die Lektüre Ihres elektronischen Buchs "MoBa Anlagen Design" (an einem Abend ausgelesen) hat bei mir eine Neubetrachtung der altbekannten Themen "Plattenanlage" und "Gleisoval" ausgelöst, wofür ich mich sehr herzlich bei Ihnen bedanken möchte! Momentan stehe ich am Anfang des lustvollen Akts der Planung meiner insgesamt vierten Modellbahnanlage, nachdem MoBa Nr.3, noch unfertig, einerseits aufgrund ihrer Immobilität und der daraus resultierenden Problematik, da der Aufstellungsraum nun anderwertig gebraucht wird und einiger, leider erst (zu) spät erkannter Konstruktionsmängel (Bautiefe 1,30m und Aufstellung an der Wand) einem neuen, hoffentlich besser durchdachten Projekt weichen wird.
Vor Lektüre Ihres E-Buches war der Grundsatz "stellt irgendwo irgendetwas dar" für mich durchaus legitim; nach erfolgter Neubetrachtung wird er wohl nicht mehr Anwendung finden. Ich wohne im Nordosten Österreichs, dem sog. Weinviertel, welches sich durch sanfte Hügellandschaften, an deren Südhängen Weinhänge zu finden sind und das sich durch dünne Besiedelung mit Ortschaften unter 1000 Einwohner auszeichnet. Durch diese -für mich- malerische Landschaft bahnt sich die Kaiser-Ferdinand-Nordbahn ihren Weg; vom Wiener Raum ins angrenzende Tschechien, wo sie in den Grenzbahnhof Breclav mündet. Das ist meine Heimat, und die (längst eingestellten) Nebenbahnen, z.B. von Drösing nach Zisterdorf oder von Hohenau über Dobermanndorf nach Poysdorf sollen Vorbild für Nr. 4 werden. Aufgrund des möglichen geschlossenen Kreises ist die Versuchung sehr groß, auch einen zweigleisigen Teil der Nordbahn nachzubilden, auf dem - wie schon immer - im Kreis gefahren werden kann. Soweit die hehren Ziele.
Vorerst existiert jedoch nur eine Zeichnung; ein Grundriß eines Dachbodens mit einer eingezeichneten RAWE-Anlage, die sehr bald der ersten Idee eines großen, mittig plazierten "U's" nachfolgte.
Womit ich beim Kern dieses Leserbriefs angelangt bin. Aufgrund meines Berufs - ich bin Triebfahrzeugführer - bin ich sicher der Modellbahnertyp "Lokführer" und ein wenig auch der "Fahrdienstleiter". Die Betriebsabläufe im Fahrdienst aus erster Hand zu kennen, mag für manche eine Idealkonstellation sein; ich hingegen habe meine realen Vorlieben auf die MoBa mitgenommen, die da z.B. heißen: Ich mag nicht verschieben. (Österr. Ausdruck für Rangieren, Anmerkung). 10 Stunden pro Schicht jederzeit hoch aufmerksam sein, "schieben!", "noch 20 Meter", "noch 10 Meter - Halt!" - - - Eine Sekunde zu früh - der Verschieber steht mit der schweren Kupplung in der Hand da, dieselbe wird immer schwerer, er verflucht den Lokführer, denn die Lok steht 20 cm zu weit entfernt, um die Kupplung einzuhängen...oder eine Sekunde zu spät reagiert; dann wird der Verschieber nach Erleben einer Schrecksekunde (sind Sie schon einmal zwischen einer sich subjektiv zu schnell annähernden Lok und einem Waggon gestanden?) dem Lokführer günstigstenfalls einen bösen Blick zuwerfen, schlechterenfalls auch eine Wortspende der derberen Art liefern.
Nein, Verschub hat mir nie gefallen. Darum will ich auch auf der MoBa keine Züge zerlegen, formatieren, neu zusammenstellen. Ich will Züge traktionieren! Hinaus auf die freie Strecke! Und das Ganze ab sofort bitte vorbildgetreu, nicht mehr irgendwas nach irgendwohin...
(Etwa anderes sind fallweise durchzuführende Fahrverschbfahrten, z.B. auf der ansonsten stillgelegten Strecke Hohenau-Mistelbach, mit beschaulichen 10-km/h-Langsamfahrstellen, zwar mit einer modernen 2070, aber auf überwachsenen Streckenteilen und vor der Kulisse von in Dornröschenschlaf versunkenen Bahnhofsgebäuden, die den Glanz der alten Zeit noch erahnen lassen...)
Interessanterweise habe ich auf Nr. 3 keine einzige Entkupplungsschiene eingebaut; das ist mir aber erst beim Verkabeln aufgefallen. Das unvermeidlich notwendige Heizhaus (Bw) böte einige Rangiermöglichkeiten, die bis auf die Funktion eines netten Drumherums ebenfalls allesamt ungenutzt blieben. Und das, obwohl sogar eine elektrische Trennung mit separater Anspeisung geplant und eingebaut wurde, die auch Mehrpersonenbetrieb zuließe.
Alles Chimäre.
Die Konzeption von Nr. 4 kann man bei Interesse auch unter diesem Linknachlesen.
Schlußwort dieses Leserbriefs: Mit Ihrem Buch haben sie mir wesentlich mehr Kopfzerbrechen bereitet, als ich zu Lesebeginn geglaubt hätte; nicht nur, daß ich dank RAWE mehr Platz denn je zur Verfügung habe, soll sich Nr. 4 erstmals auch an der Wirklichkeit orienteren, und das dürfte schwieriger werden, als einfach nur irgendwohin zu fahren.
Sollten Sie übrigens Ihren Senf dazugeben, sprich Ihre Ideen einbringen wollen, würde mich das a) außerordentlich freuen und b) Nr. 4 zweifellos an Qualität gewinnen.
In Antwort auf:Sollten Sie übrigens Ihren Senf dazugeben, sprich Ihre Ideen einbringen wollen, würde mich das a) außerordentlich freuen und b) Nr. 4 zweifellos an Qualität gewinnen.
Hallo Mundl, das würde ich schon gern tun, dazu braucht es aber eine Anmeldung im Forum. Also bitte registrieren. Die gleiche Empfehlung gilt übrigens auch für den "Clemens", der hier vor einiger Zeit einen Leserbrief eingestellt hat.
Zitat von Mundlich bin Triebfahrzeugführer - Ich mag nicht verschieben. (Österr. Ausdruck für Rangieren, Anmerkung). 10 Stunden pro Schicht jederzeit hoch aufmerksam sein, "schieben!", "noch 20 Meter", "noch 10 Meter - Halt!" -... Nein, Verschub hat mir nie gefallen. Darum will ich auch auf der MoBa keine Züge zerlegen, formatieren, neu zusammenstellen. Ich will Züge traktionieren! Hinaus auf die freie Strecke! Und das Ganze ab sofort bitte vorbildgetreu, nicht mehr irgendwas nach irgendwohin...
Also, das kann ich nun wirklich nachvollziehen. Wenn man einen Job im Alltag unter schweren Bedingungen zu machen hat, möchte man den im Hobby nicht gleichermaßen ausüben. Es ist ja überhaupt schon ein Wunder an sich, dass ein Berufseisenbahner Lust am Modellbahnhobby hat.
Ich habe einen ganz anderen untechnischen Beruf, da muss ich den ganzen Tag auf den Bildschirm starren, und von daher kommt bei mir keine Hobbytätigkeit in Frage, wo ich das ebenfalls müsste. Deshalb macht es mir Freude, zu rangieren, Züge zu zerlegen, Anschlüsse zu bedienen - und alles händisch ohne Elektronik etc. Ein altes Sprichwort sagt: Jedem das Seine, mir das Meine. Findet