Wenn ich auch, wie Sie in Ihrem Buch hin und wieder, einen Anglizismus verwenden darf: Ihre Ausfuehrungen “pushed me over the cliff”. Dass ist natuerlich eine positive Metapher, auch wenn es sich nicht so anhoert.
Bei mir hat zweite Welle des Bazillus ein wenig frueher eingesetzt, meine Pause ging nur von 15 bis mitte zwanziger. Noch bin ich keine 30 und zaehle mich nach wie vor (jedoch zur oberen Grenze) des Nachwuchs (je nach dem, welcher Grupper man mich zuordnet, natuerlich). Nicht wegen dem Alter, aber wegen der Entwicklung, die ich seit wenigen Jahren durchmache. Da waeren zum einen Wechsel von Wechselstrom zu Gleichstrom, allerdings erst innerhalb H0. Dann kam ich mit groesseren Baugroessen in Beruehrung, naemlich Spur 0, und bin auch gleich der Radien willen auf Schmalspur umgestiegen, naemlich 0m. Der Markt mit Kleinserienmodellen hat mich dazu gezwungen, weitaus mehr Recherche in den Kauf von Modellen zu stecken als ich gewohnt war. So wurde nicht mehr nach Bauchgefuehl gekauft (dieses Modell gefaellt mir) sondern nun musste ich mich erstens auf ein enges Thema festlegen und zweitens intensive Recherche betreiben, um epochen- und vorbildgerechte Modelle zu erstehen. Es sei kurz gesagt, das Thema ist die RhB. Was weiter kam war eine tiefgehende Recherche von Signaltechnik, Streckenbestimmungen und Ausfuerhung von Bahnbauten, um meiner geplanten Anlage den adequaten „Look“ zu verpassen. Allerdings habe ich nach wie vor immer eine Ringstrecke vor Augen gehabt.
Nun, um endlich zum Punkt zu kommen, in letzter Zeit habe ich einige Mittelpuffer Ausgaben auf dem Sekundaermarkt aufgetrieben. Ganz besonders ist mir der Artikel „Un Espresso a Tirano“ aufgefallen. Noch nie habe ich einen Artikel gelesen, der derart detaliert eine Geschichte von Rangieraufgaben erzaehlt. Mehrmals bin ich mental und dann mit Stift und Papier die einzelnen Schritte Stueck fuer Stueck durchgegangen, und habe mir auch gleich Gedanken gemacht, wie noch Waren auf mitgebrachten Tank- und Flachwagen auf so engem Raum umgeschlagen werden koennen. Auf der Suche nach weiteren fehlenden Mittelpuffer Ausgaben (die ja alle auf dem Server verzeichnet sind) bin ich dann auf das e-book gestossen, was auch mehr oder weniger gleich ein ganzes Wochenende eingenommen hat. Viele der Konzepte waren mir aus US-Zeitschriften bekannt (ich lebe seit ein paar jahren in den USA), aber noch nie war dieser rote Faden drin (oder ich habe ihn einfach nur nicht gesehen), der alle Teile zu einem „Argument“ zusammenfuegt. Dieses Argument, also das Buch, hat mich jedenfalls ueberzeugt. Dass war auch viel wichtiger fuer mich, als die 100ste Lektuere mit Gleisplaenen zu studieren. Meine Sichtweise hat sich geaendert.
Und so schliesst sich jetzt auch dieser Kreis, hin von dem Drang zu vorbildlicheren Modellen, einer Epoche auf einen Zeitraum von 1 Jahr gestutzt, zur Streckgestaltung die dem Vorbild moeglichst nahe kommt, zu Bahnhoefen die (wenn auch gekuerzt) dem Vorbild entsprechen und daher auch den Namen des Vorbilds tragen duerfen, bis zum eigentlichen Zweck des ganzen, meiner neuesten Erkenntnis, einen echten Verkehr zwischen diesen Stationen aufzubauen.
Mit dem Bau habe ich noch gar nicht begonnen, somit kam das Buch gerade recht. So schnell wird das auch nichts, da mein Hobbyraum sich ein paar Tausend Meilen weit weg befindet (was fuer ein Albtraum). Ganz untaetig bleibe ich aber nicht. In der Zwischenzeit baue ich an 2 kleinen H0e Segmenten, mit einem Kopfbahnhof und einem Fiddle Yard. Die passen auch in meine kleine Wohnung und lassen sich gut verstauen. Was mein groesseres 0m Projekt angeht, so werde ich meine bisherige Planung grundlegend ueberdenken... und damit meine ich nicht nur die Abkehr von der Ringstrecke, sondern viel weitreichender, was ich unter meinem Hobby verstehe.
Ich darf mich bedanken, dass Sie solch ausfuerhliche Informationen einfach so mit dem Rest der Welt teilen.
Es gruesst (ein Konvertierter),
Hallo Clemens, dieser Leserbrief ist ja wirklich ein "Aufsteller" wie der Schweizer sagt. Eine schöne Bestätigung für meine Initiativen.
Zitat von ClemensIn letzter Zeit habe ich einige Mittelpuffer Ausgaben auf dem Sekundaermarkt aufgetrieben. Ganz besonders ist mir der Artikel „Un Espresso a Tirano“ aufgefallen. Noch nie habe ich einen Artikel gelesen, der derart detaliert eine Geschichte von Rangieraufgaben erzaehlt. Mehrmals bin ich mental und dann mit Stift und Papier die einzelnen Schritte Stueck fuer Stueck durchgegangen, und habe mir auch gleich Gedanken gemacht, wie noch Waren auf mitgebrachten Tank- und Flachwagen auf so engem Raum umgeschlagen werden koennen.
Den Artikel hatte ich ganz vergessen, aber du hast Recht, er ist bestens geeignet als Paradebeispiel dafür, wie das Vorbild "es" macht. Habe gleich mal bei den Autoren (Schweers + Wall) um die Erlaubnis zur Verwendung im Web nachgefragt. RhB, und speziell die Berninabahn gehört auch zu meinen Lieblingsbahnen. Da bin ich auch tausendfach mit gefahren (seit über zwanzig Jahren 1-2 Urlaube pro Jahr in Bergün). Also, hau rein!
Zitat von ClemensNoch nie habe ich einen Artikel gelesen, der derart detaliert eine Geschichte von Rangieraufgaben erzaehlt.
Ganz so extrem ist es bei mir nicht, habe schon diverse Beschreibungen von Rangierszenen per Grafiken gesehen/gelesen. Dennoch hat Clemens Recht. So detailliert, so packend und so vorbildnah hab ich es auch noch nicht gesehen. Vor allen Dingen kapiert man mal, warum das Vorbild es so macht wie es es macht. Und es ist ja auch eine besondere Herausforderung, der die Bernanabahn da gegenüber steht, da ist nichts erfunden oder konstruiert, einfach die Wirklichkeit. Ich hatte allerdings damals gehofft, dass der Mittelpuffer weitere solcher Artikel bringen würde, aber das hat sich leider nicht bewahrheitet. Aber vielleicht könnte OOK in seinem e-book sowas bringen. Meint
Zitat von ClemensNoch nie habe ich einen Artikel gelesen, der derart detaliert eine Geschichte von Rangieraufgaben erzaehlt.
................aber das hat sich leider nicht bewahrheitet. Aber vielleicht könnte OOK in seinem e-book sowas bringen. Meint
In einem zusätzliches Kapitel wie "Praktische Betriebsbeispiele" im e-book könnte Otto diese erwähnte, und für uns Neueinsteiger unzugängliche "Reportage" neu auflegen? Oder sprechen irgendwelche Copyrigthprobleme dagegen?