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Modellbahnanlagen
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Dieses Thema hat 73 Antworten
und wurde 5.470 mal aufgerufen
 IV.1. Modellbahnbetrieb als Ideologie
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Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.829

24.02.2009 15:52
Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Hallo Zusammen,

ich reiße mal eine Bemerkung OOKs aus einem anderen Thread, die mir irgendwie Probleme bereitet.

Zitat von OOK

Man muss sich nicht nur ein Vorbild heraussuchen, das einem "gefällt", das nachbaubar ist, sondern eins, das auch den Betrieb hat(te), den man durchzuführen wünscht.



Meine Frage ist nun: Wieviel Betrieb ist denn überhaupt auf einer Heimanlage möglich, ohne daß das Vorbild auf der Strecke bleibt?

Unsere Räume lassen ja eigentlich nur Neben- und Kleinbahnen als Vorbild zu, aber man plant einen Verkehr abzuwickeln, der einer Hauptbahn Ehre macht: viele Güter- und Personenzüge, viele Zugkreuzungen etc. Da schliese ich mich mit meinen ersten Planungen nicht aus. Dazu kommt natürlich auch noch die Modellzeit dazu, die diese "unnatürliche" Dramaturgie erhöht.
Natürlich darf jeder auf seiner Anlage soviel Betrieb machen wie er will und kann, aber irgendwie spukt mir nun die immer größere Vorbildkenntnis in die Suppe. Denn gerade der gewünschte "viele" Betrieb hat natürlich Auswirkungen auf die Anlagenplanung, auf Länge und Anzahl der Bahnhofsgleise, die Signalisierung, Personal, Steuerung, Schattenbahnhöfe, Aufwand, Platz etc.!
Aber ist es dann wirklich vorbildlich, daß sich zum Beispiel auf einer Strecke mit Zugleitbetrieb fünf mal am Tag in einer Station sich Züge kreuzen, oder das auf so einer Strecke 2 Ng-Paare jeden Tag fahren? Soll der Betrieb zur Anlage passen, oder wie weit darf man denn übertreiben ohne unglaubwürdig zu werden? Oder besteht bei uns die Gefahr von "zu viel" Betrieb?
Modelleisenbahn ist immer ein Kompromiss, und mich würde mal intressieren wie andere darüber Denken, oder wo ihre Bedürfnisse und/oder Kompromisse sind mit dem Fokus Betrieb. Oder um auf die Bemekung oben zurück zu kommen, wenn ich den Betrieb geplant habe, ist die Umsetzung auch baubar und vorbildlich?
Also Leute wie haltet ihr es mit der Religion, äh, dem Betrieb?

Gruß Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

sieben_k Offline



Beiträge: 111

25.02.2009 12:33
#2 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

In Antwort auf:


Meine Frage ist nun: Wieviel Betrieb ist denn überhaupt auf einer Heimanlage möglich, ohne daß das Vorbild auf der Strecke bleibt?



Problembereitend sollte diese Frage aber nicht sein. Die Antwort hast du dir ohnehin eigentlich selbst gegeben:

Es wird immer so sein, dass im Grunde jeder das macht, was er selbst will, um es dann mehr oder weniger mit dem Mäntelchen „Vorbildgerecht“ zu verhüllen, damit er auch gegen die Konkurrenz bestehen kann, da schließe ich mich keineswegs aus.
Das ist meistens auch gar nicht so schwer, denn erfahrungsgemäß gibt es bei der Bahn nichts, was es nicht doch irgendwo gibt, oder gegeben hat.
Um bei deinem Beispiel zu bleiben: Die fünf Kreuzungen und zwei Ng sind doch in Ordnung, wenn es für dich persönlich passt, und du dich ausgelastet fühlst. Ebenso gut kannst du die Zahlen aber auch verdoppeln, oder verdreifachen.
Oder du spielst mit dem Zeitfaktor solange, bis auch die fünf Kreuzungen angenehmen Stress bereiten.
Wenn du es als Rechtfertigung brauchst, wird sich von der Betriebsdichte her für jede gewünschte Intensität ein passendes Vorbild finden lassen.
Auch das Zusammenpassen von Anlagenkonzept und Fahrzeugbestand dürfte sich von selbst regeln.

Du bist jedoch immer gezwungen, selbst modellierend einzugreifen, denn einen Originalbetrieb genauestens nachzuspielen, kann man schlichtweg vergessen. Ein kleinstädtischer Bf an einer Hauptstrecke hatte früher bestimmt 15 – 20 Bedienstete. Willst du all deren Jobs mit all ihren Schreibarbeiten, Leerzeiten und Pausen in deiner Person vereinen? Bereits mit der Führung von zwei drei Lokomotiven ist man doch schon vollauf beschäftigt.
Ergo sucht man sich nur das aus, was wirklich gefällt, der Rest findet allerhöchstens in Gedanken oder gar nicht statt.

Die Hauptsache ist doch, dass das wenige nachvollzogene auch für dritte einigermaßen echt aussieht, und von dir beherrschbar ist.

Dies herauszufinden, ist allerdings im Planungsstadium nicht gerade leicht, daher ist es sehr vorteilhaft, so früh wie möglich, wenn die ersten Gleise liegen, Probebetrieb - am besten auch mal zu mehreren, wenn es später so vorgesehen ist - zu machen, um Klarheit über die Planungen zu erhalten und eventuell Änderungen noch einfließen zu lassen.

Einen Aspekt möchte ich noch ansprechen, den es auf allen kleinen bis mittelgroßen Bf sehr wohl gibt, den aber wohl niemand im Modell nachvollziehen will: Die Zeiten, wo absolut nichts passiert, die sogar ausgesprochen lang sein können, und sich nicht unbedingt auf die Zeiten zwischen 0:00 und 5:00 erstrecken müssen.
Damit hätten womöglich viele ihre Schwierigkeiten, denn vor der Anlage sitzen und auf den nächsten Zug warten, ist zwar äußerst realistisch, aber im Modellbetrieb kaum erwünscht.
Also gestaltet man den Fahrplan mehr oder weniger bewusst so, dass möglichst gleichmäßig immer etwas los ist, entfernt sich dadurch natürlich schon wieder vom Vorbild, und macht das, (siehe oben) was man selbst will. Ist doch OK.

Peter

OOK Offline




Beiträge: 4.036

26.03.2009 19:58
#3 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Zitat von Pfalzbahn

Meine Frage ist nun: Wieviel Betrieb ist denn überhaupt auf einer Heimanlage möglich, ohne daß das Vorbild auf der Strecke bleibt? Unsere Räume lassen ja eigentlich nur Neben- und Kleinbahnen als Vorbild zu, aber man plant einen Verkehr abzuwickeln, der einer Hauptbahn Ehre macht: viele Güter- und Personenzüge, viele Zugkreuzungen etc.
sieben_k hat hierauf geantwortet, dass es für jede Art von Betrieb irgendwo ein Vorbild gibt. Das dürfte wohl stimmen. Eine eingleisige Strecke muss übrigens keine Nebenbahn sein. Wenn ich die eingleisige Strecke Dortmund-Münster nehme, dann kreuzen darauf alle Stunde die IC, + alle halbe Stunde die RB untereinander und mit den IC. Das ist ein Ramba-Zamba ohne Ende.
Oder nehmen wir die Albulabahn: eingleisige Hauptbahn in Meterspur! Alle Stunde kreuzen die im Takt fahrenden Reisezüge in Thusis, Filisur und Preda. Hinzukommen noch werktags ca. fünf bis sieben Güterzugpaare.
gut, das sins extreme Beispiele. Für mich interessanter ist Harzquerbahn. die hatte vor dem Kriege zwischen Wernigerode und Drei-Annen-Hohne täglich sechs Reisezugpaare, Zahl der Güterzüge unbekannt.

Im Kursbuch sommer 1936 finde ich auf folgenden eingleisigen Nebenbahnen werktags folgende Reisezugpaare:
Wulften - Duderstadt 8; Herzberg - Osterode - Seesen 11; Scharzfeld - St. Andreasberg 10; Goslar - Altenau 9; Heide - Büsum 9, Wrist - Itzehoe 10; Putbus - Göhren in der Saison 7; Freita-Potschappel - Wilsdruff (750mm) 12; Eibenstock unt.Bf - ob. Bf 12; Aschersleben - Quedlinburg 9; Celle - Wittingen (OHE) 9; Bielefeld - Enger (Meterspur) 7, sonntags 9; Bremen - Tarmstedt (Jan Reiners, Meterspur) 12; Bielelfeld - Osnabrück 7, Münster - Neubeckum (kleinbahn) 10; Alle hatten mind. ein Ng-Paar pro Tag,das war damals normal, denn anders kamen keine Frachten.
Wer es gern etwas ruhiger mag, kann sich hier was aussuchen: Züssow - Jarmen 1; Barth - Damgarten (Meterspur) 3; Stavenhagen - Bredenfelde 1 (Mi und Sa 2);Grumkowsfelde - Schwirndt 1; Puppen - Friedrichshof (600mm) 1 (nur Di, Do, Sa); und als Schlusslicht Kraupischken - Ragnit (Meterspur) 1 (nur Mo und Do außer Feiertag), also nur 2 Züge pro Woche.Da kann man vierzehn Tage in einer Session durchspielen. Na, wie isses?


OOK
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Bocklbahn Offline




Beiträge: 76

27.03.2009 08:50
#4 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten
Zitat von Pfalzbahn
Aber ist es dann wirklich vorbildlich, daß sich zum Beispiel auf einer Strecke mit Zugleitbetrieb fünf mal am Tag in einer Station sich Züge kreuzen, oder das auf so einer Strecke 2 Ng-Paare jeden Tag fahren?


Hallo Pfalzbahn,

hier kam mir spontan eine Betriebssituation meiner Hausstrecke Weiden-Neustadt-Vohenstrauß-Eslarn in den Sinn. Hier waren die beiden Ng-Paare Pflicht. Der erste Ng war auch jeden Tag der erste Zug auf der Strecke. Müßte mal die Fahrzeiten nachschlagen. Er verkehrte so etwa in der Zeit 2.30 - 5.00 Uhr auf der ersten Hälfte der Strecke bis Vohenstrauß (24 km). Dort angekommen wurde der Packwagen beiseite gestellt und abgestellte Personenwagen übernommen, die dann den ersten Frühzug in der Gegenrichtung nach Weiden bildeten. Der zweite Ng folgte etwas später und bediente die Anschließer zwischen Vohenstrauß und Eslarn. Dort angekommen, waren ebenfalls Personenwagen abgestellt, das gleiche Spiel also wie in Vohenstrauß.

Spät am Abend ging das gleiche in der Gegenrichtung. Die Personenzüge verkehrten als die letzten von Weiden ab und wurden wieder in Vohenstrauß bzw. Eslarn abgestellt. Im Gegenzug wieder die Packwägen übernommen und es ergaben sich automatisch die beiden Gegen-Ng's, welche die Güterwägen wieder einsammelten. Meines Wissens traf der Eslarner Ng erst nach 23 Uhr wieder in Weiden ein, so dass die nächtliche Zugpause auf der Nebenbahn gerade mal so ca. 3 Stunden lang war. Die Zugkreuzungen in Floß und Vohenstrauß ergaben sich automatisch, auch tagsüber mit den Personenzügen.

Dieser Betrieb ist mir so in der späten Epoche 3 / frühen Epoche 4 bekannt. Zuvor, als die Lokalbahnmaschinen noch in den Endstationen übernachteten müsste man den Betrieb halt umdrehen, also dass zuerst die Früh-Personenzüge zum Kontenpunkt fahren und dort ihre Ng's übernehmen
(Lokschuppen in Vohenstrauß und Eslarn vorhanden).

Natürlich muß die Nebenbahn dann auch schon eine entsprechende Länge aufweisen (im Beispiel 49 km + 7 km Hauptbahn zwischen Neustadt/Waldnaab und Weiden). Auf unseren kleinen Anlagenflächen sicherlich ein Platzproblem.

Meine spontanen Gedanken: Entweder man akzeptiert ein 3-4 m lange Strecke in H0 (mit Anschlußgleis unterwegs) als so lange Strecke, oder, das habe ich auch schon mal gehört, man schaltet einen seriellen Schattenbf dazwischen, auf dem der Zug entsprechende Modellzeit gewinnen kann. Wenn beim Ng die Wagen verändert werden sollte müsste man dann wie bei OOK's Juniorenanlage (siehe ebook) eine Eingriffsmöglichkeit vorsehen.

Soweit mal meine spontanen Gedanken.

Gruß Robert
OOK Offline




Beiträge: 4.036

27.03.2009 21:18
#5 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Eine sehr interessante und lehrreiche Vorbildsituation hast du uns da aufgetischt, Robert. Besonders den Satz

Zitat von Bocklbahn
Hier waren die beiden Ng-Paare Pflicht.

finde ich wichtig. Eine gute Grundlage zur Planung von Modellbetrieb.

OOK
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Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.829

27.03.2009 21:36
#6 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten
Hallo Zusammen,

mir geht es primär eigentlich nicht um die Anzahl der Züge. Ich sehe eher die Gefahr das die Betriebsstellen (auf unseren Modellbahnen) nicht zum gewünschten Betrieb passen oder einfach gesagt zu klein sind. Zu den von OOK genannten Zahlen müsste sich man mal die Streckenbänder betrachten, um die Umsetzbarkeit zu überprüfen. Nebenbei, die WLE als Kleinbahn zu bezeichnen finde ich persönlich ein wenig untertrieben . Ich habe mir auch ein paar Nebenbahnen bei mir im Umfeld angeschaut, jedenfalls die wo ich Literatur gefunden habe. Die mit mehr Betrieb haben schon einiges an Infrastruktur, die bei einer Umsetzung sehr verändert werden müsste bzw. die einfach zu groß sind für meinen Platz.

Gruß Hubert

PS: Nebenbei, wäre toll wenn die Jäger und Sammler mal ein paar alte Vorbildbildfahrpläne zur Inspiration einstellen könnten. Unsere Lieblinge, die Güterzüge, stehen halt leider nicht im Kursbuch.

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

Wolfgang Offline




Beiträge: 74

28.03.2009 11:07
#7 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Wenn ich mir den Bildfahrplan der Kassel-Naumburger Kleinbahn anschaue, 68/69, so gibt es viel Triebwagenverkehr. Aber es verkehrt nur eine Übergabe auf der Strecke. Die Ausnahme ist Kassel-Baunatal. Zum VW-Werk gibt es fast stdl. Übergaben.

Wolfgang

OOK Offline




Beiträge: 4.036

28.03.2009 11:32
#8 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Zum Vergleich Kassel - Naumburg Sommer 1936: werktags (z.T. außer Sa) 7 Reisezugpaare, vier weitere nur bis Großenritte. Dazu vermutlich der Ng über die ganze Strecke. Halt alles eine Frage der Epoche.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

Rainer Offline



Beiträge: 39

31.03.2009 22:52
#9 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten
Außerdem muss man nicht zwingend einen ganzen Tag durchspielen. Die Beschränkung auf einen bestimmten Tagesabschnitt finde ich als Idee (von wem stammte die doch gleich, Otto?) auch sehr gut.

Aber die obige Frage lautet: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch?
Manchmal bin ich schon sehr gemein, dann brauche ich überhaupt keinen.

Ich kann nur sagen, wie es bei mir ist. Als ich lediglich einen Bahnhof hatte, ohne Strecke, ohne Fiddle, aber mit Güterwagenumlaufsystem, da reichte mir das Auflösen eines GmP und das Bilden des Gegenzuges völlig. Damit war ich etwa 30 min bis 40 min beschäftigt. In H0e und Analog mit einer Lok und einem guten Dutzend Güterwagen. Mehr brauchte ich nicht.

Bei der Planung meiner neuen Anlage habe ich mir die Frage nach dem Betrieb dann auch wieder gestellt. Das Ergebnis war ernüchternd und hat prompt Einzug in die Planung gefunden:
- In der Regel fahre ich alleine.
- In der Regel werde ich keinen ganzen Fahrplantag durchspielen, sondern nur einen Zug fahren: GmP bilden - fahren - Zug auflösen und daraus Gegenzug bilden - zurückfahren - Auflösen.
Das heißt: kein Fiddleyard, da ich mich sonst zuviel Zeit mit Dingen beschäftigen muss, die keine Entsprechung im Großbetrieb haben. Darüber habe ich lange und immer wieder nachgedacht. Meine Entscheidung ist in diesem Punkt endgültig, auch wenn der Anlagenplan selbst immer wieder verändert wird.
Außerdem verzichte ich auf einen richtgen Kreuzungsbahnhof. Gekreuzt werden kann über ein Ladegleis, das einseitig angeschlossen ist. Aber nur, wenn ich Besuch habe, der beim Betrieb mitmacht. Dann werde ich nach einem besonderen Fahrplan fahren, in dem Zugkreuzungen vorkommen, damit es nicht zu langweilg wird.

Mir reicht also ein "Minimal-Betrieb". Den kann ich dann richtig "zelebrieren", wie ein Freund das mal ausgedrückt hat.
Von Anderen habe ich Ähnliches auch gelesen.

Was für Dich richtig ist, musst Du selber entscheiden, Hubert.

Meint
Rainer
Bocklbahn Offline




Beiträge: 76

31.03.2009 23:37
#10 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten
Hallo Rainer,

das kann ich auch gut nachempfinden. Lieber einen Zug richtig und mit Genuß "zelebriert".

Irgendwo hier habe ich mal den Vergleich zu einem Theaterstück gelesen, dass auf der Bühne der Modelleisenbahn stattfindet. Der aufgestellte Fahrplan ist das Programm, welches sich beim Theater normalerweise ja in einzelne Akte unterteilt.

Vielleicht könnte man beim Betrieb als Einzelkämpfer seinen persönlichen Fahrplan auch in einzelne Akte aufteilen. Wenn ich z. B. nur eine halbe Stunde Zeit habe, dann mache ich Akt Nummer XY (z. B. Vormittagsbetrieb), wo nur er Personenzug verkehrt, meinetwegen mit einem Güterwagen für die Endstation, der im Ladegleis zugestellt wird. Habe ich bei einer anderen Session mehr Zeit, nehme ich den Akt heraus, wo der Güterzug verkehrt, oder ich verbinde Akt 2 und 3, wo halt dann bestimmte Teile meines Fahrplans durchgespielt werden.

Einziges Problem dass ich dabei sehe ist die Zu- und Abfuhr der Güterwagen. Was ich meine: Wenn ich (jeweils verteilt auf mehrere Session) den Teil der Zustellung "aufgeführt" habe und dazwischen so und soviel mal der Zwischenakt des einfachen Personenzug-Umlauf lief, sollte dann der Teil der Abfuhr folgen, da sonst die Anhäufung der Güterwägen (Güterwagenumlauf!) nicht mehr vorbildgerecht ist.

Es grüßt
Robert
OOK Offline




Beiträge: 4.036

01.04.2009 04:30
#11 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Eine Frage vorweg: Wer ist denn nun dieser "gemeine Mensch"?
Spätestens Rainers Post hat mir klar gemacht, dass in diesem Fred damit der Einzelkämpfer gemeint ist, der seine Anlage allein betreibt.
Was Rainer da über seine Präferenzen erzählt hat, ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn ich kenne Rainer auch, wie er sich mit Planzügen über die BAE II kämpft, Fahrerlaubnisanfragen machend, hier und dort eine Kreuzung "zelebrierend", eine anderen Zug überholend oder überholt werdend, und ich kenne ihn auch als Zugleiter, wie er mehr als ein Dutzend Zugpaare sicher durch das Dickicht eines Bildfahrplans dirigiert. Diese Seite seines Egos hat er hier also verschwiegen. (Mal sehen wie er jetzt darauf reagiert, dass ich ihn geoutet habe.)

Bleiben wir also beim Einzelkämpfer. Da habe ich nicht viel mitzureden, weil ich es nie sein wollte. Aber ich kann mal wieder Hugo Schwilch zitieren, einen der ersten Betriebsmodellbahner dieses Kontinents. Der war immer Einzelkämpfer.Und er hatte einen Fahrplan und ein Güterwagenumlaufsystem. Wenn er Zeit hatte, Betrieb zu machen, dann machte er Betrieb. Aber er nahm sich nicht seine Lieblingszugfahrt heraus, sondern machte da weiter, wo er beim letzten Mal aufgehört hatte.
Deswegen war auch schon vorgegeben, was von wo nach wo musste, etc. Und wenn seine Zeit ablief, fuhr er einen Zug noch bis zum Zielbahnhof, markierte auf einer Tafel, an welcher Stelle des Fahrplans er war und machte Schluss. Und fing beim nächsten Mal genau da wieder an.

Das bedeutete natürlich, dass er nicht zwischendurch mal just for fun, einen Zug von a nach b fuhr, auch nicht, um einem allfälligen Besuch etwas vorzuführen. Selbst dann spielte er ein Stück seines immerwährenden Fahrpland durch.
Also ich rate euch nichts, steht mir nicht zu, aber dieses Beispiel, das ich selbst mehrfach miterlebt habe, solltet ihr kennen.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

Wolfgang Offline




Beiträge: 74

01.04.2009 15:17
#12 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Es gibt von Hugo Schwilchs Holzheimeerbahn auch eine Seite: Holzheimerbahn

OOK Offline




Beiträge: 4.036

02.04.2009 09:12
#13 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Zitat von Bocklbahn

Irgendwo hier habe ich mal den Vergleich zu einem Theaterstück gelesen, dass auf der Bühne der Modelleisenbahn stattfindet. Der aufgestellte Fahrplan ist das Programm, welches sich beim Theater normalerweise ja in einzelne Akte unterteilt.

Dieser Vergleich stammt von Frank Ellison, der schon in den Dreißigern(!) auf seiner Spur 0-Anlage The Delta Lines Betrieb machte. Die Anlage sah er als Bühne und Kulisse, die Züge als die Spieler und den Fahrplan als das Stück, das gespielt wird. Dieser Vergleich ist heute noch genauso aktuell und Grundlage all meines modellbahnerischen Denkens.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.829

02.04.2009 10:00
#14 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Zur Ergänzung anbei ein Link zu The Delta Lines, der auch für Normalsterbliche ohne MR-Abo funktioniert.

Gruß Hubert

PS: Auf den Seiten vom Modelrailroader, lohnt es sich immer mehr zu stöbern, inzwischen wird eine Menge von Bonusmaterial eingestellt. Für Abonnenten gibt es noch viel mehr, zum Beispiel die Trackplan Database.

Gruß Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

Rainer Offline



Beiträge: 39

02.04.2009 23:38
#15 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten
Zitat von OOK
Was Rainer da über seine Präferenzen erzählt hat, ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn ich kenne Rainer auch, wie er sich mit Planzügen über die BAE II kämpft, Fahrerlaubnisanfragen machend, hier und dort eine Kreuzung "zelebrierend", eine anderen Zug überholend oder überholt werdend, und ich kenne ihn auch als Zugleiter, wie er mehr als ein Dutzend Zugpaare sicher durch das Dickicht eines Bildfahrplans dirigiert. Diese Seite seines Egos hat er hier also verschwiegen. (Mal sehen wie er jetzt darauf reagiert, dass ich ihn geoutet habe.)


Klar, wenn's so richtig abgeht mit allem Drum und Dran auf einer entsprechenden Anlage, dann ist das schon ganz schön "geil"!
Aber die BAE ist ja auch keine "gemeine" Anlage, die von "gemeinen" Leuten betrieben wird.
(So, und jetzt habe ich genug auf dem "gemein" rumgeritten, versprochen.)

Die Frage lautete, wieviel Betrieb braucht man; und da habe ich meine Minimalanforderung beschrieben. Manchmal ist mehr doch besser, besonders beim Betrieb. Allerdings ist dieser Powerbetrieb, wie er auf der BAE II stattfand, nicht unbedingt was für alle Tage. Zu Hause möchte ich es auch mal ruhiger, besonders nach einem anstrengenden Arbeitstag, so zur Entspannung. Denn entspannend ist der Zugleiterposten meistens nicht, auch wenn er verdammt viel Spaß macht.
Beim Betrieb mit mehreren Leuten hat man das Gefühl wirklich Teil einer richtigen Eisenbahn zu sein. Das hat man als einsamer Wolf natürlich nicht.

Es grüßt das Rudel mit geheul
Rainer
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