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Dieses Thema hat 7 Antworten
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 VII.1. Anlagenbau konkret
BerndK Offline



Beiträge: 247

13.12.2019 23:25
Roggen im Tal - die Baustelle antworten

Hallo zusammen,

ich möchte hier den Bau von Roggen im Tal (aus dem Beilburg Thread) vorstellen. Was lange währt - FY Tuttlingen ist fertig gestellt, vielleicht kann der eine oder andere davon was in diesem Bericht mitnehmen.

Hier zunächst der erarbeitete , noch etwas modifizierte Gleisplan mit 12° Tillig Elite EW3 Weichen:



Aufgrund persönlicher Vorliebe für bequemes Arbeiten unter der Anlage baue ich in Segmenten, die ich dafür vor mich auf einen Tisch stellen kann, an die Modulbauweise des H0-Forums angelehnt. Beine allerdings a la Minimax. Der Rohbau entstand aus Birke Multiplex 12 mm und 9 mm (nur Deckplatte), welches mir von einem fähigen Mann beim Toom in der Nähe recht genau zugesägt wurde. Ich habe mich für Birke entschieden, da mir Pappel und Buche in den Baumärkten schon immer als besonders krumm aufgefallen sind bzw. diese Hölzer auch mehr Feuchte ziehen können als Birke. Der Rohbau:



Die Kästen wurden rundherum gestrichen, da ich inzwischen weiß, daß auch Multiplex noch Rest-Eigenleben besitzen kann - wenn man es läßt. Weiß unterseitig hat mir beim Bau ziemlich geholfen da super Kontrast zu den Einbauten. Das Braun oben war eher ein Experiment. Ich habe wasserbasierte Farbe vom Toom eingesetzt, die hervorragend deckt und gut mit der Rolle zu verarbeiten ist. Leider „klebt“ diese auch nach über einem Jahr immer noch etwas an den zusammengeschraubten Stirnseiten. Die sog. Blockfestigkeit läßt für meine Begriffe sehr zu wünschen übrig. Nächstes Mal streiche ich die Stirnseiten mit Schnellschleifgrund, gar nicht oder besorge mir eine teurere Farbe. Wasserbasiert würde ich immer wieder nehmen – ich arbeite drinnen und das ist mit solchen Farben auf so großen Flächen schon ein Segen, wäre lösungsmittelbasiert im Hobbykeller unerträglich.

Auf dem Bild sind schon günstige Stahl-Stuhlwinkel mit den Schaltern für Polarisation bzw. Weichenendlage montiert. Ich habe mich als Mechanik-Freund für mechanische Weichenstellung per Stellstangen entschieden. Ich stehe auf das satte PLOCK beim Umschalten 😉 Nachteil: Man muß – insbesondere als EX Märklinist - schon etwas mitdenken und die Weichenstraße rechtzeitig stellen, sonst läuft man ständig in Kurzschlüsse am Herzstück. Könnte man mit Elektronik „idiotensicherer“ auslegen, aber das kann man lernen - ich bleibe bei der Mechanik. Die ggü elektrischen Lösungen gesparten Kosten sind mit mehr Arbeitszeit aufzuwiegen. Das Ganze ist aufwändiger als gedacht, man muß bei einer großen Weichenstraße schon genau überlegen, damit die Stellstangen hinterher nicht durch Stellfüße laufen etc. Es will auch alles genau justiert sein, sonst hakt es im wahrsten Sinne. Aber wie gesagt, für Mechanik-Freunde ne schöne Lösung. Ich werde es vielleicht wieder tun…



Und so sieht die Angelegenheit dann fertig verkabelt und mit Stellstangen aus



Bei dem silbrig reflektierenden Material handelt es sich um 3mm dickes Alubitumen aus dem Car Hifi Bereich. Mir ist das Resonieren der Kästen bei Fahrzeugbewegung mächtig auf den Keks gegangen. Trotz Flexkleber, relativ leiser Tillig Gleise und leiser Fahrzeuge. Trotz langsamen Fahrens! Das Alubitumen hilft, macht die Kästen aber auch schwerer. Natürlich hatte ich an Kork, Gummi, Schaumstoff auf der Oberseite gedacht, aber eine sichere Gleislage über Jahre war mir wichtiger, ich traue alledem nicht langfristig. Zudem hat ein in Foren oft benanntes Gummigranulat, welches ich über Monate auf der Terrasse gelagert hatte, nie wirklich aufgehört, stechend zu riechen. Das brauche ich im Modellbahnkeller nicht.

Kleiner Exkurs in die Schubstangenmechanik aus 5mm Alustangen:
Die relativ günstigen Bauteile hierfür



Beim Löten



Eingebaut (durch die Verschraubung gut justierbar)





Verkabelt mit verdrilltem Datenkabel (Störungsvermeidung). Die großen Steckverbindungen sind DIN41622 Messerleisten. Sehr schön zu löten ohne Gefummel, werde ich wieder verwenden. Man könnte noch Gehäuse drauf machen, aber wozu in meinem Fall und sie sind relativ teuer



Von außen mit Stellringen bedienbar (innen benutze auch solche als Wegbegrenzer). Die „Töpfe“ hierfür sind ebenfalls in Multiplex geschnitten, Kaufvarianten sind in der Menge nicht gerade billig. Mit den kleinen Schaltern nehme ich die Abstellgleise vom Netz. Wäre bei Digital natürlich nicht nötig, aber ich bin kein Freund von unbenutzten Verbrauchern. Der Verkabelungsaufwand erhöht sich damit natürlich spürbar.



Die Schienen wurden per 2,5 mm Messingschrauben an den Segmentübergängen verlötet. Die Variante per vorgefertigtem Pertinax ist mir in größerer Anzahl zu teuer.



Und hinterher noch mit Schwellen „befüllt“, damit es nicht so nackt aussieht



Gleich zu Anfang ist mir zum Glück klar geworden, daß ich keine Schienenverbinder brauche (jedes Gleisstück besitzt seine eigene Einspeisung)…was mir ziemlich gut gefällt



Die Position der Segmente wird mit Rillendübeln aus dem Formenbau festgelegt. Erspart eine Menge Gefummel beim Zusammensetzen. Ganz ohne feines Nachjustieren geht’s für anspruchsvolle Modellbahner aber dennoch nicht.



Zum genannten Nachjustieren setze ich (sehr günstige) höhenverstellbare Füße aus dem Küchenbau ein



Hier das „Cockpit“. Neben digital kann auch auch analog getestet/gefahren werden. Die Lokprogrammer haben auch ein Plätzchen gefunden. Der Schlüsselschalter dient der A/D Umschaltung. Der Drehschalter nebendran ordnet dem Programmiergleis die Programmer zu



Wie man sieht, ist auch eine kabellose WLAN Maus in Betrieb. Zunächst skeptisch, habe ich mich sehr schnell dran gewöhnt. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt noch irgendwelche Buchsen für kabelgebundene Regler anbringen werde.

Das gute Stück an seinem Platz



Persönliche „lessons learned“:

1. mechanisch stellen ist was für Mechanik-Freaks (wie mich) – vom Arbeitsaufwand her liegt es mit versenkter Bedienung meiner Einschätzung nach über elektrischen Antrieben und das Justieren bis es gut läuft braucht etwas Geduld

2. ich überbrücke von Stellstange bis Stellschwelle ca. 65 mm Weg – da kann man weiche Materialien wie ich das mehrfach im Netz gesehen habe vergessen. Es kommen nur Metalle zum Einsatz, Stelldraht 0,8 mm (teils gehärtet), zusätzlich in Messinghülse geführt

3. mit 30 Cent Schaltern ist es nicht getan – zum einen braucht der Schalter einen langen Hebel bei meinem langen Stelldraht und als Folge von dessen Hebelwirkung auch noch fest definierte Endlagen. Billigschalter, die ich probiert habe, besaßen zu viel Spiel in den Endlagen, nicht betriebssicher

4. wenn Multiplex würde ich auf komplett 9 mm runtergehen für den Kasten. Die jetzigen sind für mich gerade noch "tragbar". In 20 Jahren breche ich womöglich unter sowas zusammen ;-) Ich habe aber an anderer Stelle neulich Fichte 3-Schichtplatte verbaut. Die Gibt’s auch in 13 mm und wiegen etwa dasselbe wie 9 mm Multiplex. Das kommt wahrscheinlich beim nächsten FY zum Zuge. Eine zu dünne Deckplatte kommt mir zu sehr in Schwingung und es gibt Gedröhne, geht nicht für mich (leiser Keller)

5. 10 mm Sperrholz Pappel oder Buche für die Kastenwände wäre sich auch interessant…WENN man irgendwo anständige Qualität herbekäme

6. dünne Fichten-Beine (44x24) ohne Verstrebungen wackeln wie ein Kuhschwanz, egal wie fest man im Kasten "zudreht" – daher die Verstrebungen auf den Bildern gem. Minimax. Die Latten unbedingt selbst aussuchen im Baumarkt - beachtlicher Anteil an "krummen Hunden" dort. Und noch was - 0,5 mm Spiel umlaufend lassen. Bei mir im Keller herrschen im Winter 40% und im Sommer max 55% Luftfeuchte. Ich habe nur 0,3 mm Spiel gelassen (im Winter gebaut) - das klemmt im Sommer leicht aber lästig!

7. einzeln höhenverstellbare Beine würde ich wieder vorsehen, da kann ich allein ganz genau positionieren, denn selbst mit Formenbau-Dübeln hat man ein zwei Zehntel Luft, die man an den Segmentübergängen an den Schienenstößen merkt

8. auf 90° Zwingen beim Kästen Bauen darf ich mich nicht blind verlassen – in Zukunft wird ein genaues 90° Holz in die Ecken mit eingespannt beim Verschrauben

9. Stirnseiten nur mit bestmöglichst blockfestem wasserlöslichem Lack behandeln, Clou Schnellschleifgrund oder gar nicht

10. jedes Schienenstück einzeln anschließen hört sich aufwändig an, ist mit Flexgleis aber gar nicht so schlimm. Die gewonnene Betriebssicherheit entschädigt!

11. mit der „Qualitätsstreuung“ der Tillig Elite EW3 Weichen und Flex Gleise (alle von 2018) habe ich mich stellenweise ziemlich herumgeärgert. Alle Weichen sind nur mit relativ unauffälligen schwarzen Schrauben und Unterlegscheiben befestigt. Das bleibt auch so, ich habe wenig Vertrauen in die Stellschwellenkonstruktion. Insgesamt passen Preis und Fertigungsschwankungen für mich nicht zusammen. Für den anderen FY verwende ich dementsprechend Peco (auch wenn mir jene Weichen optisch lange nicht so gut wie Tillig gefallen) und für den Rest Weinert.

12. zum Aufkleben der Gleise wurden jeweils auf min 5 m Länge Flexkleber von IMT Lenzen, Pattex klebt und dichtet sowie Uhu Kontakt Kraftkleber eingesetzt. Ich kann keinerlei Unterschiede in Sachen Geräuschdämmung zwischen den Klebern feststellen. Der Flexkleber von IMT ist auch nach vielen Monaten immer noch klebrig und gibt etwas nach wenn man gegen die Gleise drückt. Den werde ich in keinem FY mehr einsetzen und auch keinesfalls bei Gleisen, die unter mechanischer Spannung stehen. Der Uhu ist mir sympathisch - mit dem komme ich am schnellsten vorwärts.

Falls jemand der Leser eigene Erfahrungen mit einer von Haus aus relativ schalltoten Deckplatte bzw. Bauweise hat, auf welcher man in Bahnhöfen direkt Gleise montieren kann, würde mich das sehr interessieren. Ich kann mit dem jetzigen Zustand zwar leben, leiser wäre mir aber noch lieber. Kästen von unten verschließen würde auch helfen. Wäre aber ein ganz anderer Ansatz in Sachen Beine.


Gruß
Bernd

aps Offline



Beiträge: 1

14.12.2019 10:09
#2 RE: Roggen im Tal - die Baustelle antworten

Moin Bernd,

der Keller ist unglaublich sauber hergerichtet, da wundert mich Deine akribische wie durchdachte und penible Vorgehens- und Bauweise überhaupt nicht.

Hut ab.

Viele Grüße aus dem Münsterland
Andreas

Gued gaohn un bis düsse dage
Andreas

Fischkopp Offline




Beiträge: 439

14.12.2019 22:43
#3 RE: Roggen im Tal - die Baustelle antworten

Hallo Bernd,

vielen Dank für Deinen ausführlichsten Bericht,
da mag ich ja gar nicht an die windschiefen Buden
denken, die ich da so zusammenzimmer'

Besonders Deine Tipps zu Holz, Farbe und Beinen
werde ich im Hinterkopf behalten, da fehlen mir einfach
die (Langzeit-)Erfahrungen.

Schönen Abend noch,
Alex

BerndK Offline



Beiträge: 247

14.12.2019 22:58
#4 RE: Roggen im Tal - die Baustelle antworten

Hallo zusammen,

@Andreas
Vielen Dank für Deine lobenden Worte, freut mich!

@Alex
Gerne und klasse wenn brauchbare Infos für Dich dabei sind!

Viele Grüße
Bernd

Gilpin Offline




Beiträge: 1.425

15.12.2019 12:03
#5 RE: Roggen im Tal - die Baustelle antworten

Hi Bernd, Klasse! Ich schließe mich meinen Vorrednern vorbehaltlos an!

Hochinteressant:

Zitat von BerndK im Beitrag #1
Mir ist das Resonieren der Kästen bei Fahrzeugbewegung mächtig auf den Keks gegangen. Trotz Flexkleber, relativ leiser Tillig Gleise und leiser Fahrzeuge.
Deine erste Maßnahme hierzu war der sehr schmale vordere Rand (fascia) der Segmente - die vielerorts propagierten Kästen sind schlichtweg Resonanzkörper. Ungut ist deren symmetrischer Aufbau: da kann einiges schwingen; Ein asymmetrischer, "schiefer" Aufbau der inneren Streben wäre da schon ein gewisser Schritt.

Das hätte dem mechanischen und elektrischen Aufbau bei Dir sehr im Wege gestanden, Du machst aber sehr viel zum Thema. Gut möglich allerdings, dass ein Ex-Märklinist, der womöglich die mit Schrauben* zwecks Schallübertragung direkt mit der "Platte" verbundenen M-Schienen noch kennt, Befürchtungen von damals konserviert hat.

* Die Schrauben in Abb. 13 sichtbaren Kreuzschlitzschrauben machen mir da leichte Sorgen...

Ich wünsche weitere Erfolge beim Bau,
Reiner

BerndK Offline



Beiträge: 247

15.12.2019 12:43
#6 RE: Roggen im Tal - die Baustelle antworten

Hallo Reiner,

Ein asymmetrischer, "schiefer" Aufbau der inneren Streben wäre da schon ein gewisser Schritt.
sehr interessanter Gedanke! Ich mache dazu eine Verständnis-Skizze, bevor ich für den nächsten FY bald Holz bestelle und befrage Dich noch mal. Vor dem "großen" Bahnhof möchte ich die Kastenbauweise schalltechnisch noch optimieren und baue als nächstes den FY Sigmaringen. Der bekommt keine DS und wird etwas schmaler und leichter, damit ich ihn ggf. besser transportieren könnte.

* Die Schrauben in Abb. 13 sichtbaren Kreuzschlitzschrauben machen mir da leichte Sorgen...
Du meinst die schwarzen Torx? Die sind inzwischen nur noch an den Weichen (auf dem Bild wurde nur ein Flexgleisende damit festgehalten bis zum Abbinden) und dort leider für mich unvermeidbar aufgrund meiner Einschätzung von deren mechanischer Qualität. Es resoniert dort etwas "schlimmer", das stimmt schon. Aber unwesentlich im Vergleich zu dem nur verklebten Rest der Gleise. Es rumpelte überall ordentlich. In Randnähe und über den Spanten etwas weniger da es sich dort nicht so gut schwingt.

Danke fürs Feedback, super!

Gruß
Bernd

517 008 Offline



Beiträge: 182

15.12.2019 16:38
#7 RE: Roggen im Tal - die Baustelle antworten

Hallo Bernd,

wirklich sehr hilfreich und aufschlussreich! Danke fürs ausführliche Vorstellen!

Nachdem ich ursprünglich auch mal Tillig Elite ins Auge gefasst hatte und mir einige Weichen beim Händler angeschaut habe, war die Qualität der Weichen im Verhältnis zum Preis nicht akzeptabel. Durchaus möglich, dass dies nicht repräsentativ war, aber bei der Menge an Nacharbeit, die für diese Weichen noch erforderlich war, um sie überhaupt einbauen und befahren zu können, werde ich diese nicht nutzen.

Beste Grüße,
David

Edit: Ein asymmetrischer Aufbau wie von Reiner vorgeschlagen sollte helfen, generell möglichst wenig "frei schwingende Flächen" sollten auch etwas bringen, also Unterteilung des einzelnen Segments im viele kleinere mit Versteifungen abgetrennte Abschnitte.

BerndK Offline



Beiträge: 247

19.12.2019 19:20
#8 RE: Roggen im Tal - die Baustelle antworten

Hallo Reiner und David,

ihr meint mit dem asymmetrischen Aufbau sowas in der Art:


schwarz=so hab ichs gemacht
blau=einfache Variante mit unregelmäßig verteilten Spanten
grün=zusätzliche horizontale Versteifungen zwischen den Spanten
rot= großer Setzkasten

Gruß
Bernd

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