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Modellbahnanlagen
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Dieses Thema hat 73 Antworten
und wurde 5.684 mal aufgerufen
 IV.1. Modellbahnbetrieb als Ideologie
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Conrail-Markus Offline



Beiträge: 33

04.04.2009 08:46
#16 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

In Antwort auf:
Meine Frage ist nun: Wieviel Betrieb ist denn überhaupt auf einer Heimanlage möglich, ohne daß das Vorbild auf der Strecke bleibt?


Da die räumlichen Möglichkeiten sehr verschieden sind, kann hier meiner Meinung keine allgemein gültige Aussage getroffen werden.

Erinnert sei z.B.an die RePa-Bahn und den Bahnhof Altenbeken. Der Raum war nicht sonderlich groß und die Radien weit unter exakt 1:87 und trotzdem hatte die Anlage ein Flair, welches einen erahnen ließ wie es im echten Altenbeken um 1960 zu ging.

Mal eine andere Frage, müssen denn auf einer von einer Person betriebenen Modellbahn im Hintergrund Aktionen ablaufen während man z.B. mit der Bedienung eines Fabrikanschlusses beschäftigt ist?

Eine weitere Frage, wenn man nur eine Klein- oder Nebenbahn hat, wird es auf dauer nicht frustrierend und langweilig wenn man nur nach 1:1 Fahrplan fährt? Es gibt sicherlich Leute die sich für Stunden von einer kleinen Lok fesseln lassen, welche langsam über die Gleise gleitet aber irgendwann verliert auch das seinen Reiz.

So fängt man doch an die Zeit zu raffen, weil man eben etwas Betrieb vulgo Beschäftigung haben will, denn nichts ist tödlicher als eine langweilige Modellbahn!

sieben_k Offline



Beiträge: 111

05.04.2009 21:37
#17 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten
Zitat von Conrail-Markus
Eine weitere Frage, wenn man nur eine Klein- oder Nebenbahn hat, wird es auf dauer nicht frustrierend und langweilig wenn man nur nach 1:1 Fahrplan fährt? Es gibt sicherlich Leute die sich für Stunden von einer kleinen Lok fesseln lassen, welche langsam über die Gleise gleitet aber irgendwann verliert auch das seinen Reiz.


Es wäre in der Tat schlimm, wenn "die kleine Lok" das einzige wäre, was hier fesseln würde.
Das, was Modellbahnbetrieb fesselnd, spannend, anspruchsvoll und somit zu einer befriedigenden Freizeitbeschäftigung macht, ist nicht das Beobachten eines oder mehrerer Fahrzeuge.

Nein, es ist allein das Nachbilden der Betriebsabläufe, das Bilden eines Zuges, das Durchführen einer Kreuzung, Rangierarbeiten unterwegs, und am Ende die Zerlegung eines Zuges, das den (die) Betreiber (für mehrere Stunden) bei der Stange hält.
Beschränkst du dich nur aufs Schauen, was da so durch den Bahnhof rauscht, brauchst du notgedrungen alle paar Minuten was neues, weil der moderne Mensch im allgemeinen Reizarmut schlecht verträgt. Wenn du dann nach 30 Minuten die 10 Züge des Schattenbfs "durch" hast, und der erste wieder erscheint, besteht schon die Gefahr der Langeweile, spätestens nach dem zweiten Durchlauf.

"Die kleine langsam gleitende Lok" verliert jedoch auch nach zwei Stunden noch nicht ihren Reiz, weil sie eben nicht nur als Selbstzweck dahingleitet, sondern eine Arbeit zu tun hat, bei der sie mitnichten die Hauptperson ist.
Es gilt Transportaufgaben zu lösen, die oft so verzwickt sind wie Kreuzworträtsel und so anspruchsvoll wie ein Schachspiel, weil stets mehrere (Rangier)züge vorausgedacht werden muß.
Aus meiner bescheidenen Praxis kann ich dir versichern, daß ich zum Zerlegen eines 5-Wagen-Zuges ca eine halbe Stunde brauche, und somit ein 1:1 Fahrplan die einzige Möglichkeit ist, zeitlich zurechtzukommen. Auf die Lok schaut man da eher seltener, um sich an den sich bewegenden Stangen zu erfreuen, sondern man hat den (die) Puffer im Auge, auf daß man sich beim Heranfahren nicht verbremse.
Fazit: meine "Sitzungen" (wenn es nur im Sitzen wäre!) enden stets durch äußere Umstände, nie durch so etwas wie Langweile - kenne ich nicht.

sieben_k
eisenhans Offline




Beiträge: 394

05.04.2009 21:48
#18 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Zitat von sieben_k
Das, was Modellbahnbetrieb fesselnd, spannend, anspruchsvoll und somit zu einer befriedigenden Freizeitbeschäftigung macht, ist nicht das Beobachten eines oder mehrerer Fahrzeuge.
Nein, es ist allein das Nachbilden der Betriebsabläufe, das Bilden eines Zuges, das Durchführen einer Kreuzung, Rangierarbeiten unterwegs, und am Ende die Zerlegung eines Zuges, das den (die) Betreiber (für mehrere Stunden) bei der Stange hält.
Beschränkst du dich nur aufs Schauen, was da so durch den Bahnhof rauscht, brauchst du notgedrungen alle paar Minuten was neues, weil der moderne Mensch im allgemeinen Reizarmut schlecht verträgt. Wenn du dann nach 30 Minuten die 10 Züge des Schattenbfs "durch" hast, und der erste wieder erscheint, besteht schon die Gefahr der Langeweile, spätestens nach dem zweiten Durchlauf.


Wie wahr, wie wahr, eine Superformulierung für einen Sachverhalt, der die ganze Ideologie des Modellbahnbetriebs zusammenfasst. Den Satz sollte OOK in sein e-book aufnehmen. Meint

Der Eisenhans

Rainer Offline



Beiträge: 39

06.04.2009 00:18
#19 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten
Besser kann man es nicht formulieren. Genau so, wie sieben_k es beschrieben hat, ist es!

Rainer
ow Offline




Beiträge: 249

06.04.2009 13:17
#20 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten
Zitat von sieben_k
Das, was Modellbahnbetrieb fesselnd, spannend, anspruchsvoll und somit zu einer befriedigenden Freizeitbeschäftigung macht, ist nicht das Beobachten eines oder mehrerer Fahrzeuge.
Nein, es ist allein das Nachbilden der Betriebsabläufe, das Bilden eines Zuges, das Durchführen einer Kreuzung, Rangierarbeiten unterwegs, und am Ende die Zerlegung eines Zuges, das den (die) Betreiber (für mehrere Stunden) bei der Stange hält.
Beschränkst du dich nur aufs Schauen, was da so durch den Bahnhof rauscht, brauchst du notgedrungen alle paar Minuten was neues, weil der moderne Mensch im allgemeinen Reizarmut schlecht verträgt. Wenn du dann nach 30 Minuten die 10 Züge des Schattenbfs "durch" hast, und der erste wieder erscheint, besteht schon die Gefahr der Langeweile, spätestens nach dem zweiten Durchlauf.


Zitat von eisenhans
Wie wahr, wie wahr, eine Superformulierung für einen Sachverhalt, der die ganze Ideologie des Modellbahnbetriebs zusammenfasst. Den Satz sollte OOK in sein e-book aufnehmen.


Zitat von Rainer
Besser kann man es nicht formulieren. Genau so, wie sieben_k es beschrieben hat, ist es!



Euer Neuling im Kreise empfindet nach 20 Jahren „Moba spielen“: die Mischung machts. Wenn nach einem recht versauten Tag (die Kunden sind unmöglich, der Chef sauer und die Ehefrau na, da reden wir lieber nicht drüber, ) mag ich mir keine mißlungenen Rangiermanöver mehr zumuten. Es ist schon jetzt, auch bei meiner noch nicht fertigen Anlage ein erhebender Anblick, wenn man bequem auf dem Schreibtischsessel lümmelnd, ein kühles Bier in der Armbeuge, den Blick über den in Augenhöhe liegenden Bahnhof (immer mal wieder probeweise aufgestellt) nach oben schweifen lässt und die Züge über das Landwasser-Viadukt rauschen und im Tunnel verschwinden sieht. Auch einpaarmal hintereinander.
Das ist Modellbahnfreude und Entspannung pur, da kommt die außer Fassung gekommene Psyche wieder aufs Gleis.
Euer ow
eisenhans Offline




Beiträge: 394

06.04.2009 14:12
#21 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Zitat von ow
Euer Neuling im Kreise empfindet nach 20 Jahren „Moba spielen“: die Mischung machts. Wenn nach einem recht versauten Tag (die Kunden sind unmöglich, der Chef sauer und die Ehefrau na, da reden wir lieber nicht drüber, ) mag ich mir keine mißlungenen Rangiermanöver mehr zumuten.

Hallo ow, wie wär's denn zur Abwechslung mit einen gelungenen Rangiermanöver? Oder ist das jenseits deiner Vorstellungskraft?
Ich weiß aus meiner - noch recht bescheidenen - Erfahrung, dass das sehr befriedigend sein kann und die Stimmung hebt. Was würdest du denn als ein "misslungenes Rangiermanöver" betrachten? Fragt

Der Eisenhans

Conrail-Markus Offline



Beiträge: 33

06.04.2009 15:26
#22 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten
@ sieben_k

Ich glaube es kam nicht so richtig rüber was ich sagen wollte. Es besteht hier ja immer eine Grundtendenz zur Neben- und Kleinbahn weil das ja angeblich das Größte ist was man(n) allein betrieblich beherrschen kann.
Worin liegt der Reiz an einer kleinen Station mit einer kleinen Lok 2 Wagen an der Ladestraße abzustellen und einen G-Wagen an den Güterschuppen zu rangieren?
Macht man(n) es wirklich Vorbildgetreu, dann war dieses Manöver das Highlight des Tages ... mehr passiert(e) an solchen Stationen - außer P-Zug Halten - nicht.

Ich rangiere auch sehr gerne (siehe meinen Anlagenplan -> http://157949.homepagemodules.de/topic-t...forum=13&id=127 ) aber will man wirklich anhaltenden Betrieb, braucht es schon einer größeren Station mit vielen Anschließern oder eines größeren Industriebetriebes. Ansonsten kommen wir ja wieder zum Zeitraffer und das einer Strecke mehr Modellbetrieb aufgelastet wird als das Vorbild je zu verkraften hatte.

Frage war doch:
Wieviel Betrieb ist denn überhaupt auf einer Heimanlage möglich, ohne daß das Vorbild auf der Strecke bleibt?
Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.859

06.04.2009 18:26
#23 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Hallo Markus,

Zitat von Conrail-Markus
@ sieben_k
....Es besteht hier ja immer eine Grundtendenz zur Neben- und Kleinbahn weil das ja angeblich das Größte ist was man(n) allein betrieblich beherrschen kann.
Worin liegt der Reiz an einer kleinen Station mit einer kleinen Lok 2 Wagen an der Ladestraße abzustellen und einen G-Wagen an den Güterschuppen zu rangieren?
Macht man(n) es wirklich Vorbildgetreu, dann war dieses Manöver das Highlight des Tages ... mehr passiert(e) an solchen Stationen - außer P-Zug Halten - nicht. ....


so ganz einfach ist es nicht, zu einem ist Hauptbahn ein weiter Begriff. Er geht von der linken Rheinstrecke mit hoher Zugdichte bis zur Glanbahn, die bei gleichem Ausbau wie die Rheinstrecke betrieblich nur eine Nebenbahn war. Der Aufwand für etwas mehr Betrieb einer Hauptbahn steht in keinem Aufwand zum Platzbedarf und Bau der Anlage, diese Ansicht musste ich auch erst lernen. Eine Eisenbahnanlage sollte halt nach meiner unerheblichen Meinung nicht nur betrieblich sondern auch bau- und finazierbar sein. Eine andere Sache ist wieviele Stationen die Anlage haben soll, bei einer würde ich auch eher ein mittleren Knotenbahnhof einer eingleisigen Hauptstrecke bauen. Will man mehrere Betriebsstellen mit etwas Strecke sucht man sich kleinere Vorbilder wie eben Nebn-, Klein- oder Schmalspurbahnen.
Auch muss man aufpassen mit dem Vergleich mit amerikanischen Bahnen (ich mach mal da wieder ein Fass auf ).
Ich stell mal die These auf dass eine längere deutsche Nebenbahn in Epoche II/IIIa einen dichteren Verkehr hatte als ein eingleisige Hauptbahn in der USA in den 50ern. Da wir bei unseren deutschen Vorbildern immer einen starken Personenverkehr hatten, der in dieser Form es in der USA nicht gab. Da wären jetzt mal wieder vergleichende Bildfahrpläne gut!
Auf der Nebenbahn kann es schon spannend sein, bei mehreren Stationen, nur 2 Wagen zuzustellen, wenn z.B. schon ein Wagen da steht, der nicht bewegt werden darf, oder wenn ich mit dem Personenzug den rangierenden Ng kreuze.

Gruß Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

OOK Offline




Beiträge: 4.140

06.04.2009 18:31
#24 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Zitat von Conrail-Markus
Frage war doch:
Wieviel Betrieb ist denn überhaupt auf einer Heimanlage möglich, ohne daß das Vorbild auf der Strecke bleibt?

Ja, das war die Frage des Fred-Eröffners. Und der Titel des Freds ist "Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch?" Diese beiden Fragen überschneiden sich inhaltlich, sind aber dennoch nicht dasselbe.

sieben_k möchte in einem kleine Bahnhof mit wenigen Wagen rangieren, Conrail-Markus in einem großen Bahnhof mit vielen Wagen. Na und? Jeder nach seiner Fasson. Meine Variante ist da noch gar nicht dabei: ich möchte mit einer mittleren Zahl von Wagen in mehreren kleinen Bahnhöfen rangieren und dazwischen auch die Zugfahrten genießen. Und da erst kommt das Problem des Zeitraffers hinzu. Bei reinen Rangieranlagen braucht es den nicht, bei Streckenfahrten schon, sonst ist man nach 1,3 min. im nächsten Bahnhof. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

OOK
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Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.859

06.04.2009 18:41
#25 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

OOK hat da schon irgendwie recht, Betrieb ist halt nicht nur rangieren, sondern auch Fahren und da braucht man ein wenig Strecke.

Gruß Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

Conrail-Markus Offline



Beiträge: 33

06.04.2009 19:15
#26 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten
Zitat von Pfalzbahn
Hallo Markus,
Ich stell mal die These auf dass eine längere deutsche Nebenbahn in Epoche II/IIIa einen dichteren Verkehr hatte als ein eingleisige Hauptbahn in der USA in den 50ern. Da wir bei unseren deutschen Vorbildern immer einen starken Personenverkehr hatten, der in dieser Form es in der USA nicht gab. Da wären jetzt mal wieder vergleichende Bildfahrpläne gut!
Auf der Nebenbahn kann es schon spannend sein, bei mehreren Stationen, nur 2 Wagen zuzustellen, wenn z.B. schon ein Wagen da steht, der nicht bewegt werden darf, oder wenn ich mit dem Personenzug den rangierenden Ng kreuze.
Gruß Hubert


Diese These geht voll nach hinten los ...

US-Bahn besteht ja nicht nur aus der Union Pacific in den Weiten von Wyoming ... gerade an der Ostküste, in den Apalachen bis nach Chicago und St. Louis gab es etliche Hauptstrecken, welche dichten Personenverkehr - also rund 5-6 Personenzugpaare und 1-2 Schnellzugpaare (und mehr) aufwiesen.

Es ist ja nicht so, daß ich so ein Nebenbahnverkehr nicht selber schon ausprobiert hätte. Einzig der Nachbau - nur lose gesteckte Gleise und ein paar Gebäude - des Bahnhofs Werben der ehemaligen Kleinbahn Goldbeck-Werben (in der Altmark, nördlich von Stendal) konnte mich längere Zeit faszinieren. Dies ging aber auch nur mit Hilfe eines entsprechen ausgelegten Fiddleyards (und etwas Strecke) mit entsprechenden Zuggarnituren.

Nebenbahnen können abwechslungsreich gestaltet sein aber ich habe es auch beim Fremo schon erlebt, daß die Teilnehmer sich anderen Dingen widmeten weil der am Original angelehnte Fahrplan trotz Zeitraffer nicht genügend Aktionen bot.
ow Offline




Beiträge: 249

06.04.2009 19:46
#27 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

Zitat Eisenhans
Hallo ow, wie wär's denn zur Abwechslung mit einen gelungenen Rangiermanöver? Oder ist das jenseits deiner Vorstellungskraft?
Ich weiß aus meiner - noch recht bescheidenen - Erfahrung, dass das sehr befriedigend sein kann und die Stimmung hebt. Was würdest du denn als ein "misslungenes Rangiermanöver" betrachten?

Nun ja, es gibt doch Tage bei denen der Entkupplungsvorgang (fünffingerundeinepinzetteentkuppler)jedesmal mit Entgleisung endet, wenn der Wagen steht wo er soll, ist es vor Schussligkeit der falsche Wagen und so weiter.Da lass ich doch lieber diesen Transportauftrag einen Tag schmoren. Die Bananen die hier geladen sind werden deswegen nicht verfaulen. Morgen scheint die Sonne bestimmt wieder besser.
Meint ow

Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.859

07.04.2009 14:58
#28 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten
Zitat von Conrail-Markus

Diese These geht voll nach hinten los ...
US-Bahn besteht ja nicht nur aus der Union Pacific in den Weiten von Wyoming ... gerade an der Ostküste, in den Apalachen bis nach Chicago und St. Louis gab es etliche Hauptstrecken, welche dichten Personenverkehr - also rund 5-6 Personenzugpaare und 1-2 Schnellzugpaare (und mehr) aufwiesen.



Hallo Markus,

jetzt stellt sich mir die Frage wo hinten ist?
Natürlich gibt es für alles ein Vorbild, z.B. eine eingleisige Strecke mit ICs, aber die 5 bis 6 Personenzugpaare braucht man schon um den Verkehrsbedarf einer kleineren deutschen Kreisstadt an einer Nebenbahn zu decken. Hat die Stadt noch ein Bad im Namen kommt schon ein oder mehrere Heckeneilzüge oder Schnellzüge hinzu. Anbei noch ein größerer Anschließer im Ort, braucht man schon mehr wie ein Ng Paar, mehrere Ügs oder gar einen Gag mit Lgo, ein Ne (Naheilgüterzug) fürs Vieh und Stückgut schadet nicht, dazu kann der überregionale Bezirks-Dg im Bahnhof Wagen austauschen, wenn die Nebenbahn zwei Hauptstrecken (Knoten) verbindet. Was für Züge haben die Amis mehr? Die von den dir beschriebenen Strecken in den USA findet man aber auch kaum als Vorbild im Modelrailroder.

Zitat von Conrail-Markus

Es ist ja nicht so, daß ich so ein Nebenbahnverkehr nicht selber schon ausprobiert hätte. Einzig der Nachbau - nur lose gesteckte Gleise und ein paar Gebäude - des Bahnhofs Werben der ehemaligen Kleinbahn Goldbeck-Werben (in der Altmark, nördlich von Stendal) konnte mich längere Zeit faszinieren. Dies ging aber auch nur mit Hilfe eines entsprechen ausgelegten Fiddleyards (und etwas Strecke) mit entsprechenden Zuggarnituren.
Nebenbahnen können abwechslungsreich gestaltet sein aber ich habe es auch beim Fremo schon erlebt, daß die Teilnehmer sich anderen Dingen widmeten weil der am Original angelehnte Fahrplan trotz Zeitraffer nicht genügend Aktionen bot.


Hier sind zwei Sachen vermischt. Für einen interessanten Betrieb auf Dauer reicht ein Kleinbahnhof wahrscheinlich wirklich nicht. Hat man aber schon zwei oder mehr Betriebsstellen + Fiddleyard, stellt diese in einen wirtschaftlichen, historischen und landschaftlichen Kontext (wie exzellent bei der BAE praktiziert) sieht die Sache schon ganz anders aus. Denn dieser Kontext bzw. Konzept ist die Grundlage des Fahrplans, der erst die Würze ins Betriebsspiel bringt, mit/ohne Modellzeit.
Das Beispiel mit dem FREMO ist hier unpassend, da es in diesem Thema zu einem primär um Heimanlagen geht und für größere Modulanlagen andere Gesetze gelten. Bei einem FREMO-Treffen gibt es die Anlage maximal ein Wochenende lang mit teilweise wechselnden, „zu vielen ähnlichen“ Betriebsstellen und oft zu wenig Strecke. Einen betrieblich richtigen und spannenden Fahrplan der die oben genannten Voraussetzungen hat (Wirtschaft, Geschichte, etc.) entwickelt man nicht in ein paar Stunden, der Aufwand für ein Modultreffen wird einfach zu groß (Wobei ich aber betonen möchte das es garantiert Treffen gibt wo es ein guten Fahrplan gibt und die Organisatoren viel Vorarbeit geleistet haben!). Und ohne gescheiten Fahrplan kann ich es mir gut vorstellen, dass es zu den oben genannten Erscheinungen bei einem FREMO-Treffen geben könnte.

Gruß Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

sieben_k Offline



Beiträge: 111

07.04.2009 16:25
#29 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten

In Antwort auf:
Worin liegt der Reiz an einer kleinen Station mit einer kleinen Lok 2 Wagen an der Ladestraße abzustellen und einen G-Wagen an den Güterschuppen zu rangieren?
Macht man(n) es wirklich Vorbildgetreu, dann war dieses Manöver das Highlight des Tages ... mehr passiert(e) an solchen Stationen - außer P-Zug Halten - nicht.


Darf ich mir die Frage erlauben:

Was passiert denn an einem Bf mit 10 Gleisen anderes, wenn ein 40 Wagen Dg hält und 10 Wagen ausgesetzt werden sollen? Dann macht das eben die 44 (oder 151) - von mir aus auch noch mit Vorspann, aber ein größeres highlight ist es dadurch auch nicht.

Der Unterschied aber ist, und da bin ich absolut sicher:

Die 10 ausgesetzten Wagen werden sich kaum der gleichen vorbildgetreuen Abfertigung erfreuen, wenn sie auf, sagen wir mal, 5 Anschließer zu verteilen sind. Ich argwöhne stark, daß die halt irgendwo hingeschoben werden. Gut, das ist strenggenommen auch "rangiert".
Zeitraubende Begleitpapiere, aus denen hervorgeht, was wohin soll, dürfte es sowieso nicht geben.
Was willst du denn auch anderes machen. Schließlich mußt du ja den Dg auch noch weiterfahren. Und der Gegenzug kommt auch gleich.

Jedoch, bis du mit den 10 Wagen fertig bist, ist der kleine Ng vielleicht bei der nächsten kleinen Station angelangt, wo wieder ein kleines überschaubares - und darum vorbildgerecht abwickelbares Spielchen wartet.

Fazit ist, und da hat OOK vollkommen recht, im Grunde genommen möchte man eigentlich nur "ausgelastet" sein. Und das geht mit 2 Wagen genauso wie mit 10. Der Unterschied liegt m. Erachtens nur in der Vorbildnähe der Vorgänge.

Das könnte man sogar in eine mathematische Gleichung gießen:

Auslastung = behandelte G-Wagen : Modelltreuegrad der Güterabfertigung = constant

im Klartext: Die Anzahl der behandelbaren Güterwagen pro Betreiber ist der Vorbildnähe der Güterabfertigung umgekehrt proportional.


sieben_k

Mundl Offline




Beiträge: 57

08.04.2009 22:42
#30 RE: Wieviel Betrieb braucht der gemeine Mensch? antworten
Zitat von sieben_k

Die 10 ausgesetzten Wagen werden sich kaum der gleichen vorbildgetreuen Abfertigung erfreuen, wenn sie auf, sagen wir mal, 5 Anschließer zu verteilen sind. Ich argwöhne stark, daß die halt irgendwo hingeschoben werden. Gut, das ist strenggenommen auch "rangiert".
Zeitraubende Begleitpapiere, aus denen hervorgeht, was wohin soll, dürfte es sowieso nicht geben.
Was willst du denn auch anderes machen. Schließlich mußt du ja den Dg auch noch weiterfahren. Und der Gegenzug kommt auch gleich.



Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Güterzüge, die unterwegs Wagen "verlieren", zumeist in der Nacht verkehren; das ist immer mühsam, schon übernächtig in den Morgenstunden noch div. Verschubarbeiten durchzuführen, auch wenn es sich dabei nur um "irgendwo hinschieben" handelt.

Zurzeit haben wir im Grenzbahnhof auf der tschechischen Seite eine Baustelle und eingleisigen Betrieb; dadurch werden immer wieder TFZe fertigen Zügen vorgespannt, um Lokzugfahrten (Solofahrten von TFZen) zu vermeiden, auch diese werden dann diesseits der Grenze wieder vom Zug genommen, inkl aller notwendigen Behandlungen wie Kuppeln, Neuausfertigung der Zugpapiere, Bremsprobe, und Abstellung der vom Zug genommenen TFZ(e) im angrenzenden Traktionsstützpunkt vulgo Heizhaus.
Das alles ist, bis auf die Ausstellung der Papiere, Aufgabe des TFZF am Zug.

Die Zerlegung und Formatierung der abgestellten Wagengruppen erfolgt dann in der Früh durch die Verschubreserve, welche danach auch den Fahrverschub/die Bedienung der Lagerhäuser und Anschlußbahnen durchführt.

Dazu passt auch ein anderes Beispiel von dem Pfalzbahn meinte, daß es ins Forum passen würde:
Hubert hat mich vor ein paar Tagen auf den Lageplan von Eichhorn angesprochen; ein Trapeztafelbahnhof, der nur aus einem Gleis besteht; welchen Sinn hier die Trapeztafel hätte?
Die Nachfrage beim langjährig dienenden FDL ergab, daß bei planmäßigen Betrieb auf der eingleisigen Landesbahnstrecke die "Hobler" (österr. Ausdruck für den Fahrverschub; weil er in jedem Bf. ein Stück des Zuges abhobelt...) immer in den Wendezeiten der stündl. verkehrenden P-Züge ihre Bedienungsfahrten machten.

Solange es keine Verspätungen gab, war alles in Ordnung; die Strecke war durch einen Unterwegsbahnhof in zwei Abschnitte geteilt, und die Fahrzeiten erlaubten ein Nebeneinander von P- und G-Zügen. Wenn aber der Hobler länger brauchte, weil mehr Wagen geführt wurden, oder wieder einmal eine Langsamfahrstelle dazu gekommen ist, konnte er nach Beendigung der Arbeiten nicht Richtung Heimat ausfahren, da sich seine Ankunftszeit in Drösing mit der Abfahrtszeit des P-Zugs überschnitten hätte. Durch die Errichtung eines weiteren Trapeztafelbahnhofs konnte die Wegstrecke und die Fahrzeit Richtung Drösing verkürzt werden und der Hobler in Drösing einfahren, bevor die Abfahrtszeit des P-Zuges erreicht war.

Das nur als Beispiel zum Thema Schließlich mußt du ja den Dg auch noch weiterfahren. Und der Gegenzug kommt auch gleich. Das kann, wenn nicht alles glatt läuft, schon eine komplexe Aufgabe sein.
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