Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 

Modellbahnanlagen
Planungs- und Design-Forum

für vorbildgerechten Modellbahnbetrieb

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 2.035 mal aufgerufen
 V.1. Betrachtungen vom Herausgeber des Buches "Anlagen-Planung für vorbildgerechten Modellbahn-Betrieb" (MIBA-Verlag)
OOK Offline




Beiträge: 3.658

27.03.2009 10:10
Nachruf auf die großen Markenfirmen * März 2009 Thread geschlossen
Es gibt in diesem Forum ein Unterforum „Was ist drüben anders?“
Nun: Modellbahn in den USA ist etwas anders als Modellbahn hier. Ich will jetzt nicht über Anlagengrößen und –formen diskutieren und auch nicht die Arbeit der NMRA mit den hiesigen Verbänden vergleichen. Für einmal schaue ich auf den Markt, besser gesagt die Märkte.

Bei uns gehen reihenweise die großen bekannten Modellbahnfirmen kaputt. Trix, Roco, Fleischmann, Märklin, LGB, eigentlich alles, was Rang und Namen hat bzw. hatte. Die USA werden von der Wirtschaftskrise ebenso gebeutelt wie wir, die Krise hat, wie behauptet wird, sogar dort ihren Ursprung. Aber das kann nicht unser Thema sein. Meine Frage ist: Welche Modellbahnfirmenpleiten drüben entsprechen unseren hier? Antwort: keine.

Der Grund ist einfach. Es gibt die großen Markenfirmen, die ein ganzes System darstellen, nicht. Hat es nie gegeben, wenn man vielleicht von Lionel vor dem Kriege absieht. Seitdem der Siegeszug von H0 begonnen hat, gab es in der Spur nur Zweileitergleichstrombahnen, und die wurden von den unterschiedlichsten Firmen beschickt, von kleinen Garagen-Firmen bis hin zu mittelgroßen Unternehmen. Von denen sind auch nicht mehr alle am Markt, das hat aber nichts mit der Krise zu tun, sondern mit einer langwelligen Marktentwicklung, einige Firmen haben irgendwann einmal den Anschluss an die Entwicklung verpasst – und kaum einer hat’s gemerkt.

Wenn Märklin unter geht, geht für viele Märklinisten ebenfalls die Welt unter, denn sie waren nicht in erster Linie Modellbahner, sondern in erster Linie Märklinisten, und sei es, dass sie alle Produkte dieser Firma im Originalkarton im Regal haben. Die gibt’s übrigens in USA auch, die Märklinisten, die spielen jedoch in der Gesamtszene keine Rolle.

In Amerika ist ja bekanntlich alles viel größer, so jedenfalls unsere Vorstellung. Aber Modellbahnhersteller haben dort nie mit den Stückzahlen gearbeitet, die unsere großen Firmen „brauchten“ um ein Modell auf den Markt zu bringen. Nehmen wir als Beispiel die F7-Diesellok von EMD. Die dürfte das meistgebaute Modell drüben sein, über die Jahrzehnte. Noch heute verkauft es sich gut. Aber: ein H0-Modell der F7 wird von mindestens einem halben Dutzend (eher mehr) Firmen angeboten, und alle rangeln mit alljährlichen updates um die Gunst der Käufer. Man glaubt es kaum, dass da noch Verbesserungen möglich sind. Sind sie aber. Demnächst bewegt sich vermutlich sogar die Tachonadel.

Diese Firmen müssen sich also den F7-Markt teilen und können so nur auf kleine bis mittlere Stückzahlen kommen. Aber das ist noch nicht alles: Der amerikanische Modellbahner ist zwar nicht markengebunden, aber Bahn-gebunden: der eine hat es mit der New York Central, der andere mit der Boston & Maine etc. Und da stellt sich keiner die Lok der anderen Bahn auf die Anlage. Jeder Hersteller muss die Lok in x Farb- und Beschriftungsvarianten herstellen, wenn er mithalten will.
Aktuelles Beispiel ist die E7, vereinfacht ausgedrückt eine sechsachsige Variante der F7 und ein update der E6. Da hat PROTO 2000 gerade ein neues Modell vorgestellt. Zunächst in sieben road names (weitere folgen). Das sind aber nicht nur Bedruckungsvarianten, dazu gehören ganz unterschiedliche Detaillierungen, denn jede Bahn hatte andere Trittstufen, andere Scheinwerfer, andere Hörner, anders angeordnete Griffstangen etc. Da kann man sich vorstellen, wie viele (bzw. wenige) Exemplare einer bestimmten Lok verkauft werden. Und es geht. In dem Land, in dem alles sooooo groooß ist.

Ehrlich gesagt, ich trauere unseren großen Firmen nicht hinterher. Sie haben sich überlebt. Die derzeitige Krise war nur eine gute Gelegenheit, sie sterben zu lassen. Das Hobby Modelleisenbahn wird dadurch nicht sterben. Es könnte sogar profitieren, indem diese vermaledeite Ausrichtung auf die großen Ikonen-Firmen entfällt und Platz wird für neue, kleinere, kreativere Firmen. Da könnte auch das ganze Hobby eine neue, bessere Richtung nehmen.

Darf ich mal an die Euromodell in Bremen erinnern? Da hatte ich insofern einen besonderen Bezug dazu, weil ich an der Ausrichtung des Wettbewerbs „Europameisterschaft der Schmalspurbahnen“ beteiligt und auch in der Jury war. Diese von der Fa. Breidenbach ausgerichtete Messe war die Modellbahnmesse mit den besten Anlagen in Deutschland. Da konnte sich Dortmund dreimal verstecken. Aber Willy Breidenbach hatte ein Problem: die „großen“ Firmen (s. o. im 2. Absatz) boykottierten ihn. Das führte am Ende dazu, dass die Bremer Messegesellschaft ihm kündigte und eine andere Firma jetzt dort das Sagen hat, die die übliche Feldwaldundwiesenmodellbahnschau abzieht. Und übrigens auch nicht mehr einnimmt als Breidenbach. Diese Firma wird von den großen Firmen nicht boykottiert. Wie denn auch? Wen es nicht gibt, der kann auch niemanden boykottieren. So wird die Modellbahnmesse in Bremen zu den ersten gehören, die von der Agenda gestrichen werden.
Gäbe es die Euromodell noch, so wäre ihr Konzept heute aktueller denn je, sie könnte sogar zu den wenigen gehören, die am Ende überleben. Mit einem Konzept ohne Ikonenfirmen aber mit vielen herrlichen Anlagen. Zu spät. OOK.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

 Sprung  

 

Harz-Bahn-Forum

BAE-by-OOK

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de