

31.10.2015 21:43
#17 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Man darf nicht unterschätzen, wie sehr auch in Europa bis vor etwa 25 Jahren alles noch im eigenen Saft schmorte. Mein Modellbahnhändler führte als vermutlich einer von wenigen in Deutschland den Model Railroader und die Loco Revue sowie den Eisenbahn-Amateur. Das war's mit dem Ausland, aber für damalige Begriffe war das schon eine Menge. Meine erste britische Eisenbahnzeitschrift kaufte ich mir dann im Lande selber; inzwischen führt Ludwig im Kölner Hauptbahnhof ein halbes Dutzend davon, dazu französische, italienische, spanische und amerikanische.
Was nun die britischen Bahnen anbelangt, haben sie trotz teils größerer Maßstäbe (1:152, 1:102, 1:76; 1:43,5, 1:30,5, 1:19) den Vorteil eines kleineren Lichtraums und sehr viel kompakterer Bahnhöfe. Ein britischer Normalspur-Güterwagen ist nicht immer größer als ein kontinentaler Meterspur-Güterwagen. Die Landesnatur (außer East Anglia ist nichts wirklich flach) und die angespannten Finanzen der Aktiengesellschaften verhinderten, daß sie mit dem Platz so wüteten wie etwa die KPEV, die um die vorige Jahrhundertwende riesige "Centralbahnhöfe" und "Rangirbahnhöfe" errichtete und auch kleinen Landstationen Gleise mit dreihundert oder fünfhundert Metern Länge bescherte, jedenfalls wenn sie nahe genug am "Erbfeind" lagen. Ähnliches gilt für so manches andere europäische Land, wo staatliche (oder halbwegs staatliche wie etwa in Frankreich) Bahnen ganze Häuserzeilen niederlegen konnten, wenn ein Bahnhof zu klein geworden war.

Herbert

Friedrich aus O Offline



Beiträge: 38

03.11.2015 20:36
#18 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Moin Leute

Ein Modellbahner, vor allem ein Vorbild orientierter, hat ein Problem. Er hat grundsätzlich zu wenig Platz.
Ein Norddeutscher Bahnhof hat vor allem eines: Platz genug! Dazu ist er in der Regel schnurgerade und außer dem obligatorischen „Hausbaum“ am EG nichts, was man zum Tarnen überflüssiger Gleise einer „Spielbahn“ nutzen könnte.
Wenn man dann noch bedenkt wie die „Platte“ einer Spiel(Modell)bahn in den 50er ausgesehen hat, braucht man sich nicht zu fragen weshalb es so aussieht wie es ist.
Den Luxus an „Wohnraum“ den wir heute zur Verfügung haben gab es zu Beginn ebenfalls nicht, also musste immer getarnt werden und da hilft immer: ein Berg. Und den… Freunde, den gibt es nun mal nicht im flachen Land.
Ich glaube nicht, dass das anders gewesen wäre, wenn die Redaktion z.B. der MIBA in Hamburg oder Bremen gestanden hätte. Bei den Mitarbeitern, da denke ich an MM (Meinhold) aus Kiel, waren durchaus Norddeutsche vertreten.

meint Friedrich

Fischkopp Offline




Beiträge: 277

04.11.2015 18:47
#19 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Naja, auch in Schleswig-Holstein gibt es Wälder (auch Bahnhöfe direkt an solchen) und zum Beispiel in der Holsteinischen Schweiz genügend Hügel, die tiefe Einschnitte bedingen und Seen, die in sehr engen Kurven umfahren werden müssen. Dithmarschen ist nicht alles!

STBR Offline



Beiträge: 183

09.11.2015 17:55
#20 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Hallo zusammen,

kann dieser Unterschied nicht auch an einer pragmatischeren Sicht- und Herangehensweise an Aufgabenstellungen liegen ?
Bei den Kollegen über dem großen Wasser habe ich immer den Eindruck sie sehen eine Bahnlinie, Betriebssituation oder Location, überlegen wie sie das Gewünschte sinnvoll und ihren Möglichkeiten entsprechend stauchen können und bauen es dann.
Aber eben auch nicht mehr!

Hierzulande stehe ich oft (fassungslos) vor Anlagen die mit "tiefsinniger Bedeutung" geradezu überladen sind. Man stellt nicht einfach das dar was ist oder war, sondern was sein sollte oder könnte. Stellenweise habe ich den Eindruck daß hier Lebenswünsche und -träume im Kleinformat zur Schau gestellt werden. Mit Modellbau im eigentlichen Sinne hat das eigentlich nichts mehr zu tun (siehe MiWuLa in HH).

Schlägt hier Deutschland als Geburtsland der Romantik durch (es gibt auch Industrieromantik) oder steht hier der überwiegend realistische Protestantismus unserer angelsächsischen bzw. niederländischen Freunde einem eher wundergläubigen Katholizismus (von der Nordsee zu den Alpen auf 2 qm) gegenüber ?

Auch die (Selbst)sicht des Modellbahners hierzulande ist eine eher schwammige. Der US/UK-Modellbahner reiht sich nahtlos bei den Militär- und Dioramenbauern ein (In England gerne auch mal in historischer Kombination, 1:72 ist nicht umsonst auch ein gängiger Maßstab im Militätmodellbau), er ist jedenfalls definitiv "Modellbauer" (Railway modeller). Weshalb dort auch viele Halbfertig-oder Teilebausätze zu bekommen sind. Man baut eigene Gebäude, teilw. Fahrzeuge und bemalt seine Männekes selbst. Alleine das reduziert schon die Materialfülle auf den Anlagen!

In D irrlichtert das Hobby irgendwo unverbindlich zwischen "Modellbauer" und "Materialsammler". Es wird gekauft was das Portemonnaie hergibt,Fertigware oder Gebäudebausätze die ein Blinder zusammenbekommt, und das was die Industrie im Februar rausbringt muß, "out of the Box" und ordentlich nach Bauanleitung (für "kitbashing" gibt es sinnigerweise keine deutsche Entsprechung!)bis Dezember auf die Platte (oder in die Fahrzeugvitrine).

Und hier kommt vielleicht der größte kulturelle Unterschied:

Was ist Spaß ?
Denn das ist ja das Totschlagargument gegenüber jeder (konstruktiven) Kritik, also wenn man auf bauliche, betriebliche oder andere Mängel hinweist, es soll doch "Spaß machen".
Fängt der "Spaß" hierzulande erst an wenn man alles was unser Berufsleben ausmacht(Genauigkeit, Sorgfalt, sehr durchdachte Lösungen, ständige Weiterbildung) über Bord werfen kann ?

In USA/UK/NL/F scheint es jedenfalls mehr Leute zu geben die ihr Hobby sehr ernsthaft, mit viel Recherche, zeitlichem Aufwand und dem Streben nach stetiger Erweiterung ihres Könnens betreiben und dabei ihren (scheinbar ganz anders gearteten) Spaß haben

meint:
Stefan

eisenhans Offline




Beiträge: 376

22.01.2016 21:32
#21 RE: Kulturelle Einflüsse auf Anlagendesign: USA, Deutschland, England, ... antworten

Zitat von Friedrich aus O im Beitrag #18
Ich glaube nicht, dass das anders gewesen wäre, wenn die Redaktion z.B. der MIBA in Hamburg oder Bremen gestanden hätte. Bei den Mitarbeitern, da denke ich an MM (Meinhold) aus Kiel, waren durchaus Norddeutsche vertreten.
Eben. Man erinnere nur den Unterschied zwischen Bahn & Modell einerseits und MIBA vor dessen Erscheinen. Da liegen Welten dazwischen. Meint

Der Eisenhans

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