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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 578 mal aufgerufen
 VI.1. Was ist "drüben" anders?
OOK Offline




Beiträge: 3.501

05.08.2009 23:21
Modellbahn-Videos aus USA antworten

Bei den "Strohwitwer-Bautagen" an der BAE am letzten Wochenende gab es einen außerplanmäßigen Clubabend mit Videos, die Michael2 (Nick michael_hbbg) mitgebracht hatte.
Gesehen haben wir Videos über die berühmte Virginian & Ohio (erste Version) von Allen McClelland, über die nicht minder bekannte Allegheny Midland von Tony Koester, über Dave Barrows Cat Mountain & Santa Fé und über The Cumberland Valley System der Reid Brothers, letztere in N, die anderen H0.

Dieser Bericht steht deshalb nicht im Unterforum "Medien", weil ich hier nicht die Inhalte der Videos besprechen, sie also nicht rezensieren will, sondern wirklich die Frage untersuchen: Was ist drüben anders, was ist an US-Modellbahnvideos anders.

Zwei Dinge sind anders: zum einen die Anlagen selber und zum anderen die Art und Weise, wie über sie berichtet wird. Um mit dem Zweiten anzufangen: es wird über die Anlage in Reportageform berichtet, so als seien sie keine Anlagen, sondern ein Ausschnitt aus der realen Eisenbahnszene. Das kann natürlich nur funktionieren, macht nur Sinn, wenn die Anlagen das hergeben, will sagen, wenn sie als miniaturisierter Ausschnitt aus der Eisenbahnwirklichkeit konzipiert sind.

Und das sind die zitierten Anlagen allesamt. Abgesehen von dem V & O-Video, in dem die Perspektive von Railfans eingenommen wird, die bestimmte Lokomotiven jagen, geht es in den Videos darum, die Aufgabe und Funktion des dargestellten Ausschnitts zu beschreiben und verständlich zu machen. Da geht um die Anschließer, also Bahnkunden, denen bestimmte Wagen mit bestimmten Frachten zugestellt werden, da geht es auch um die Bedeutung bestimmter Relationen im Personenverkehr. Man erlebt die über die Anlage fahrenden Züge als auf einem Weg von einem Anfang zu einem Ziel.
Seitenblicke zeigen bestimmte typische Aspekte der Landschaft, bestimmte Industriebauten, die die Wirtschaftsstruktur der Gegend sichtbar machen und das Verkehren der Güterzüge nachvollziehbar. Was aus hiesiger Sicht fehlte, waren die so genannten Hingucker, die "liebevollen Details". Dafür war in der ernsthaften Darstellung von miniaturisiertem Eisenbahnverkehr und Betrieb kein Platz; das wäre lächerlich gewesen. Hier war auch nichts "nett" oder "romantisch", Adjektive, die hiesige Anlagenkommentatoren mit Vorliebe benutzen. Ist ja auch stimmig. Sie kommentieren Anlagen, keine Eisenbahnen.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

OOK Offline




Beiträge: 3.501

15.12.2015 09:29
#2 RE: Modellbahn-Videos aus USA antworten

Im Video-Vorstellungsstrang hatte ich schon berichtet, dass ich ein neues Video aus USA als Schnäppchen erwerben konnte. Und meine ersten Eindrücke.
Nun haben wir beim letzten BAE-Treffen zu sechst dieses Video geschaut:



Ich könnte jetzt meine Aussagen vom vorigen Post einfach hierher kopieren, da würde das Meiste stimmen. Ich will aber diesmal den Akzent anders setzen.
Abgesehen einmal von der Santa-Fé-Anlage (N) von Mike Danneman, die praktisch nur aus Paradestrecken besteht, waren alle präsentierten Anlagen betriebsorientiert. Und dieser Betrieb wurde auch anhand der Beobachtung einer operating session vorgestellt.(Wobei mir persönlich die Kinnlade runterfiel, als ich hörte, dass Tom Piccirillos sessions bis zu 16 (in Worten: sechzehn) Mitspieler haben. Heiliges Kanonenrohr!)

Was uns allen auffiel war die Art, wie der jeweilige Modellbahner seine Anlage präsentierte. Er stand da inmitten seines Werkes, der Kamera zugewandt und sprach mit ersichtlichem Stolz und Freude zum Zuschauer. Und er erzählte, was seine Anlage darstellt, wie sie konzipiert ist und funktioniert. Und dann wird der Betrachter mitgenommen auf eine Reise über die Anlage.

Hier ist die Aufnahmetechnik von Bedeutung. Zwar wird nie der Versuch gemacht, zu verheimlichen, dass es eine Anlage, also Modell ist, aber dennoch werden die Züge auf der Fahrt von A über B, C und D nach E vorgeführt, so dass der Eindruck einer realistisch funktionierenden Eisenbahn entsteht. Die fast perfekte Illusion wurde dann meist durch den unperfekten (vor allem bei Dampfloks) Sound zunichte gemacht. Auf jeden Fall "erlebten" wir eine Eisenbahn.

Kontrapunktisch zeigte ich anschließend ein Video deutscher Produktion mit der Präsentation einer aus der Modellbahnpresse gut bekannten und viel gelobten (auch von mir) Anlage. Wir sahen eine mit einer großen Zahl sebstgebauter Ident-Bauwerken hervorragend ausgestalteten Nachgestaltung eines bekannten Bahnhofes der DR und bekamen vorgeführt, wie sie funktioniert. Auch hier wurde der Betrieb des Vorbildes ansatzweise nachgestellt, wenn auch die viel zu hohe Geschwindigkeit den Realismus teilweise wieder zerstörte.

Auch in diesem Video wurde der Modellbahner gezeigt und interviewt, der die Anlage gebaut hat. Aber was für ein Unterschied! Da stand kein stolzer Mensch, der den Zuschauer begeistert und begeisternd ansprach, sondern ein nie in die Kamera schauender Mann, der fast schüchtern erzählte, wie er zu der Baugröße und dem Vorbild gekommen war. Fast hatte man den Eindruck, es sei ihm peinlich, dass die Anlage jetzt so intensiv angeschaut wird - und hoffentlich bekommen die Nachbarn es nicht mit.
Und der beste Gag kam dann zum Schluss. Die Anlage war jetzt fertig und betriebsfähig, aber was macht der Mann, betreibt er sie regelmäßig? Davon war nichts zu sehen und zu hören. Er baut eine neue. Davon wurde dann auch schon der erste Teil gezeigt.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

STBR Offline



Beiträge: 183

16.12.2015 17:41
#3 RE: Modellbahn-Videos aus USA antworten

1. Der deutsche Mann spielt nicht !
2. All sein Trachten gilt dem Erwerb von Reichtum und Reputation !
3. Alles was nicht Punkt 1+2 entspricht darf getrost in's Lächerliche gezogen werden !

....nicht ganz ernst gemeint, aber doch auch irgendwie ein Grund warum der dt. Modellbahner oft etwas verlegen vor oder hinter seinem Machwerk steht.

Gruß:
Stefan

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