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Modellbahnanlagen
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 V.1. Betrachtungen vom Herausgeber des Buches "Anlagen-Planung für vorbildgerechten Modellbahn-Betrieb" (MIBA-Verlag)
OOK Offline




Beiträge: 3.657

19.11.2008 12:55
Vom Finden und Er-Finden - November 2008 Thread geschlossen
Vom Finden und Er-Finden

Als ich zehn Jahre alt war, zogen wir in ein altes Haus, dessen Vorbewohner auf dem Dachboden allerlei Zeug hinterlassen hatten. Beim Forschen in diesen Kisten und Kasten fiel mir auch ein großer Karton voller schwarzer Dominosteine in die Hände.

Damit habe ich zwar nie Domino gespielt, aber ich kam auf die Idee, diese flachen Steine zu Lokomotiven und Wagen zusammenzusetzen. Natürlich sahen drei Steine hintereinander in Doppellage und einem dritten Stein an einem Ende oben drauf nicht im Entferntesten aus wie eine Lokomotive, in meiner Phantasie aber doch.

Ich reihte eine „Lok“ und mehrere „Wagen“ hintereinander und schob diesen „Zug“, besser gesagt Schub, quer durch die Küche bis zur anderen Wand. Fast bis zur Wand, denn ein Stück ließ ich frei, um mit der Lokomotive allein ein Stück vorrücken zu können, damit sie dann auf dem „Nachbargleis“ an ihrem Zug vorbei an dessen anderes Ende fahren konnte. So hatte ich es nämlich mehrfach in dem Endbahnhof im Thüringer Wald beobachtet, wo wir vorher gewohnt hatten.

Nun schob ich den Zug wieder zurück zu seinem Ausgangspunkt. Das war nicht so einfach, da die Dominosteine ja nicht verbunden waren; so konnte ich meinen eingebildeten Zug nur in fast gerader Linie hin und her durch die Küche schieben.

Heute ist mir klar, dass ich damals etwas er-funden habe: den point-to-point-Betrieb auf der Modelleisenbahn - der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe. Wie das mit den großen Erfindungen so ist, wurde auch meine an mehreren Stellen zugleich erfunden, so dass ich mir da keinen Orden anheften kann.

Mit zwölf bekam ich dann meine erste elektrische Eisenbahn, eine TM 800 und zwei rote Loren von Märklin nebst einem Schienenkreis mit 76cm Durchmesser, alles fest auf eine quadratische Platte montiert. Diese Bahn machte mich leider nicht so glücklich, wie meine Eltern sich das erhofft hatten. Sie verstanden nicht, wieso ich nicht verstand, wieso ich mit dem Zug immer nur im Kreis herum fahren sollte, anstatt, wie mit meinen Dominosteinen von einem Ende des Zimmers zum anderen. Man sieht, ich hatte schon einen Schaden, der mich durch mein ganzes Leben begleiten sollte.

Ich sparte jeden Pfennig, den ich ergattern konnte, um mir „gerade Schienen“ zu kaufen und irgendwann konnte ich auch mit meiner TM 800 geradeaus fahren.

Noch heute habe ich es schwer damit, zu verstehen, dass neun Zehntel aller Anlagengleispläne, die man irgendwo sieht, auf einem Oval, also einem breitgedrückten Kreis basieren. Was hat das mit einer richtigen Eisenbahn zu tun? Soviel, wie ein Falscher Hase mit einem richtigen, denke ich.

Heute weiß ich, dass man auch auf zwei Quadratmetern einen sinnvollen Endpunkt-zu-Endpunkt-Betrieb veranstalten kann, wenn man einen entsprechenden Gleisplan hat. Nur geringfügig größer – auf 1,20 x 2,20m – habe ich das mit Herbert Fackeldey zusammen sogar in Baugröße 0e geschafft. (s. MAD e-book, Kap. 6.3)

Einmal bei einer Ausstellung, wo wir das Anlägchen zeigten und den hin-und-her-Betrieb mit den Erzzügen zwischen Ladebunker und Entladestelle (verdeckter Fiddle-Yard) vorführten, wurde ich von einem Herrn, der eine Weile zugeschaut hatte, gefragt, ob das denn nicht auf die Dauer langweilig sei. Ob er denn meine, wenn ich hier stattdessen mit den Zügen ständig im Kreise herum fahren würde, dass das dann spannender wäre? Er antwortete nur mit einem kurzen Lacher und trollte sich.

Ich gehöre keineswegs zu der Gruppe der Hyperaktiven, aber beschäftigt und tätig zu sein finde ich immer noch unterhaltsamer, spannender und befriedigender als einem immer gleichen Vorgang zuzuschauen. Ich weiß, dass viele Anlagenbauer die eingleisige Stichbahn, die zu jeder zweigleisigen Ringstrecke zwingend dazuzugehören scheint, nur mit Triebwagen oder Wendezügen betreiben, weil sie das Umsetzen am Ende nervig finden wie die DB. Die hat das aus Kostengründen abgeschafft und sogar alle IC mit Steuerwagen ausgestattet, so dass sie nicht einmal mehr in Frankfurt/M Hbf eine neue Loks an andere Ende benötigen.

Das ist bei mir gerade umgekehrt: das Umsetzen ist das Salz in der Modellbahnbetriebssuppe. Deswegen habe ich mir ja auch ein Vorbild und eine Epoche für meine Anlage ausgesucht, wo das zwingend ist. Und auch wenn die jetzige BAE III noch nicht ganz betriebsfertig ist, weiß ich doch sicher, dass ich mir ihr auf Dauer spannenden Betrieb veranstalten können werde, schließlich ist sie ja von der Konzeption her „nur“ eine ausgedehnte BAE II, die viele, viele Betriebssessions erlebt hatte und nie abgebrochen worden wäre, wenn ich nicht hätte umziehen müssen.

Möge das Schicksal mir das nicht noch einmal zumuten. Dann werde ich solange ich lebe mit meine Freunden zusammen auf der BAE III hin und her fahren wie einst mit den Dominosteinen auf dem Küchenfußboden.

OOK
http://ferrook-aril.jimdo.com/

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