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Dieses Thema hat 24 Antworten
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 XI.1. Sammelgleis
Seiten 1 | 2
jimknopf Offline




Beiträge: 170

19.06.2009 07:39
In Anlehnung an Prototype modelling und freelancing antworten

Hier mal ein Beitrag aus einem anderen Forum, der zu einer regen Diskussion führte obwohl er sich unter dem Forum Jokes versteckte.

Zitat:

old, but good.

Etwas Besinnliches....

... Wie Weihnachten 2007 im Internet gezeigt hat, heißt Weihnachten
nicht mehr Weihnachten, sondern X-mas; also muss der Weihnachtsmann
entsprechend auch ab jetzt X-man heißen!

Da X-mas 2008 quasi schon vor der Tür steht, ist es spätestens seit
Oktober höchste Zeit, mit der Weihnachtsvorbereitung zu beginnen -
Verzeihung - seit Oktober ist es höchste Zeit, mit dem X-mas roll out
zu starten und die Christmas-Mailing-Aktion just-in-time
vorzubereiten.

Hinweis: Die Kick-Off-Veranstaltung (früher 1. Advent) für die
diesjährige SANCROS (Santa Claus Road Show) fand bereits am 30. Nov.
2008 statt. Daher wurde das offizielle Come together des Organizing
Commitees unter Vorsitz des CIO (Christmas Illumination Officer)
abgehalten.

Erstmals haben wir ein Projekt-Status-Meeting vorgeschaltet, bei dem
eine in Workshops entwickelte To-do-Liste und einheitliche Job
Descriptions erstellt wurden. Dadurch sollen klare
Verantwortungsbereiche, eine powervolle Performance des Kundenevents
und optimierte Geschenk-Allocations geschaffen werden, was wiederum
das Service-Level erhöht und außerdem hilft, X-mas als Brand name
global zu implementieren.

Dieses Meeting diente zugleich dazu, mit dem Co-Head des Global
Christmas Markets (formerly Knecht Ruprecht) die Ablauforganisation
abzustimmen, die Geschenk-Distribution an die zuständigen
Private-Schenking-Center sicherzustellen und die Zielgruppen klar zu
definieren. Erstmals sollen auch "Geschenk-Units" über das Internet
angeboten werden.

Die Service Provider (Engel, Elfen und Rentiere) wurden bereits via
Conference Call virtuell informiert und die Core Competence vergeben.
Ein Bündel von Incentives und ein separates Team-Building-Event an
geeigneter Location sollen den Motivationslevel erhöhen und
gleichzeitig helfen, eine einheitliche Corporate Culture Identity zu
entwickeln.

Der Vorschlag, jedem Engel einen Coach zur Seite zu stellen, wurde
aus Budgetgründen zunächst gecancelled. Stattdessen wurde auf einer
zusätzlichen Client Management Conference beschlossen, in einem Test
Market als Pilotprojekt eine Hotline für kurzfristige
Weihnachtswünsche einzurichten, um den Added Value für die
Beschenkten zu erhöhen. Durch ein ausgeklügeltes Management
Information System (MIST) ist auch benchmark-orientiertes Controlling
für jedes Private Present Center möglich.

Nachdem ein neues Literaturkonzept und das Layout-Format von externen
Consultants (Osterhasen Associates) definiert wurde, konnte auch
schon das diesjährige Goldene Buch (Golden Book Release 2007.1)
erstellt werden. Es erscheint als Flyer, ergänzt um ein Leaflet und
einen Newsletter für das laufende updating. Hochauflagige lowcost
Giveaways dienen zudem als Teaser und flankierende
Marketingmaßnahmen.

Ferner wurde durch intensives Brainstorming ein Konsens über das
Mission Statement gefunden. Es lautet: "Let's Keep the Candles
Burning" und ersetzt das bisherige "Frohe Weihnachten".

X-man hatte zwar anfangs Bedenken angesichts des Corporate Redesign.
Er akzeptierte aber letztendlich den progressiven Consulting-Ansatz,
auch im Hinblick auf das Shareholder Value, und würdigte das Know-how
seiner Investor-Relation-Manager.

In diesem Sinne: Let's Keep the Candles Burning!

Zitat Ende

Sehr schön dargestellt wie die deutsche Sprache immer mehr missachtet wird.
Wobei dieses Sprachenwirrwar ja harmlos scheint sieht man die Sprache der heutigen Jugend und erst deren schriftliche Niederlegung in dem weltweiten Datennetz.
Ich bin für Pflichtunterricht der deutschen Sprache für alle und Benutzung deutscher Vokabeln in allen Bereichen. Warum muss ein deutscher Bahnhof z.B. durch englische Vokabeln auffallen? Die Engländer beschriften ihre ja auch nicht deutsch. Ja ich weiß Englisch ist die Welthandelssprache. Deutsch ist aber unsere Amtssprache und Bahnverkehr unterliegt dem Eisenbahnbundesamt. Aber lieber ein paar englische und französische Begriffe als falsche deutsche Vokabeln in merkwürdiger Schriftform. Ey Alda, isch bin gängsta und du krist auf die Fresse.... für die, die es nicht verstanden haben: Mein Herr, ich bin pseudokriminell und werde gleich eine Körperverletzung begehen und sie ins Gesicht schlagen.
Ein bekannter Komiker (Comedian heisst das heute auch wenn die Übersetzung hiervon Komödiant ergäbe, was allerdings eine andere Tätigkeit beschreibt) bringt öfter solche Dinge in seinem Programm unter. Das bekannteste sollte wohl das Ischhobfodohändie sein.
Auch unsere Jugend hatte eigene Vokabeln, aber die Verballhornung der deutschen Sprache heute ist erschreckend. Noch erschreckender allerdings, dass die Jugend es zum Teil nicht mal mehr besser weiß, sondern überzeugt ist richtig zu sprechen oder zu schreiben. Auch die Bedeutung von Höflichkeit, Respekt und Recht und Unrecht scheint verloren. Doch halt, da gab es doch den Antrag auf dem CDU Parteitag, die deutsche Sprache ins Grundgesetz aufzunehmen. Die Rettung?

Zumindest ein Anfang....

Das war eine Antwort auf den witzig gemeinten, aber doch recht ernsten Beitrag...

Nun, wir können hier das Rad nicht neu erfinden oder die Quadratur des Kreises aufhalten, jedoch würde es mich freuen, wenn der eine oder andere seine Meinung zum Sprachgebrauch mitteilte.

Danke sagt

der Jim

OOK Offline




Beiträge: 4.018

19.06.2009 09:07
#2 RE: In Anlehnung an Prototype modelling und freelancing antworten

Klasse, Jimmy, ein herrliches Beispiel für die Überdrehung - und vermutlich in gewissen Kreisen gar nicht so unrealistisch.
Aber: wenn etwas überdreht und überstrapaziert wird, ist das eine Art von Extremismus. Und man darf nicht vergessen, dass das Extremistische das Normale entwertet, aber nicht entwerten soll. Man darf in Deutschland weiterhin links oder rechts wählen, obwohl es Linksextremisten und Rechtsextremisten gibt.

So sehe ich es auch mit Anglizismen (und Romanismen etc.). Ohne werden wir nicht auskommen. Wenn ich in der ersten Zeile das Wort "unrealistisch" benutzt habe, ist das ja auch absolut unteutsches Wort. Aber das hat vermutlich niemand gemerkt, weil es schon so lange im Gebrauch ist. Es gilt hier nur, wie überall, der Übertreibung und den Auswüchsen Grenzen zu setzen.

Es gibt aber einen realen Grund für die vielen englischen Neologismen, pardon Neuwörter im Deutschen: das gewaltige kreative Innovationspotential (Erneuerungskraft) der Amerikaner. Sie schöpfen ja nicht nur die Wörter, sondern die Gegenstände oder Phänomene, die dahinter stecken. Das ist im Computerbereich so (ich spreche übrigens immer von meinem Rechner), aber eben auch im Modellbahnbereich. Da lahmt die deutsche Szene immer noch Jahrzehnte hinter der amerikanischen Entwicklung hinterher. Wenn wir mal inhaltlich und sachlich vorauseilen würden, dann könnten wir auch wortschöpferisch vorne dran sein. Bei DCC haben wir die Chance übrigens verpasst. Da hatten wir sie.)

Ich versuche durchaus, unnötige Anglizismen zu vermeiden, finde aber auch krampfhaftes Bemühen um deutsche Ersatzausdrücke gelegentlich lächerlich. Das Dritte Reich hatte da ja eine Initiative entwickelt. Einige Ergebnisse sind geblieben: Fernsprecher, Kraftstoff etc., andere nicht: Vierstoßzerknalltreibling statt Viertaktexplosionsmotor konnte sich - warum auch immer - nicht durchsetzen.

Wenn übrigens die Engländer alle Romanismen (mit den Germanismen haben sie es nicht so) aus ihrer Sprache tilgen würden, würden sie sich nicht mehr verständigen können. Der Anteil liegt bei fast 50% der Wörter.

Ich habe übrigens nichts dagegen, wenn ihr das e-book daraufhin durchschaut, ob ich unnötige Anglizismen verwendet habe (Ersatzvorschlag bitte beifügen).
Im Übrigen sollten wir das Problem zwar ernst aber nicht verbissen sehen.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

jimknopf Offline




Beiträge: 170

19.06.2009 10:52
#3 RE: In Anlehnung an Prototype modelling und freelancing antworten

Hallo Otto,

Natürlich sollte man nicht die Lebendigkeit der Sprache mies machen. Das Fremdwörter aufgenommen und irgendwann einmal als Bestandteil einer Sprache akzeptiert werden, war schon immer so und wird auch so bleiben. Beispielsweise wären da die lateinischen Worte wie das unrealistisch, das du eben benutzt hast. Oder französische Worte wie Parfum. Auch Anglizismen wie Toast, Hamburger usw. sind kein Stein des Anstosses, jedoch, und da gebe ich dir recht, einige extrem übertriebene Bemühungen international oder sollte ich sagen global zu klingen sind für mich nicht nur lächerlich sondern eher besorgniserregend. Die deutsche Sprache besitzt viele Worte, mehr als so manch andere auf diesem Erdenrund, einige mögen antiquiert wirken, haben aber an Bedeutung nichts verloren.
Die Bayern, Sachsen, Thüringer, Hessen, Schwaben und auch die Plattdeutschen sehen ihren Dialekt, ihre eigene Sprache als Identitätsmerkmal und benutzen sie ausgiebig ohne sie zu verwässern, warum sollte das nicht auch mit dem Hochdeutschen so möglich sein?

In Fachbereichen wie der Informatik, die ja durch Herrn Zuse (ein Deutscher) erst möglich wurde, sind Anglizismen weit verbreitet, leider hast du auch da wieder Recht, die meisten Begriffe kommen aus dem Umfeld der Amerikaner und deren Erfindungen. Im Moment läuft zum Beispiel ein Werbefilmchen der Firma Intel mit einem der Erfinder des USB-Anschlusses(übrigens ein Inder ;-) .) Hier wären deutsche Entsprechungen meist fehl am Platz, weil wie sollte man die universelle, serielle Datenverkehrsleitung denn anders benennen als USB? USDVL? Oder den Arbeitsspeicher RAM als Zufallszugriffspeicher? Hier ist der Knackpunkt. Es gibt Dinge, wo es Sinn macht, die Anglizismen zu importieren, aber wieso muss VW, eine deutsche Marke ihre Autos in Deutschland mit park assistance verkaufen statt mit einem Parkassistenten? Oder wieso versteht kaum einer mehr die Inhaltsangaben auf der Zahnpastatube oder dem Haarwaschmittel? Das war schon mit deutschen Begriffen nicht ganz einfach, aber nun dank der EU in englischer Sprache fast unmöglich, selbst für mich, der Englisch doch einigermaßen beherrscht. Das sind die Dinge die mich wurmen. Deutsche, eindeutige und simple Begriffe durch Anglizismen zu ersetzen um eben als Global Player (weltweiter Spieler?)zu glänzen sollte nicht das Maß der Dinge sein. Eine Besprechung ist immer noch dasselbe auch wenn man heute ins Meeting geht.

Abgesehen davon gibt es außer Anglizismen noch ganz andere Sprachbeeinflussungen, nämlich die sogenannte Leet-Speak, entworfen damals von Hackern, die sich eben durch ihre codierte Sprache nicht ins Handwerk pfuschen lassen wollten und darum eine Sprache der Elite erfanden. Die Kinder von heute finden es cool sich in dieser Sprache zu äußern, kommt dazu noch der "Gossensprachstil" der Möchtegern-Gangster Rapper ist es um die Sprachkultur geschehen. Das Schlimme daran ist, die Jugendlichen sind sich nicht mehr bewusst, das sie falsch schreiben und sprechen, sondern der festen Überzeugung, dass das korrektes Deutsch ist.

Versteht mich nicht falsch, aber ich bin Deutscher und spreche eine der am schwersten zu lernende Sprache dieser Welt und wehre mich gegen die Verfälschung so gut es geht. Im Moment lerne ich slowenisch und im Anschluss daran folgt dann wohl noch kroatisch, ich habe nichts gegen andere Sprachen, aber man sollte es halt als getrennte Sprachen sehen, ansonsten könnten wir alle gleich Esperanto lernen und unsere Identität ein Stück weit aufgeben...

meint dazu

der Jim

Christoph Offline



Beiträge: 15

19.06.2009 12:12
#4 RE: In Anlehnung an Prototype modelling und freelancing antworten

Hallo in die Runde,

ein ähnliches Problem haben auch unsere westlichen Nachbarn, die Franzosen:

http://www.tu-dresden.de/sulifr/uploads/...smendebatte.pdf

Dort gibt es wohl mittlerweile Gesetze zum Schutz der französischen Sprache.

Gruß von
Christoph

Nico2 Offline



Beiträge: 18

19.06.2009 22:11
#5 RE: In Anlehnung an Prototype modelling und freelancing antworten

Vielen Dank, Christoph und Jim, für diese schönen Beispiele.
Ich war auch sehr erstaunt, als ich das erste Mal hörte, das im französischen Radio ein bestimmter Anteil an französischen Chansons gespielt werden muss...

Zitat von OOK
... vermutlich in gewissen Kreisen gar nicht so unrealistisch.

Aus meiner Erfahrung in beruflichen Kreisen muss ich das leider bestätigen: eigentlich sogar ziemlich realistisch. Allerdings muss ich zu meiner Verteidigung sagen, dass wir permanent mit unseren Kollegen in der Konzernzentrale in Milwaukee kommunizieren - da ist es schlicht und einfach sicherer (und im Tagesgeschäft zugegebenermaßen auch bequemer), die englischen (oder amerikanischen) Begriffe zu nutzen, weil dann jeder weiß, was gemeint ist und man keine Zeit durch Übersetzungsversuche verliert (auch wenn das keine Entschuldigung sein sollte...)

Aber als mir ein (deutscher!) Kollege letztens in einem Meeting - äh, in einer Besprechung erzählte, ich solle mal an meinem "Wording" arbeiten, musste ich doch unwillkürlich laut loslachen - ist aber glaube ich nicht so gut angekommen...
Gruß Nico

windbergbahn Offline



Beiträge: 65

20.06.2009 15:33
#6 RE: In Anlehnung an Prototype modelling und freelancing antworten

Hallo Jim,
du schriebst <<Versteht mich nicht falsch, aber ich bin Deutscher und spreche eine der am schwersten zu lernende Sprache dieser Welt und wehre mich gegen die Verfälschung so gut es geht. Im Moment lerne ich slowenisch und im Anschluss daran folgt dann wohl noch kroatisch>>
Hab gerade in Kroatien gelernt, dass die Weinschorle dort "Gemisch" heißt. Und Zagrebs Düwag Sechsachser werden angeblich "Genscher" genannt.
Wir sind halt nicht mehr nur Deutschland, sondern inzwischen erfreulicherweise immer mehr Europa. Vielleicht erleben wir auch noch, dass Englisch zum Vorteil gemeinsamer besserer Verständigungsmöglichkeiten unsere Haupt-Amtssprache wird. Ich würde es mir fast wünschen. Wenn du heute Dritt- und Viertklässler hörst, wie wenig Berührungsängste sie vor dem Gebrau des Englischen haben, keimt Hoffnung in mir auf, dass doch nicht alles schlechter wird.
Insofern kann ich mich deinem wiederholt hier schon geposteten Tenor überhaupt nicht, deiner Sichtweise in diesem speziellen Fall nur sehr begrenzt anschließen.
windbergbahn

jimknopf Offline




Beiträge: 170

20.06.2009 16:50
#7 RE: In Anlehnung an Prototype modelling und freelancing antworten

Zitat von windbergbahn

Wir sind halt nicht mehr nur Deutschland, sondern inzwischen erfreulicherweise immer mehr Europa.


Hallo windbergbahn,

jetzt wird es hier aber politisch, zum Glück aber nicht weg vom Thema.
Also ich wohne nach wie vor in Deutschland, das auf dem Kontinent Europa liegt.

Ich lebe nicht in den vereinigten Staaten, weder von Amerika noch von Europa und auch nicht in England, Australien oder einer anderen ehemaligen Kolonie des vereinigten Königreiches, insofern sehe ich Englisch immer noch als FREMDsprache an, auch wenn ich es berufsbedingt brauche um Kontakt zu Menschen zu halten, die dort arbeiten und wohnen. Deine Beispiele aus Kroatien sind historisch bedingt, genau wie unser Baguette oder auch das Ketchup. Einflüsse aus anderen Sprachen, die inzwischen zum allgemeinen Sprachgebrauch dazu gehören. Slowenen zum Beispiel nutzen auch das Wort Flasche und meinen damit sogar das Gleiche wie wir Deutschen.

in diesem Sinne


Schönes Wochenende
der Jim

fgee Offline



Beiträge: 118

21.06.2009 11:50
#8 RE: In Anlehnung an Prototype modelling und freelancing antworten

In Antwort auf:
Deutsche, eindeutige und simple Begriffe durch Anglizismen zu ersetzen

Im Grundsatz bin ich mit Jimknopf einig: Die gepflegte deutsche Sprache ist etwas Schönes.

Im Übrigen haben die Amis einen durchaus unverkrampften Umgang mit Wörtern aus fremden Sprachen. Wenn ein (z.B. deutsches) Wort einen Sachverhalt prägnanter und kürzer ausdrückt als die amerikanische Entsprechung, dann wird eben das Fremdwort verwendet. Und fertig. Beispiele: Bratwurst, Kindergarten. Find ich gut.

Die Franzosen sind da viel extremer. Die haben eine "genetische" Abneigung gegen Franglais und ziehen es durch, für jeden Ausdruck eine französische Entsprechung zu etablieren - auch und gerade in der Computerei.

Felix

fgee Offline



Beiträge: 118

21.06.2009 12:03
#9 RE: In Anlehnung an Prototype modelling und freelancing antworten

@windbergbahn

In Antwort auf:
Vielleicht erleben wir auch noch, dass Englisch zum Vorteil gemeinsamer besserer Verständigungsmöglichkeiten unsere Haupt-Amtssprache wird.

Da werden nicht zuletzt die Chinesen gar keine Freude dran haben. Die lernen nämlich reihenweise Deutsch, weil sie die Klassiker der Weltliteratur in der Ursprungssprache lesen wollen!

Wir müssen nicht zwanghaft an der deutschen Sprache festhalten, wie das im dritten Reich versucht wurde. Aber die deutsche Sprache sozusagen kampflos aufzugeben, das kann's nun wirklich nicht sein.

Mir ist aufgefallen, dass sich für uns deutsche Ohren viele Anglizismen modern und "in" anhören, obwohl sie im Grunde ziemlich banale Wörter sind, deren deutscher Entsprechung wir uns oft schämen würden. Beispiele? Winzigweich Fenster. Apfel. Raumtransporter. Sport-Hilfs-Fahrzeug (SUV). usw usf. Die Amis geben sich also überhaupt keine Mühe, die Dinge "cool" zu benennen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens, dass 1775 um Haaresbreite Deutsch die Amtssprache der USA geworden wäre. Eine lustige Vorstellung... Die ganze Technikgeschichte wäre anders verlaufen.

Felix

HFy Offline



Beiträge: 485

21.06.2009 15:28
#10  Der Usus aliener Vokabeln ist auf ein Minimum zu reduzieren antworten

Die Sprache der Diplomatie war mal Französisch, die Sprache der Physik Deutsch und die Sprache der Musik Italienisch. Insofern habe ich keine Mühe mit Fremd- oder Lehnwörtern, die es in den meisten Sprachen zu Hauf gibt. Woher das "Handy" kommt, wissen wir ja inzwischen, nämlich aus Deutsch-Südwest (Jo, hen die koi Kabel dro?).
Die Englischtümelei zum Beispiel der Bahn AG à la "Service Point" kann ich aber nur noch als peinlich empfinden (diese Wörter stammen wiederum aus dem Lateinischen), wobei der frühere Häuptling unseligen Angedenkens m.W. durchaus des Französischen mächtig ist. Noch schlimmer ist freilich der "Backshop", der im Englischen zum Beispiel eine an den Lokschuppen angebaute Werkstatt oder eine Hausdruckerei bezeichnet. Und wenn ich in den Wirtschaftsteil so mancher Tageszeitung schaue, so kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier Banalitäten hinter einem Blendwerk von englischen (oder wohl eher amerikanischen) Begriffen versteckt werden sollen.
Solange wir keinen ebenso treffenden Begriff für fiddle yard oder prototype free lancing haben, kann es meines Dafürhaltens dabei bleiben (wobei mir der Redakteur des Continental Modeller sagte da, ihm die Übersetzung von "Schattenbahnhof" Schwierigkeiten bereite. Er ist von seiner Ausbildung her Altphilologe). Wo wir aber bereits passende Begriffe haben, verträgt es sich weder mit meiner Resteitelkeit noch mit meinem Stilgefühl, mich mit Kenntnissen einer Sprache wichtig zu tun, in der das Niveau der Verständigung verhältnismäßig leicht zu erreichen ist. Um es richtig zu sprechen, muß man aber wohl Muttermilch-Engländer sein; ein Bekannter von mir hat mal in London als Musiklehrer gearbeitet, und die Kinder sagten zu ihm: "why can't you speak properly, you're so old".

Best regards, Herbert

fgee Offline



Beiträge: 118

22.06.2009 00:11
#11 RE: Der Usus aliener Vokabeln ist auf ein Minimum zu reduzieren antworten

Fiddle yard: Grabbelbahnhof! (Schattenbahnhof ist falsch; da er im Schatten liegt, kann ja gerade eben nicht gefiddelt äh gegrabbelt werden)

Es gibt oft durchaus gute deustche Wörter, nur sind sie nicht unbedingt geläufig. Wie beispielsweise "Taschenfernsprecher"

Felix

OOK Offline




Beiträge: 4.018

22.06.2009 08:06
#12 Eindeutschung von fiddle yard? antworten

In meinem e-book (Begriff harrt noch der Eindeutschung) habe ich den Oberbegriff Zugspeicher eingeführt. Ein Schattenbahnhof ist nur eine Variante davon, ein fiddle yard eine andere. Angelehnt an das amerikanische staging und active staging könnte man auch von passiven und aktiven Zugspeichern reden.
Dann gibt es noch den Begriff open staging, womit gemeint ist, dass es eben kein Schattenbahnhof ist (das wäre hidden oder concealed staging) und auch nicht notwendigerweise ein fiddle yard.

Es wäre nicht schlecht, wenn wir uns hier im Forum schon mal auf den Begriff Zugspeicher verständigen könnten. Das ist deutsch, das ist kurz und das ist merkbar. Über die Unterbegriffe können wir ja noch diskutieren.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

fgee Offline



Beiträge: 118

22.06.2009 08:25
#13 RE: Eindeutschung von fiddle yard? antworten

Der Schrank voller Schateln ist auch ein Zugspeicher. Aber das meinst du nicht. Daher ist der Begriff unpräzise. Ich finde daher Speicherbahnhof passender.

Felix

OOK Offline




Beiträge: 4.018

22.06.2009 11:27
#14 RE: Eindeutschung von fiddle yard? antworten

Zitat von fgee
Der Schrank voller Schateln ist auch ein Zugspeicher. Aber das meinst du nicht. Daher ist der Begriff unpräzise. Ich finde daher Speicherbahnhof passender.
Felix

Nichts gegen eine "Speicherbahnhof", aber Zugspeicher bleibt dennoch der Oberbegriff, denn auch ein Schrank oder eine Schublade voller Zugkassetten ist ein solcher.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

Jori Offline



Beiträge: 11

22.06.2009 11:39
#15 RE: In Anlehnung an Prototype modelling und freelancing antworten

Das Zitat von fgee "Die gepflegte deutsche Sprache ist etwas Schönes."

Das ist seit langen die beste Umschreibung eines sehr schwierigem Thema. Seit der "Handy-Mania" und den Möglichkeit per Computer sich in elektronischer Form schreiben zu können gibt es die Verkürzungsformen und neue Begriffe. Wir werden mittlerweile mit diesen Begriffen zugemüllt das es keine Freude mehr ist diesen Botschaften, sei es Werbung oder im Alltag hören zu müssen. Dennoch wird man dazu gezwungen dies alles zu wissen um es deuten oder übersetzen zu können. Wenn es um Englische Begriffe geht haben es die Generationen mit Fremdsprachenkenntnis doch noch etwas leichter, als die elterlicher bzw großelterliche Generation.

Wenn denn ein "richtiges" Wort den Sachverhalt kürzer ausdrückt ist die Verwendung unter umständen besser, aber es werden ja hier teilweise Kunstworte oder Wort-Kreation verwendet die es in keiner Sprache gibt. Die Sprache als solches wird nicht mehr verstanden. Mir ist es, da ich auch im Kundengespräch bin mal aufgefallen das gerade die 18 bis 25 jährigen entweder nicht willens oder gar in der Lage sind etwas zu verstehen oder verstehen zu wollen. Erst mit Verwendung von "älten" Worten wurde die Aufmerksamkeit wieder erreicht.

Jedes Land hat seine Amtssprache und daraus abgeleitet die entsprechende Landessprache. Für die Pflege und Bewahrung der Sprache ist jeder für sich verantwortlich, in dem man diesen teilweisen grausamen Wortbotschaften nicht verwendet. Ob dies noch Möglich ist, ich hoffe doch sehr.

Jochen

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