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Modellbahnanlagen
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für vorbildgerechten Modellbahnbetrieb

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 V.1. Betrachtungen vom Herausgeber des Buches "Anlagen-Planung für vorbildgerechten Modellbahn-Betrieb" (MIBA-Verlag)
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Beiträge: 3.597

02.02.2009 11:20
Kriegsfolgen - Februar 2009 Thread geschlossen
Im Jahre 1941 - ich war ein Jahr alt - wurde mein Vater von der West- an die Ostfront verlegt, wo er schließlich im Stalingradkessel umkam.
Im gleichen Jahre 1941 stellte ein gewisser Frank Ellison im Model Railroader seine Spur 0-Anlage, die Delta Lines erstmals vor. Und es war nicht einfach nur ein Anlagenbericht wie viele andere. Er stellte gleichzeitig sein modellbahnerisches Glaubensbekenntnis vor:
Eine Modellbahn-Anlage ist eine Bühne, auf der ein Stück aufgeführt wird. Und dieses Stück heißt: Die Funktion und der Betrieb der XYZ-Eisenbahn(linie). Die Züge sind die Akteure, die Landschaft die Kulisse, der Anlagenbesitzer der Regisseur.

In den Model Railroader-Ausgaben März bis August 1944 - da war mein Vater schon tot und ich war mit meiner Mutter auf der Flucht vor der herannahenden Front - brachte Frank Ellison seine Serie „The Art of Model Railroading“, die Kunst der Modellbahnerei. Es gab Kapitel über Fahren nach Fahrplan, funktionale Gleispläne nach dem Vorbild, Komprimierung von Zeit und Raum, vorbildentsprechender Güterverkehr und sinnvolles Rangieren etc.

Der ehemalige MR-Chefredakteur Andy Sperandeo erzählt, dass er mit zwölf oder dreizehn Jahren erstmals auf einen Frank Ellison-Artikel stieß und sofort Feuer und Flamme war. Ein paar Jahre später erwarb er das Buch Frank Ellison on Model Railroads, in dem dieser seine Philosophie in kompakter Form darlegte, dass Modellbahnen dazu da sind, so betrieben zu werden wie ihr Vorbild. Andy tauschte sich mit anderen Modellbahnern darüber aus und war geschockt, als er merkte, dass längst nicht alle Ellisons Ansichten teilten und konnte das überhaupt nicht verstehen.

Ich wurde 1958, achtzehnjährig, Abonnent des Model Railroader. Da lief zwar kein Artikel von Frank Ellison, aber seine Philosophie war allenthalben spürbar und ich war elektrisiert – und infiziert. Als 1961 der Artikel von Dough Smith über Güterwagenumlauf mit Wagenkarten und Frachtzetteln kam, fiel der bereits auf gut gepflügten und gedüngten Boden. Für mich war keine andere Art der Modellbahnerei mehr vorstellbar, als mit einer Anlage nicht nur visuelle Aspekte der Eisenbahn nachzustellen, sondern in erster Linie deren Aufgabe und Funktion.

Dieser Linie bin ich treu geblieben. Aber im Gegensatz zu Andy Sperandeo, der mit solchen Ansichten Chefedakteur des Model Railroader werden konnte, muss ich mir hier und heute von der Mehrheit der Modellbahner immer noch quasi einen Vogel zeigen lassen wegen meiner spinnerten Ideen. Vielleicht wäre das anders, wenn unsere Väter 1941 nicht hätten in den Krieg ziehen müssen und stattdessen zuhause basteln und eine Modellbahnzeitschrift hätten lesen können. Wer weiß ...

OOK
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