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Modellbahnanlagen
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 V.1. Betrachtungen vom Herausgeber des Buches "Anlagen-Planung für vorbildgerechten Modellbahn-Betrieb" (MIBA-Verlag)
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Beiträge: 3.599

15.07.2009 20:29
Versöhnung von Ansprüchen, Träumen und Möglichkeiten - Juli 2009 Thread geschlossen

Bei der Rezension der neuesten Ausgabe von „Schmale Spuren“ (weiter unten im Unterforum Modellbahn-Zeitschriften) zitierte ich Herbert Fackeldeys denkwürdigen Satz:

"Unseren unendlichen Anspruch mit dem endlichen Platzangebot zu versöhnen, setzt nicht mehr und nicht weniger als die Wahl eines passenden Vorbildes voraus."

Wenn wir beim Stichwort Anlagen-Design nicht Bahnhof verstehen (wie ich gerade auf einer privaten Homepage gelesen habe), dann ist dies die erste und wichtigste Aufgabe, bevor wir anfangen, das erste Gleis zu planen. Zum Hobby Modelleisenbahn scheint der Platzmangel wesensmäßig dazuzugehören wie das Wasser zum Schiff. Und egal, ob einer zwei qm zur Verfügung hat oder siebzig, immer muss er schauen, was da sinnvollerweise hinein passt.

Es ist gewiss eine Binsenweisheit, wenn ich sage, dass je größer die Baugröße, umso bescheidener das Vorbild-Motiv sein sollte. Wenn ich also eine zweigleisige Strecke mit mehreren Bahnhöfen bauen will – mit der obligatorischen abzweigenden Nebenbahn, versteht sich – dann sollte ich schauen, in welcher Baugröße dies auf dem mir zur Verfügung stehenden Platz vernünftigerweise realisierbar ist.

Mein allgemeiner Eindruck bei der Sichtung von Anlagenenideen, die in den Foren eingebracht werden, ist stets: Es wird generell immer eine Baugröße zu groß in Ansatz gebracht. Oder, wenn wir von einer festen Baugröße ausgehen: es wird immer ein Vorbild gewählt, das für den Platz mindestens eine Nummer zu groß ist. Die Ausnahmen, die diese Regel bestätigen, sind sehr, sehr selten.

Ich sagte gerade „vernünftigerweise“. Denn natürlich lässt sich eine zweigleisige Hauptstrecke mit BW in Baugröße H0 auch auf 1,2 x 3m realisieren. Aber es ist nicht vernünftig. Deutlicher: Es ist unvernünftig. Schließlich ist die Triebfeder, die Modellbahner immer das zu Große, das zu Viel in ihren knappen Platz quetschen lässt, auch nicht die Vernunft, sondern im Gegenteil etwas völlig Irrationales. Da sind Kindheitseindrücke und Erinnerungen im Spiel, Allmachtsvisionen, der Impact eines faszinierenden Augenblicks und was weiß ich nicht noch alles.

In vielen anderen Lebensbereichen haben wir solche Impressionen auch, aber da sind wir vernünftiger. Wir kaufen uns das Haus und das Auto, das zu unserem Budget passt, zu unserem realen (nicht dem erträumten) Lebensstil und zu der Gesellschaftsschicht, zu der wir gehören. Aber bei der Modelleisenbahn, da wollen wir für einmal nicht vernünftig sein, nicht erwachsen und nicht logisch. Da wollen wir unsere Träume verwirklichen, egal wie eng der Platz ist. Schließlich ist es unsere höchstpersönliche ureigenste Anlage, da hat uns kein neunmalgescheiter selbsternannter Modellbahnprofessor dreinzureden.

Dem lässt sich freilich wenig entgegenhalten. Die menschliche Psyche ist so. Ich frage mich nur die ganze Zeit, warum das – vielleicht nicht nur, aber schwerpunktmäßig – ausgerechnet beim Hobby Modelleisenbahn so ist, bei anderen Hobbys kaum.

Es gibt da keine befriedigenden Antworten. Man muss die Tatsachen dieser Welt hinnehmen. Muss man das wirklich? Wenn man das immer müsste, gäbe es kein Greenpeace und keine Ärzte ohne Grenzen, sondern nur resigniertes Schulterzucken: Ist halt so.

Ich habe vom Hobby Modellbahn eine hohe Meinung. Und deshalb finde ich auch, dass es verdient hat, dass wir es mit Vernunft betreiben, mit Hingabe, mit Energie, mit dem Wunsch, unsere Sache gut zu machen und etwas Respektables in die Welt zu setzen.

Eine vollgequetschte Anlagenplatte, auf der Züge ziellos zwischen Massierungen von Zubehör herumirren, ist nichts Respektables. In der Selbstbeschränkung zeigt sich der Meister, sagt ein altes Sprichwort, und ich möchte das dreimal unterstreichen.

Bedeutet das, was ich hier nun postuliere, nicht schlussendlich, dass es keine Heimanlagen geben darf, die zweigleisige Hauptbahnen, große Bahnhöfe und Betriebswerke nebst mächtigen Industriekomplexen beinhalten? Nein, das bedeutet es nicht. Es bedeutet aber, dass sie Menschen vorbehalten sind, denen entweder vom Schicksal ausreichend Platz geschenkt worden ist (das dürfte eine winzige Minderheit sein) oder die bereit sind, den für ihre Pläne nötigen Raum mit allem erdenklichen Einsatz zu schaffen oder durchzusetzen. Auch mit Verzicht auf andere Dinge.

Und wenn das nicht machbar ist, dann ist man aufgerufen, sich geschmacklich weiterzubilden und Gefallen an solchen Bahnmotiven zu finden, die man auch realisieren kann. Dann kann man, wie Herbert Fackeldey gesagt hat, Ansprüche und Platzangebot miteinander versöhnen. Darum geht’s.





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