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Dieses Thema hat 71 Antworten
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 X.7. Atmosphäre
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OOK Offline




Beiträge: 4.090

22.01.2009 08:26
Beispielanlagen für Atmosphäre antworten

Dieser Tage wurde mir ganz weihnachtlich zu Mute. Da flatterte nämlich das Heft 4/08 von Schmale Spuren ins Haus, in dessen Editorial Herbert auf das bevorstehende Fest Bezug nimmt. Nunja, da ich selber mal vor langer langer Zeit ein ähnliches Magazin herausgegeben habe, weiß ich, wie solche Verzögerungen zustande kommen.Da kann man nur das folgende Ferrovikon in der signalbuchmäßigen Ursprungsbedeutung zeigen:

Worauf ich aber hinaus will, ist der Artikel über die Gipsbahnanlage von Helmut Walter. Über diese Anlage habe ich ja selber mehrfach berichten dürfen und schon damals war klar, dass dies eine besonders atmosphärische Anlage ist. In dem Artikel von Pit Karges und HFy, der über die Anlage als Ganzes berichtet, kommt das sehr gut zum Ausdruck.
Da ich aus dem Heft keine Bilder klauen will und kann, werde ich mal in alten MPs blättern und ein paar Belege für das, was ich meine heraussuchen. So long ...

OOK
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OOK Offline




Beiträge: 4.090

22.01.2009 08:50
#2 Stadtoldendorfer Gipsbahn antworten

Ich hatte euch ein paar Bilder versprochen, die ich früher zu Mittelpuffer-Zeiten von dieser Anlage gemacht habe. Hier sind sie:









Könnt ihr spüren, was ich hier mit Atmosphäre meine?
Die Bilder stammen aus MP 41 und 46. Just for the record.

OOK
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Michael Sterna Offline




Beiträge: 92

22.01.2009 14:42
#3 RE: Stadtoldendorfer Gipsbahn antworten

Was mich an der Gipsbahn besonders fasziniert ist die Vielzahl an detailreichen Szenen (auf allerhöchstem Niveau!), die es zu entdecken gilt. Da kann man schon mal recht lange Spazierengucken.
Nun liegt darin gerade die Gefahr für jede Modellbahn, nämlich den Betrachter geradezu mit diesen Dingen zu erschlagen (was dann meist in der Fachpresse mit dem terminus technicus 'liebevolle Details' umschrieben wird). Aber nicht hier!
Woran liegt das?
Vielleicht daran, dass Helmut Walter sich wirklich auf Alltagsszenen beschränkt hat, das Arbeiten im Kleingarten z.B. oder das Großreinmachen etc. - und eben nicht das brennende Finanzamt oder die Spurensicherung bei der im knöcheltiefen Bach treibenden Wasserleiche.
Dabei ist der Junge mit der Zwille, auf dessen Konto offensichtlich die zerschossene Fensterscheibe geht, noch so was wie ein dramaturgischer Höhepunkt. Und doch noch recht nah an Alltagswelten (aus der Vor-Isoglas-Zeit).
Dennoch sind auch noch kleine Gags eingebaut: da gibt es den berühmten Reporter Tim mit seinem Hund Struppi (die übrigens auch die Rügnitzer Kleinbahnen bereist haben .
Begeisterungswürdig die Modellumsetzung der Stadtoldendorfer Architektur: die Schiefereinkleidung der Häuser, die Doppelfenster und, und, und
Jedenfalls ein wirklich herausragendes Beispiel zum Thema 'Atmosphäre' - unbedingt auf der kommenden Nussa wieder anschauen!

Gruß
Michael

Liebe Grüße aus Ostwestfalen!

Michael

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eisenhans Offline




Beiträge: 394

23.01.2009 04:30
#4 RE: Stadtoldendorfer Gipsbahn antworten

Also, jetzt bin ich doch reingefallen. Beim Anschauen des obersten Fotos von OOK, wo der Zug an den Häusern entlang fährt, habe ich doch tatsächlich gedacht, es sei ein Vorbildfoto. Das passiert mir sonst eigentlich nicht so leicht, nichtmal bei den allerbesten "Superanlagen" in den Sonderheften. Natürlich habe ich mich gefragt, was das ausgelöst hat. Der Zug war es nicht, den habe ich eigentlich zuerst gar nicht wahrgenommen.Ganz am linken bildrand steht ein Mann offenbar vor einem Kaninchenstall im Garten. Donnerllittchen. Sowas habe ich überhaupt noch nicht gesehen. Und rechts hinterm Zug stehen Leute auf der Straße und machen irgendwas, was ich nicht erkennen kann. Aber komischerweise sind es genau diese unauffälligen Alltagsdinge, die eigentlich gar keine Hingucker sind, die die Szene so realistisch machen. die Atmosphäre halt. Meint

Der Eisenhans

OOK Offline




Beiträge: 4.090

14.02.2009 11:13
#5 RE: Stadtoldendorfer Gipsbahn antworten

Also das finde ich jetzt interessant: eisenhans macht die atmosphärische Wirkung am Kaninchenstall und an einer Szene fest, die er nicht einmal genau erkennen kann. "Alltagsdinge"! Habe gerade dieser Tage gesehen, dass es einen Kaninchenstall in meinem Maßstab bei Paulo zu kaufen gibt. Den sollte ich mir dann wohl auch zulegen, würde sich gewiss gut machen im Hof hinter einem der kleinen Wohnhäuser in der Schlufter Dorfstraße.

Wäre es zu weit gegangen, festzustellen, dass die sog. Hingucker hinsichtlich Atmosphäre eher kontraproduktiv sind, unbedeutende Alltagsdinge hingegen fördernd?

OOK
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wjk Offline



Beiträge: 150

14.02.2009 13:55
#6 RE: Stadtoldendorfer Gipsbahn antworten

Zitat von OOK
Wäre es zu weit gegangen, festzustellen, dass die sog. Hingucker hinsichtlich Atmosphäre eher kontraproduktiv sind, unbedeutende Alltagsdinge hingegen fördernd?


Für mich ein wichtiger Ansatz. Man nimmt diese Szenen wahr, ohne genau hinzusehen. Man hält mit dem Auge nicht daran fest. Aber man sieht immer wieder mal so nebenbei hin. Weil es dahin gehört. Mit jedem mal wird ein wenig mehr von der Szenerie aufgenommen. Deswegen bleibt auch die Ausgestaltung wichtig.

Das brennende Finazamt stört, weil es das in der gewöhnlichen Realität nicht gibt. Und, weil es nie gelöscht wird.

Michael Sterna Offline




Beiträge: 92

14.02.2009 14:48
#7 RE: Stadtoldendorfer Gipsbahn antworten

Zitat von wjk
Zitat von OOK
Wäre es zu weit gegangen, festzustellen, dass die sog. Hingucker hinsichtlich Atmosphäre eher kontraproduktiv sind, unbedeutende Alltagsdinge hingegen fördernd?

Für mich ein wichtiger Ansatz. Man nimmt diese Szenen wahr, ohne genau hinzusehen. Man hält mit dem Auge nicht daran fest. Aber man sieht immer wieder mal so nebenbei hin. Weil es dahin gehört. Mit jedem mal wird ein wenig mehr von der Szenerie aufgenommen. Deswegen bleibt auch die Ausgestaltung wichtig.
Das brennende Finazamt stört, weil es das in der gewöhnlichen Realität nicht gibt. Und, weil es nie gelöscht wird.


Das ist es!

Michael

Liebe Grüße aus Ostwestfalen!

Michael

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OOK Offline




Beiträge: 4.090

27.03.2009 15:32
#8 2 Hafenszenen antworten

Heute stelle ich euch mal zwei Bilder von Hafenszenen ein, die früher mal im Mittelpuffer waren.
Was sagt ihr zu den Szenen unter dem Gesichtspunkt Atmosphäre? (einzeln oder auch im Vergleich der zwei Bilder)




OOK
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sieben_k Offline



Beiträge: 111

27.03.2009 23:25
#9 RE: 2 Hafenszenen antworten

das ist eine nicht ungefährliche Fragestellung: Urheber unbekannt, die Entstehungszeit und sonstige Begleitumstände ebenso; man weiß also nicht, bei wem man gegebenenfalls ins Fettnäpfchen treten könnte.
Ist allerdings die einzige Möglichkeit, Betrachtern eine einigermaßen vorurteilsfreie Äußerung zu entlocken, und ich denke, genau das ist hier beabsichtigt.

Ganz spontan: Für mich vermittelt das obere Bild so gut wie keine Atmosphäre, das untere schon eher, obwohl einige Details nach Kräften versuchen, den Eindruck wieder zu zerstören.

Begründungen:

Das obere Bild zeigt einen kleinen einfachen Hafen mit relativ großem Gezeitenunterschied - es ist gerade Ebbe, dem Stil nach eher im nördlichen europäischen Ausland (vielleicht England?) gelegen.
An so einem Ort dürfte kaum etwas neu, glänzend(!) und unvergammelt aussehen. Von der Kaimauer über den Schornstein bis zu den trockenliegenden Stützen des Anlegers, auch der Kran im Vordergrund - alles nagelneu und zusätzlich farblich auch für einen Neuzustand nicht stimmig.
Von Gebrauchs -und Altersspuren ist nichts zu sehen, keine Flutmarke an der Kaimauer und den Stützen, nirgendwo Rost (bei salzhaltiger Luft völlig unvermeidlich). Über den feinen Sandstrand statt meterdickem Schlick mit Abfällen, der sich in der Regel am Grunde eines Hafenbeckens befindet, könnte man sogar noch hinwegsehen.
Konstruktive Nachteile, die ins Auge fallen, und Atmosphäre erst gar nicht entstehen lassen:
Pfosten eines Schiffsanlegers - kann sein, daß die anders heißen, ich lasse mich gerne unterweisen - sind normalerweise in den Boden eingerammt, zumindest bei einfachen Verhältnissen. Die im Modell sehen aus wie auf den Sand draufgestellt.
Einige Details sind maßstäblich ein Mißgriff: Die nostalgischen Laternen und vor allem die Geländerstützen stammen aus der nächsthöheren Baugröße. Das ist um so schlimmer, da es sich hier mindestens um "Doppelhalbnull" zu handeln scheint, wo es aus Gründen der Filigranität nicht erforderlich ist, unmaßstäblich zu arbeiten. Schade, dieser Vorteil wurde glatt verschenkt.

Zum unteren Bild, also dem, wo ich Atmosphäre auszumachen meine:
Dies ist vor allem auf den beeindruckenden Himmel sowie die gekonnte Hell/Dunkel-Verteilung zurückzuführen. Auch der Bildaufbau (Himmel-Erde 1/3-2/3) sowie die diagonal verlaufenden Schienen verraten gestalterisches und fotographisches Geschick.
Ich muß allerdings hinzufügen, daß hier weniger Hafenatmosphäre herübergebracht wird, sondern der überzeugende Eindruck einer bestimmten Witterung vermittelt wird, so daß die Lokalität eher in dern Hintergrund tritt.
Auch hier seien die Punkte genannt, die beim Betrachten versuchen, dem guten Eindruck entgegenzuwirken:
Rostfreies Schiff, VW-Bus mit einem Modellierungsgrad, der in Spur Z vielleicht durchgehen mag, - und die Männchen sind eine Katastrophe für sich.
Trotzdem schneidet dieses Bild im Sinne der Aufgabenstellung wesentlich besser ab, wobei es im Gegensatz zum oberen Bild eher als modellbauerisches und fotographisches "Gesamtkunstwerk" zu betrachten ist.
Dies macht, nebenbei gesagt, einen Vergleich der beiden Bilder nicht ganz fair.
Es sei jedoch festgehalten, daß durch gute bildliche Darstellung der Eindruck eines Modellobjekts sehr stark in der Wirkung beeinflußt werden kann - in beiden Richtungen natürlich.

Damit komme ich wieder zu meine Eingangsbemerkung zurück. Mir war es wichtiger, ehrliche begründbare Aussagen zu machen, auch auf die Gefahr hin, wieder mal anzuecken. Das ist hier schon so oft geschehen, daß es auf einmal mehr nicht ankommt.
Aber dafür haben wir ja ein Forum, damit auch anderslautende Meinungen geäußert werden können. "Audiatur et altera pars".

Peter

Pfalzbahn Offline




Beiträge: 1.844

28.03.2009 08:58
#10 RE: 2 Hafenszenen antworten

Also mir gefällt eigentlich Bild 1 besser, obwohl es anscheinend nicht fertig ausdetailiert ist (Kamin nicht gealtert, Belag des Kais muss noch gefärbt werden). In Bild 2 fehlt mir die Ausgegliechenheit. Reges Treiben auf der Fähre, dafür ein riesger aufgeräumter Bahnsteig, dem z.B. ein Handkarren gut tun würde. Bezüglich Farben kann man aber bei beiden Bilder wenig sagen da das Blitzlicht viel kaputt macht. Aber beide Anlagen sind schön und ich hoffe daß ich auch irgendwann dort hin komme.
OT: Kleines Manko bei Bild 2, die Möwe die mit dem Flügel schlägt. Auf dem Foto in Ordnung, stehe ich aber in Realität vor der Anlage, denke ich ist die ausgestopft? -> Animation

Gruß Hubert

"Sir, we are surrounded!" - "Perfect, so now we can attack in every direction!"

OOK Offline




Beiträge: 4.090

28.03.2009 09:33
#11  2 Hafenszenen: Kritik an der Kritik antworten

Ein paar Informationen vorweg: es ging mir nicht darum, ob das Foto Atmosphäre hat, sondern die Anlage. Das ist nicht ganz das Gleiche. Beide Fotos sind von mir gemacht, das obere auf einer der Euromodell-Messen in Bremen, das untere im privaten Anlagenkeller des Besitzers. Beim unteren Foto entstand der Himmel mit Hilfe von Photoshop, weil da anlagenfremde Details zu sehen waren. (das konnte sieben_k natürlich nicht wissen).

Weiter: Maßstäbe: die untere 0e, also 1:45, die obere 00, also 1:76.

Kritik an der Kritik (von sieben_k):

Oberes Bild: fehlende Alterung etc. ist gewiss ein wichtiger Kritikpunkt; dass die Pfähle nicht eingerammt aussehen, ist korrekt, dürfte sich aber auf die Atmosphäre nicht auswirken. Die nostalgischen Laternen sind für mein Auge maßstäblich.

Unteres Bild: „rostfreies Schiff“? Es sind ja nur wenige Partien des Schiffes zu sehen, da kann andernorts schon Rost sein, aber warum darf das Schiff nicht in gepflegtem Zustand sein?
Modelliergrad des VW-Busses: hängt davon Atmosphäre ab? Und: welche Details fehlen dir denn, Peter? Was konkret ist nicht gut an dem (handelsüblichen) Fahrzeug? Männchen eine Katastrophe? Zugegeben, für die Kriegsmodellbauer im Maßstab 1:35 gibt es hundertmal bessere und echtere Figuren als für 0. Aber was kann der Anlagenbesitzer dafür? Deshalb keine Atmosphäre?

Fazit: Ich würde bei der Betrachtung dieser Bilder gern beim Punkt Atmosphäre bleiben. Und fände es gut, wenn ihr es auch so halten würdet.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/
www.0m-Blog.de

jimknopf Offline




Beiträge: 170

28.03.2009 10:29
#12 RE: 2 Hafenszenen antworten

Hallo,

ich denke schon seit gestern auf diesen Bildern rum und es ist mir aufgefallen, das ich mir eines immer wieder anschaue ohne mich zu fragen, was dargestellt wird. Das muss also ein in sich stimmiges Bild sein. Es ist das untere von beiden. Die Szenen, die dort zu sehen sind, sind sehr natürlich dargestellt, so dass man sie nicht wirklich bewusst wahrnimmt, aber wenn man genauer hinschaut erkennt man einige Details wie den Fotografen, der die Fähre ablichtet oder den Bahnwärter mit der roten Flagge, also in sich stimmige Details, die zueinander passen und Sinn machen. Das ist schon ähnlich zu den Bildern am Beginn dieses Threads. Ich find die untere Abbildung bringt mehr Atmosphäre rüber, denke mal das wird für die gesamte Anlage gelten. Wobei man von einem Ausschnitt schwerlich auf die Anlage schliessen kann.

Das obere Bild.... nun ja... auffallend sind dort die schiefhängende Kiste am Kran und die Lok im Wasser, wobei man nicht erkennen kann, woher die Lok stammt oder was mit der Kiste passiert. Auf dem Anleger steht ein Waggon, aber die Sperre ist geschlossen, eine Fähre sieht man nicht. Da stimmt was nicht so der erste Eindruck. Den können auch die in sich stimmigen Details im Hintergrund wie das Pärchen auf der Bank oder der "studierende" Schaukastenleser nicht wettmachen. Ich finde dieses Bild und damit wohl auch die Anlage strahlt weniger Atmosphäre aus. Die Details passen nicht zueinander, zum Beispiel würde eine versinkende Lok die Rentner von der Bank locken, sie würden gaffen. Das Auge hängt sich also im Vordergrund auf und es tauchen Fragen auf, die man nicht beantwortet bekommt.

Soweit meine Gedanken dazu...

Stefan

sieben_k Offline



Beiträge: 111

28.03.2009 15:09
#13 RE: 2 Hafenszenen: Kritik an der Kritik antworten

In Antwort auf:

Deshalb keine Atmosphäre?



ja genau deshalb.

Atmosphäre ist für mich ein höchst sensibles Gesamtprodukt, das sich aus der Summe aller Eindrücke bildet, die beim Betrachten eines Objekts auf mich eben einwirken.

Sind dabei nicht stimmende Details, über die ich mich vielleicht sogar ärgere, weil es ja meine Zeit ist, die ich mit dem Anschauen verbringe, stören sie diesen Prozess, ergo kommt für mich auch keine Atmosphäre zustande.
Ganz besonders schlimm ist es, wenn es nur einige Teile sind: das Ganze möchte einem eigentlich gefallen, aber automatisch wird der Blick immer wieder von den Kritikpunkten angezogen - ein am Ende unbefriedigender Vorgang.

Insofern widerspreche ich der Kritik an der Kritik.

Der Bus mag ja von Länge und Breite her maßstäblich und von den Bauteilen vollständig sein, aber alle Details, Regenrinne, Fensterstege, VW-Logo sind vergröbert und signalisieren mir: das ist ein Spielzeug und kein Modell.
Und die Männchen sind eine Katastrophe, keine Modelle von Menschen. Kleidung mit den vielfältigsten Schattierungen und Faltenwürfen bekommt man nicht nachgebildet, indem man die Figur einmal kurz in den Farbtopf tunkt.

Da die Erwähnung der Details ursächlich mit dem Vorhandensein/Nichtvorhandensein von Atmosphäre verknüpft sind, bin ich mir auch nicht bewußt, vom Thema abgewichen zu sein.

Peter

Lutterberger Offline




Beiträge: 120

28.03.2009 16:23
#14 RE: 2 Hafenszenen: Kritik an der Kritik antworten

Zitat von sieben_k
Sind dabei nicht stimmende Details, über die ich mich vielleicht sogar ärgere, weil es ja meine Zeit ist, die ich mit dem Anschauen verbringe, stören sie diesen Prozess, ergo kommt für mich auch keine Atmosphäre zustande.
Ganz besonders schlimm ist es, wenn es nur einige Teile sind: das Ganze möchte einem eigentlich gefallen, aber automatisch wird der Blick immer wieder von den Kritikpunkten angezogen - ein am Ende unbefriedigender Vorgang.


Ich stelle an die Impression von Atmosphäre keine perfektionistischen Ansprüche. Die falsche oder fehlende Regenrinne eines Autos (auf einer Modellbahnanlage!) könnte mich nie dazu bringen, mich zu ärgern, anstatt das zu genießen, was zu genießen ist. Was habe ich denn davon, wenn ich mich ärgere? Die Haltung von sieben_k scheint mir eine pessimistische zu sein.

Zitat von sieben_k
Und die Männchen sind eine Katastrophe, keine Modelle von Menschen. Kleidung mit den vielfältigsten Schattierungen und Faltenwürfen bekommt man nicht nachgebildet, indem man die Figur einmal kurz in den Farbtopf tunkt.

Gewiss, die Figuren - das gilt für alle Modellbahnmaßstäbe - könnten erheblich besser sein. Keine Frage. Wenn das aber generell so ist, dann könnte man ja grundsätzlich keine Atmosphäre auf einer Anlage erzeugen, sobald man Menschen (und VW-Busse) einsetzt. Das kanns nicht sein. Oder weiß sieben_k, wo es die perfekten Figuren gibt? Das würde mich glatt interessieren.

Es grüßt der Exil-Harzer
Lutterberger

eisenhans Offline




Beiträge: 394

29.03.2009 09:53
#15 RE: 2 Hafenszenen: antworten

Ich finde, dass die beiden Bilder gute Studienobjekte sind, um herauszufinden, was Atmosphäre bringt, was nicht. Darum kann es ja nur gehen, nicht darum, eine Anlage und damit ihren Erbauer runter zu machen.

oberes Bild: Das könnte eigentlich eine super atmoshärische Szene sein, aber der Eindruck bleibt blass. Nicht nur wegen des roten Plastikschornsteins.
Mich stört die Lok im Wasser, die wohl über das Ende des Piers rechts im Bild hinausgefahren ist. Das ist MiWula-Effekthascherei. Aber es handelt sich um eine Ausstellungsanlage (OOK hat das geschrieben), da gibt’s ja diese Leute, die gerne hingucken, wenn es Hingucker gibt.
Der vom Blitz überstrahlte Kran im Vordergrund ist sicher eine fotografische Panne, müsste man sich wegdenken.
Ich denke gerade an das Bild, das wir mal vom Michaels Hafen hatten mit den Fischkisten etc. Da war Atmoshäre. Hier ist man auf halbem Wege stehen geblieben.

Unteres Bild.
Ich würde auch, wie sieben_k, gern den Himmel positiv mit einbeziehen, aber OOK hat ja geschrieben, dass der nicht mitzählt weil Retouche. OK. Was sehe ich? Eine Fähre im Hafen Wittow (steht am EG), ablegebereit. Die Mole ist recht leer, bis auf den Wismarer, die Fotografin und – wichtig – den knieenden Arbeiter rechts an der Kaimauer.
Das Leben ist jetzt an Bord, da ist was los. Das Land fällt in die Ruhe zurück. Typisch und richtig. Was nicht passt, ist der Haufen Volks am EG. Warten die auf ein Taxi? Oder warum steigen sie nicht ein?

Trotz meiner Kritikpunkte empfinde ich die Szene als atmosphärisch, ich höre den Diesel der Fähre und die Möwen.
Meint

Der Eisenhans

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